+
Silas Müller (l.) und Christoph Graul leben gesund.

Urban-Farming

Gemüsekooperative in Frankfurt wächst weiter

  • schließen

400 Haushalte in Frankfurt sind Teil der Genossenschaft, die nun einen zusätzlichen Standort sucht.

Die Kooperative, aufstrebendes Frankfurter Urban-Farming-Unternehmen, nimmt wieder Genossenschaftsmitglieder auf. Eine Zeitlang hatten die Gründer Silas Müller und Christoph Graul die Neuanmeldungen ausgesetzt. Der Grund: Es kamen einfach zu viele Interessenten. Das Pflänzchen wuchs zu schnell.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass das Lebensmittel-Nahversorgungsprojekt mit Sitz in Oberrad den Betrieb aufnahm; die FR berichtete von Anfang an. Es geht dort um erlebbare Landwirtschaft, um Teilhabe, Gemeinschaft und Solidarität. Inzwischen sind es etwa 400 Haushalte, die regelmäßig ihre Ernteanteile Obst und Gemüse abholen, Brot, Eier, Honig und Saft – inzwischen ist aus dem Pflänzchen ein starker Baum geworden. „Jetzt müssen wir uns fragen: Wo ist die Grenze des Wachstums?“, sagt Graul.

30 000 Menschen könnten sie nach 20 Jahren ernähren, gaben die zwei Farmer im März 2018 als Zielmarke an, als Utopie zwar, doch als durchaus erreichbare Zahl. Aber: natürlich nicht alle an einem Standort. „Wenn es zu viele Leute sind, wird es anonym“, sagt Müller. Dann leide das Gleichgewicht aus Wirtschaftlichkeit, sozialem Anspruch und Transformation.

TERMINE

Führungen über die „City Farm“ der Kooperative im Oberräder Bärengarten 5 gibt es am 28. März, 25. April, 30. Mai und 27. Juni, jeweils um 14 Uhr. Dazu ist keine Anmeldung nötig.

Zum Mitgärtnern lädt die Genossenschaft vom 4. April an ein: Am ersten und dritten Samstag jedes Monats wird im Bärengarten von 9 bis etwa 15 Uhr gepflanzt, gehackt und gejätet. Keine Anmeldung nötig.

Im April beginnt auch wieder die Arbeit mit den Bienen. Da gibt es alle 14 Tage die Gelegenheit, den Fachleuten über die Schulter zu schauen oder selbst das Imkern auszuprobieren. kleebrig.honig@gmail.com.

Mehr Informationen zur Kooperative, zu Angeboten und Kosten der Beteiligung auf der Website www.diekooperative.de. ill

Klingt kompliziert. Einfach gesagt, geht es darum: Die Teilhaber erhalten gesunde Lebensmittel zum für beide Seiten fairen Preis. Das ist der wirtschaftliche Aspekt. Sie erleben Gemeinschaft, gärtnern mit, feiern zusammen. Das ist das Soziale. Und sie arbeiten daran, die Gesellschaft zu verändern – hin zu einem Gemeinwesen, das alle mitnimmt, gesunde Ernährung nicht nur für Privilegierte gewährleistet und die natürlichen Ressourcen schont. Das ist die Transformation.

„Damit das weiterhin funktioniert, werden wir einen zusätzlichen Standort suchen“, sagt Graul. Zur sogenannten City Farm im Oberräder Bärengarten soll eine Zweigstelle kommen, die die nördlicheren Stadtteile abdeckt. „Im Idealfall wohnen die Leute in Fahrraddistanz und können schnell auf den Acker kommen, um nach dem Gemüse und den Hühnern zu sehen“, schildert Müller. Der Steinbacher Quellenhof, auf dem sie etwa Weizen für die eigenen Nudeln (Spirelli und Bandnudeln, mit Eiern aus den beiden Hühnermobilen) und für das Brot anbauen, ist dafür zu entlegen. Eine Fläche in Preungesheim, Berkersheim oder angrenzenden Stadtteilen schwebt ihnen vor. Vielleicht ein landwirtschaftlicher Betrieb, der mangels Größe keine Perspektive mehr für sich sieht, aber in die genossenschaftlichen Strukturen genau so passt, wie er ist. Die Bürger AG unterstützt die Expansionspläne finanziell.

Ein bis drei Jahre geben sich die urbanen Farmer für den nächsten Schritt. „Wenn die Stadt klug ist, plant sie Projekte wie uns in ihr Wachstum ein“, sagen sie. Erste gemeinsame Projekte mit der Stadt gibt es bereits: etwa eine „Nasch-Allee“ an der Wehrstraße in Oberrad, an der die Bürgerinnen und Bürger gratis Obst pflücken dürfen – in der Nachbarschaft zum Projekt „Baum Grow Up“, das die Gartenarchitektin Ute Wittich dort für den Klimaschutz gegründet hat, mit Bienenweiden und Blühpflanzen für weitere Insekten. „Das passt hervorragend zusammen“, sagt Christoph Graul.

Konflikte mit anderen solidarischen Landwirten? „Sehen wir nirgendwo“, freut sich die Kooperative: „Alle wachsen nebeneinander“, es gebe Zusammenarbeit etwa für Grüne Soße und Eier. Ist das nicht alles enorm anstrengend? „Wir arbeiten inzwischen sogar etwas weniger“, sagt Graul, „nur noch acht bis zwölf Stunden am Tag.“ Dabei hilft der gewachsene Mitarbeiterstab: Zehn Leute schaffen inzwischen für die Kooperative. „Gute Leute“, loben die Chefs. Und jetzt beginnt die Zeit, in der das Leben im Bärengarten auch wieder für die vielen Genossen richtig losgeht. Es wächst wieder was auf dem Acker.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare