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Nicht alle haben sich vom Regen vertreiben lassen.
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Nicht alle haben sich vom Regen vertreiben lassen.

Frankfurt

Gemischte Gefühle beim Glauburgfest

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Im Frankfurter Nordend wird erstmals wieder im Stadtteil gefeiert. Einige Menschen sind jedoch noch vorsichtig und tragen bei zu viel Gedränge lieber eine Maske.

Wer am Sonntag zum „Glauburgfest“ am gleichnamigen Platz möchte, muss zunächst einmal die Corona-Warn-App auf dem Handy vorzeigen oder seine Kontaktdaten auf einem Formular hinterlassen. Schon am frühen Nachmittag sind alle Formulare ausgefüllt, sodass die Blanko-Rückseiten zum Eintragen herhalten müssen. Auf einem kleinen Schild wird auf Einhalten von Abständen, das Tragen von Masken und Möglichkeiten zur Desinfektion hingewiesen.

Zahlreich sitzen Besucher:innen an Bierzeltgarnituren auf dem Platz, wo sonst Basketball gespielt wird, die meisten ohne Masken. Drumherum haben bei dem Fest, das der Vereinsring Nordend zum 26. Mal veranstaltet, Vereine und Initiativen unter Pavillons ihre Stände aufgebaut. Mit seiner „Hausgemeinschaft“, wie er sagt, hat sich Joachim Schnell auf einer Holzbank niedergelassen. „Ein bisschen ungewohnt ist es schon, dass man sich wieder zusammen setzen kann“, sagt der 55-Jährige und zeigt mit dem Finger hinter sich, wo er wohnt. Verzerrte Gitarrengeräusche, brummender Bass und dumpfes Schlagzeug-Trommeln sind währenddessen von der Bühne aus zu hören. Die Nachwuchs-Band „Rough Roads“ von der benachbarten Kulturwerkstatt in der Germaniastraße stimmt noch ihre Instrumente. Schnells Nachbarin Kerstin Perbandt, die mit ihrem siebenjährigen Sohn gekommen ist, freut sich „mal wieder rauszugehen und unter Leuten zu sein“. Waffeln und Couscous vom armenischen Frauenverein habe es zu Mittag gegeben. Ihre Maske, die sie bis eben noch am Ellenbogen getragen hatte, hat sich Perbandt vorsichtshalber übergezogen. „Wenn man den Abstand nicht einhalten kann“, sei das sinnvoll, sagt die 48-Jährige.

Regenguss fegt die Bänke leer

Ähnlich sieht das Nicole Reeck, die ihre Mund-Nasen-Bedeckung unter das Kinn geschoben hat: „Wenn es eng wird, bricht keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er eine aufzieht“, sagt sie. Die 43-Jährige steht mit viel Abstand zu anderen an einem von rund einer Handvoll Flohmarktstände. Auf den Klapptischen vor ihr liegt ausrangiertes Spielzeug ihres sechsjährigen Sohnes: Spiele, Puzzles, ein Playmobil-Piratenschiff. Sie sei zufrieden mit den bisherigen Einnahmen, ihre Devise laute ohnehin: „Für kleines Geld, Hauptsache weg“. Reeck sagt: „Ich habe mich erstmal tierisch gefreut, dass das Fest überhaupt stattfindet“. Ihr Mann Thorsten fügt hinzu: „Es hat wieder was Normales“. Obwohl, so gesteht er ein: „Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, als ich vorhin mit meinem Sohn ohne Maske durch die Masse gelaufen bin“.

Die Polizei, die in Form eines Infostandes vom „Schutzmann vor Ort“ zugegen ist, scheint dagegen offenbar keine Einwände zu haben.

Florian Bube, mit Sohn an der Hand und seine Frau Heidrun Krämer, mit Tochter auf dem Arm, tragen trotzdem Masken. „Das ist Gewohnheit und mehr Schutz für die anderen als für mich selbst“, sagt der 42-Jährige. „Ich war total irritiert, spontan so viele Menschen auf einen Schlag zu sehen“, sagt seine Frau. Als ein kräftiger Regenguss einsetzt, eilt die Familie neben vielen weiteren Besucher:innen schnell zu den Ausgängen und die Bierbänke sind ruckzuck wie leer gefegt.

Susanne Diehl und ihre beiden Gäste aus Mannheim lassen sich vom Regen nicht vertreiben und haben sich an einem Stand mit Baby-Kleidung untergestellt. „Ich find’s toll, dass man wieder zusammen kommen kann“, sagt die Nordendlerin. Ihr Schwager Johannes Aurer sagt: „Wir wollten uns nicht drinnen treffen“. Der 68-Jährige kommt ins Schwärmen: „Kleine Lichtblicke wie so ein Stadtteilfest mit netter Atmosphäre sind in großen Städten gold wert“. Wo sonst gebe es ein „tolles Viertel Wein für 2,50 Euro und leckeres, afghanisches Essen“.

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