+
Jungen und Mädchen des Kinder- und Familienzentrums singen für den Stadtteil. Und zum Spaß.

Griesheim

Mut für die Gemeinschaft

  • schließen

Die Kampagne „Gemeinsam in Griesheim 2019“ will das soziale Miteinander im Stadtteil stärken.

Die Grenzen zwischen Wunsch und Realität sind manchmal fließend. Die Jugend in Griesheim zum Beispiel, fühlt sich wohl im Stadtteil. „Hier wird niemand ausgeschlossen, egal woher man kommt. Wir bilden eine Gemeinschaft“, sagt Bouchra Ben Gharbia. Die 14-Jährige hat sogar einen Song darüber geschrieben.

Besagtes Lied hat am Freitag Welturaufführung gefeiert. Auf der Bühne des Bürgerhauses am Schwarzerlenweg. Die Veranstaltung ist der Auftakt zur Kampagne „Gemeinsam in Griesheim 2019“. Ein Jahr lang soll es um das Verbindende im Stadtteil gehen. Und damit zur Wahrnehmung. Eine Reihe von Menschen in Griesheim hat schon das Gefühl, das es Leute gibt, die die Gesellschaft spalten wollen. Die Stimmung machen gegen Teile der Bevölkerung.

Darum haben sich die Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen von verschiedenen Trägern zu einem Arbeitskreis zusammen geschlossen. In ihrer Freizeit, neben ihrer Arbeit in Jugendhäusern oder Kindergärten. „Nach der Bundestagswahl 2017 haben wir beschlossen, dass wir den Spannungen etwas entgegen setzen wollen“, sagt Sonja Schindler, die am Freitag das Bühnenprogramm mit moderiert. „Wir wollen Euch und uns Mut zusprechen, Zivilcourage zu zeigen“, ruft Schindler ins Publikum. Gegen den politischen Rechtsruck, gegen religiöse Radikalisierung, gegen sexualisierte Gewalt. Gegen Ausgrenzung.

Der Impuls ist aus dem Mädchenarbeitskreis gekommen. Besucherinnen hatten von Übergriffen berichtet, von mit unverholener Häme erzählten, menschenverachtenden Witzen. „Wir müssen den Spieß umdrehen“, sagt Sonja Schindler. Alle mit ins Boot holen und den Blick auf das Verbindende zwischen den Menschen lenken. Etwa die Musik.

Mattheus Entale hat sich da ganz schön überwinden müssen. Eigentlich hat er nur schüchtern im Jugendclub nachgefragt, ob er dort musizieren könne. Und wurde gleich für den Griesheim-Song verhaftet. Sehr scheu habe er im Studio vor dem Mikrofon gestanden, erzählt der 19-Jährige. Aber dann hat er sich gesagt: „Es gibt niemanden, der dich dran hindert zu singen.“ Er muss es einfach nur tun.

Kein Problem für Bouchra Ben Gharbia. Sie hat sich auch daran gewöhnt, Leuten zu erklären, dass sich ihr Vorname mit „sch“ in der Mitte ausspricht. Und sie ist keineswegs so naiv zu glauben, dass gute Nachbarschaft von selbst entsteht. „Weil mehr Leute kommen, könnte es Konflikte geben“, sagt sie. Ihr Mittel dagegen: „Wir müssen zusammenhalten.“

Sagt auch Daniela Birkenfeld (CDU), die Frankfurter Sozialdezernentin. Seit 20 Jahren gebe es das Programm Aktive Nachbarschaften. Und es habe Spuren hinterlassen. Menschen fühlen sich verantwortlich für ihren Stadtteil, engagieren sich. „Nirgendwo gibt es keine Konflikte“, sagt Birkenfeld. Man müsse sie eben austragen, miteinander reden. Am Schluss sollen alle sagen: „Ich bin gerne Griesheimer.“

Quartiersmanagerin Franziska Thies unterstützt: „Wir wollen Netzwerke bilden.“ Die Leute sollen sich und die Vielfalt ihres Stadtteils kennenlernen. Die nächste Gelegenheit dazu ist am Dienstag, 28. Mai, bei einer Ausstellung in der Bahnhofsunterführung. Zu sehen sind Selbstportraits Griesheimer Kinder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare