Da hatten sie noch gut lachen: OB Feldmann (rechts) gratuliert Vorsteher Siegler 2016 zu seiner Wiederwahl. 
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Da hatten sie noch gut lachen: OB Feldmann (rechts) gratuliert Vorsteher Siegler 2016 zu seiner Wiederwahl.

Frankfurt

Siegler widerspricht Feldmann: „Gemeinsames Grußwort nicht gewünscht“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Das Neujahrsgrußwort sorgt in Frankfurt für Ärger: Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) widerspricht Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Es war aufgefallen: Das Neujahrsgrußwort 2020 der Stadt Frankfurt kam zum ersten Mal nicht gemeinsam von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU). Nur Feldmann trat als Verfasser in Erscheinung. Auf Anfrage der FR hatte das OB-Büro erklärt, Siegler sei wegen eines Krankenhausaufenthalts nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig den Text fertigzustellen.

Frankfurt: Neujahrsgrußwort vom Oberbürgermeister Feldmann nicht gewünscht?

Dem widerspricht Siegler jetzt grundsätzlich. Dem CDU-Politiker fällt es dabei durchaus schwer, aus der durch sein Amt gebotenen parteipolitischen Neutralität herauszutreten. „Alle meine Versuche, einen gemeinsamen Text mit dem Oberbürgermeister abzustimmen, sind gescheitert“, sagt Siegler im Gespräch mit der FR.

Bei ihm sei der Eindruck zurückgeblieben, dass ein gemeinsames Grußwort vom Oberbürgermeister nicht gewünscht gewesen sei.

Stephan Siegler: „Ich bin ja nicht am Kopf operiert worden“

Tatsächlich habe ihn sein kurzer Krankenhausaufenthalt keineswegs gehindert, Textvorschläge zu machen. „Ich bin ja nicht am Kopf operiert worden“, sagt der 54-jährige Kriminalbeamte mit einem Lachen.

Siegler, der seit zweiundzwanzig Jahren dem Stadtparlament angehört und über Parteigrenzen hinweg Anerkennung genießt, bedauert, dass ein gemeinsames Grußwort mit dem OB nicht zustande gekommen sei. „Für die Außenwirkung den Menschen gegenüber ist das nicht gut“, urteilt der Vorsteher.

Oberbürgermeister Feldmann war in den Wochen vor Weihnachten durch die Affäre um die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) öffentlich stark unter Druck geraten. In dieser Zeit war auch das OB-Büro durch dieses Thema stark in Anspruch genommen.

Frankfurt: Parteipolitische Graben hat sich insbesondere zur CDU vertieft

Dabei hatte sich der parteipolitische Graben im Rathaus insbesondere zur CDU vertieft, von der er scharf angegriffen worden war. Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen ist durch die AWO-Affäre nach wie vor belastet. Die CDU und die FDP im Römer haben bereits angekündigt, in der Sitzung des Stadtparlaments am 30. Januar neue Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Siegler bekleidet das Amt des Stadtverordnetenvorstehers, das viele repräsentative Aufgaben und Auftritte mit sich bringt, seit sechs Jahren.

Er erinnert sich daran, dass es nach der Wahl der CDU-Politikerin Bernadette Weyland 2011 zur Stadtverordnetenvorsteherin einmal vorgekommen sei, dass es getrennte Grußworte von Stadtoberhaupt und Vorsteherin gegeben habe. Weyland habe einmal einen eigenen Text herausgegeben, um sich inhaltlich abzusetzen. Sie trat dann 2018 als OB-Kandidatin gegen Feldmann an, verlor die Wahl aber deutlich.

Nächstes Jahr wieder ein gemeinsames Neujahrsgrußwort

Das OB-Büro hatte angekündigt, dass es 2020 wieder ein gemeinsames Grußwort von Feldmann und Siegler geben solle.

Von Claus-Jürgen Göpfert

Auch bei einem anderen Thema gibt es Streit im Römer: Wegen den Feierlichkeiten zum 8. Mai.

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