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Freunde fürs Leben: Benni Over und ein kleiner Orang-Utan, der selbst auf seinen Schoß kletterte. 

Frankfurt

Zoo Frankfurt: Gemeinsam die Welt retten

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Benni Over besucht den Zoo, um über die Bedrohung des Regenwalds und der Orang-Utans zu berichten. Was er mit seinem Handicap schafft, begeistert die Besucher.

Was für eine Überraschung: Benni Over und seine Familie sind in Frankfurt, und es stellt sich heraus: erstmals im Frankfurter Zoo. Wer hätte das gedacht? Die besten Freunde der Orang-Utans weit und breit – zum allerersten Mal in dem Zoo, der seit 1877 die roten Primaten hält und vor mehr als 60 Jahren die allererste Zoogeburt eines dieser Regenwaldbewohner feierte.

Aus ihrem Dorf in Rheinland-Pfalz sind sie angereist, und es war beileibe nicht ihr weitester Trip. Der führte sie nach Indonesien, in die Heimat der Orang-Utans. Davon zu erzählen, sind sie hier. Es ist eine mitreißende, eine anrührende Geschichte.

Benni Over, 29, ist nicht nur „einer der größten Orang-Utan-Fans weltweit“, wie Gastgeber Michael Kauer von der Zoologischen Gesellschaft ihn den Besuchern im vollbesetzten Saal des Borgori-Walds vorstellt. Benni Over sitzt auch seit der Pubertät wegen einer Muskelerkrankung im Rollstuhl, die ihn inzwischen fast vollständig gelähmt hat. „Kompliment“, sagt Kauer: für eine Reise, wie sie die meisten Menschen mit zwei gesunden Beinen nicht hinkriegen. Für eine Reise vor allem, die so viel Aufmerksamkeit auf eines der größten Probleme unserer Zeit gelenkt hat.

„Jede Stunde wird Regenwald im Ausmaß von 200 Fußballfeldern gerodet“, sagt Bennis Vater Klaus Over, der die Moderation des Abends übernimmt: „jede Stunde!“ Wäre das Frankfurter Stadtgebiet komplett mit Regenwald bewachsen, wäre es in 5,2 Tagen komplett verschwunden, hat er ausgerechnet; Hessen gäbe es nach 14 Monaten nicht mehr.

Welche Bedeutung das alles fürs Klima hat, war vor gut fünf Jahren noch gar nicht abzusehen, als Benni Overs Geschichte mit den roten Primaten Fahrt aufnahm. Damals hatte ihn der Blick eines jungen Orang-Utans im Kölner Zoo mitten ins Herz getroffen. Beziehungsweise: „Wenn ein Orang-Utan einen anschaut, das trifft einen ganz tief in der Seele“, sagt Klaus Over. „Irgendwie sagt einem das die Wahrheit.“

Die Wahrheit war damals und ist heute immer noch: Unzählige Affenmütter werden von den Bäumen heruntergeschossen, die die großen Firmen in Indonesien abholzen, um Palmölplantagen anzulegen. Die Jungen, die sich an den Körper ihrer Mama klammern, werden an Hilfsorganisationen weitergereicht, falls sie das Massaker überleben. In den Camps sollen sie lernen, was ihnen ihre toten Mütter nicht mehr beibringen können. Das ist die eine Seite der Tragödie.

Die andere Seite ist das Weltklima. Bis zu 15 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes hingen mit dem Raubbau am Regenwald zusammen, sagt Klaus Over. „Diesen Aspekt hatten wir anfangs gar nicht auf dem Schirm – so, wie sich die Dinge entwickelt haben, sind wir da hineingerutscht.“ Vom Tierschutz zum Klimaschutz. Selten lässt sich so gut der Zusammenhang zwischen der Klimakrise und dem Verlust der biologischen Vielfalt zeigen, jenen beiden Problemen, die den Fortbestand der Natur zurzeit am stärksten infrage stellen.

Was also tat die Familie Over? Sie gestaltete ein Kinderbuch: „Henry rettet den Regenwald“. Darin schafft es ein kleiner Orang-Utan (Henry) mit Hilfe seines Paten (Benni), des Papstes, des Dalai-Lama, der Bundeskanzlerin und des (vorigen) US-Präsidenten, das Abholzen zu beenden. Das Ganze gibt es auf Youtube auch als rührenden Trickfilm zu sehen. Mit dem Buch und einer Vortragsreihe ging die Familie in viele Schulklassen. Aber das genügte Benni nicht. Er hatte ein klares Ziel: Nach Indonesien sollte die Reise gehen – und das machte die Familie vereint mit guten Freunden möglich.

Was sie dort erlebten, zeigt der Film, den Klaus Over im Frankfurter Zoo in Ausschnitten vorführt: Mit dem Rollstuhl über einen Fluss, dessen Holzbrücke weggebrochen ist; Empfänge in den Dörfern wie für einen Staatsgast; ganz zarte Annäherungen zwischen den zahmen Affenbabys und ihrem Freund aus Deutschland. Die Zuschauer sitzen urwaldmäuschenstill davor.

Und Benni Over? Genießt lächelnd, dass wieder ganz viele Menschen erfahren, worauf zu achten ist: Palmöl in Nussnougatcreme, Instantsuppen, Schokolade, egal in welchem Produkt? Bitte nicht kaufen. Die Orang-Utans sagen danke – und das Klima.

„Die Zahl unserer Veranstaltungen wächst“, sagt Klaus Over. Kein Wunder, die Leute beginnen zu begreifen. Benni wird kämpfen, solange er kann, demnächst mit einem Klimakochbuch. „Das hier ist seine Lebensaufgabe.“ Michael Kauer ernennt ihn zum Ehren-Naturschutzbotschafter der Zoologischen Gesellschaft. Die Besucher applaudieren lange.

Mehr über Benni Overs Mission: www.henry-rettet-den-regenwald.de.

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