Welche schmeckt am besten? Sieben Grüne Soßen im Gläschen zum Probieren.

Grüne Soße

Gemeinsam sind wir grün

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Fantastische Stimmung und Witze auf Kosten der Nilgans beim zwölften Grüne-Soße-Festival. Stargast Christian Ehring trifft Kühe beim Lidl.

Zwei unwiderlegbare Weisheiten. Erstens: Die nächste Grüne Soße ist immer die schwerste. Zweitens: Solange es das Frankfurter Grüne-Soße-Festival gibt, ist das Leben lebenswert – solange ist die Welt grün. Und damit zu den knallharten Fakten.

Der Titelverteidiger ist raus. In einer an Qualität und Dramatik nicht zu überbietenden Abendshow kann das Bonameser Traditionswirtshaus „Zum Einhorn“ nicht an den Vorjahreserfolg anknüpfen. Zum Sieger der dritten von sieben Vorrunden küren die Besucher am Montagabend die Grüne Soße der Heddernheimer „Speisekammer“. Sämtliche Kandidaten liefern so delikate Sößchen ab – da kann man nur sagen: ein Gedicht. Genau wie der ganze Abend unter dem Motto: „Grie Soß, so lautet die Mission / Grie Soß, die wahre Religion / Gemeinsam sind wir grün.“

Das Grüne-Soße-Festival, zum zwölften Mal auf der Bühne präsentiert von Kräuter-Gottheit Anton Le Goff (der auch in diesem Jahr der Festival-Erfinderin Maja Wolff verblüffend ähnelt), Timo Becker und der Hilde aus Bornheim – es hat immer noch keinen Oscar und keinen Grammy erhalten. Ein Skandal. Denn was soll es bitte Unterhaltsameres geben als sieben plus eins Tage Halligalli am Roßmarkt und jeden Abend Witze auf Kosten der Nilgans im Zelt? Spaß für 5000 Leute, Renommee für 49 Kräuter-Kreatöre in unverfrorenen Zivilklamotten? Und das alles zu Ehren einer – Obacht: – grünen, plump-pampigen Soße, die wir durchgeknallten Frankfurter lieben wie sonst nix?

Die Oberräder Gärtner, erzählt Le Goff eingangs, diese armen Leute, denen die Nilgans alle Kräuter von den Feldern frisst, sie dürfen jetzt zum Trost das Dach der Notre Dame in Paris neu gestalten. „Natürlich begrünt!“ Und der Auftrag an die Festivalbesucher lautet diesmal nicht, Grüne Soße an Urlaubszielen in aller Welt anzupflanzen, wie es viele im Vorjahr taten (Malediven, Timbuktu, Mars, Melmak). Nein, diesmal soll jeder eine Nilgans mit auf die Reise nehmen. Und dort lassen. Applaus im Zelt ohne Widerquaken, keine Gänse anwesend.

Gastgeber Anton Le Goff und Timo Becker (v.l.) auf der Bühne.

Bei der Vorstellung der Soßen-Kandidaten nehmen die „Einhorn“-Girls (wie gewohnt in T-Shirts mit Glitzer-Einhörnern) den Kevin von der Friedberger Warte in ihre Mitte. Man muss sie einfach liebhaben. Es folgt der Auftritt von Fernseh-Komiker Christian Ehring (Extra 3, Heute-Show), der die Herzen im Nu erobert mit Analysen zur Politik: „Die Beschäftigung mit Donald Trump macht einen selber dümmer.“ Oder: „Strafzölle auf Harley Davidson – die Hells Angels überlegen, auf E-Bikes umzusteigen.“ Oder zu Lehrermangel und überalterten Pädagogen: „Es gibt Gymnasien, da wird Latein von Muttersprachlern unterrichtet.“

Ehring, Sympathikus und Genie der Übertreibung, vergleicht den sprichwörtlichen „polnischen Abgang“ (Party ohne Verabschiedung verlassen) mit dem „britischen Abgang“ in Zeiten des Brexit: „Man sagt tschüss, bleibt aber bis 4 Uhr morgens und nimmt noch drei Flaschen Wein mit.“ Zum Thema Milch hat er neulich ein paar Kühe beim Lidl getroffen. „Die sagen: Ja, klar, wir kaufen hier auch. Für den Preis kannstes nicht selber machen.“

Die Leute im Zelt jubeln. Dann müssen sie entscheiden wie an jedem Festival-Abend: Welche der sieben Soßen in sieben Gläschen ist die beste? Die Wahl fällt mehrheitlich auf Nummer 2, obwohl die Gläschen 6 und 7 auch exzellent sind. Applaus, Ebbelwei, Riesling, Fleischworscht, und zum Abschluss die Oberräder Nationalhymne, das Festival-Lied, das aus irgendwelchen seltsamen Gründen nicht öffentlich gesungen werden darf, aber stellt euch vor: Offenbar kennen alle Gäste den Text auswendig (oder haben Zettel mitgebracht): „Über sieben Kräuter musst du gehen / Sieben Grüne Soßen überstehn.“

Damit stehen drei Teilnehmer des Finales am Samstag fest: Die Juniorköche/Hessischer Hof, die Cocina Argentina und die Speisekammer, deren Grie-Soß-Giganten Alexander und Dieter Schreuer die Ovationen sehr lässig mit den Händen in den Hosentaschen entgegennehmen. Für die übrigen Abende gibt es nur noch wenige Restkarten. Es wird Zeit, dass das Festival ins Waldstadion verlegt wird. Am Tag des Finales gewinnt sowieso traditionell die Eintracht gegen die Bayern. Und schon mal vormerken: Am 6. Juni ist Grüne-Soße-Tag. Dann isst ganz Frankfurt zum zweiten Mal die sieben Kräuter für den Weltrekord.

Das Festival

Karten gibt es praktisch nicht mehr, nur noch einzelne Restposten an einzelnen Tischen (www.gruene-sosse-festival.de/tickets). 

Erfunden haben Maja Wolff und Torsten Müller das Grüne-Soße-Festival – eine „verrückte Idee“, wie sie heute sagen. Frankfurt ist verrückt genug dafür. 

Noch verrückter ist die Idee, einen Weltrekord im Grüne-Soße-Essen aufzustellen – mit 231.775 Portionen. Am 6. Juni beim Grüne-Soße-Tag soll es trotzdem zum zweiten Mal versucht werden. Mehr: gruenesossetag.de

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