Nach dem Mittagessen gibt es bisweilen Vorträge und Diskussionen in der Akademie der Arbeit.
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Nach dem Mittagessen gibt es bisweilen Vorträge und Diskussionen in der Akademie der Arbeit.

Soziales

Gemeinsam essen und diskutieren

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die Ada-Kantine im Frankfurter Westend richtet sich mit ihrem Angebot vor allem an Wohnungslose. Um eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, wurden die Innenräume in warmen Farben gestrichen.

In ruhiger Atmosphäre sitzen Leute am Samstagnachmittag im Hof der ehemaligen Europäischen Akademie der Arbeit zusammen. Einige trinken Kaffee, essen Kuchen, unterhalten sich teils über Tische hinweg. Andere lesen Zeitung oder halten ein Nickerchen. Die meisten Besucher sind zum Mittagessen der „Ada-Kantine“, kurz für Akademie der Arbeit, gekommen.

Neben Linsensuppe und Nudeln mit Karotten-Ingwer-Pesto habe es Salat und zum Nachtisch Grießbrei gegeben, berichten Anna Sukhova und Tim Schuster. Beide sind von der Künstlergruppe andpartnersincrime, die gemeinsam mit dem benachbarten Offenen Haus der Kulturen, dem Stadtteilbüro Bockenheim, Project Shelter sowie dem Verein Über den Tellerrand die Kantine initiiert haben.

Im Februar, noch vor Corona, hätten sich die Aktivisten die Räume auf dem ehemaligen Bockenheimer Uni-Gelände erstmals angeschaut, nachdem die Akademie der Arbeit neben den Campus im Westend umgezogen ist. „Uns war gar nicht klar, dass es hier eine Großküche gibt“, sagt Schuster, der auch beim Offenen Haus der Kulturen aktiv ist.

Aus der Küche eilen am Samstag immer wieder Helfer in den Hof, bringen Teller und Geschirr nach draußen und räumen benutztes Geschirr ab. Ziel sei es, „Bedürftigen Essen zu geben und einen gemeinsamen Raum zu schaffen“, erläutert Sukhova und fügt hinzu, dass Gäste auch häufig mithelfen würden, etwa beim Abräumen.

Seit Anfang Juni kümmert sich die 30-Jährige im Wechsel mit rund 100 Ehrenamtlichen jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag um das Wohl der Besucher. „Am Wochenende gibt es die wenigsten Angebote für Wohnungslose“, sagt Eleonora Herder, ebenfalls Mitglied der achtköpfigen Theater- und Performancegruppe andpartnersincrime. „Teestuben und die Tafel haben dann oft geschlossen.“

Die Speisen sind kostenlos

Denn gerichtet ist das Angebot in erster Linie an wohnungslose Menschen. Gleichzeitig sei jeder willkommen, damit ein Austausch unter den Gästen entstehen könne. Die Speisen sind kostenlos. Wer kann, darf eine Spende in eine Dose werfen.

Um eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, wurden die Innenräume in warmen Farben gestrichen. Neben Bierbänken unter einem Zelt stehen im Hof zwischen Hecken Tische und Stühle, von denen keiner dem anderen gleicht. Etwa 120 Gerichte würden an einem Wochenende über den Tresen gehen, schätzen die Verantwortlichen. Damit sei das Projekt, das durch Lebensmittelspenden von Kleingärtnern, Foodsharing und aus solidarischer Landwirtschaft unterstützt und durch Geldspenden finanziert wird, fast an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt. Seit kurzem ernten die Aktivisten aus dem eigenen Bockenheimer Garten Salat, Zucchini, Radieschen und Kräuter. „Wir wollen keine Massenabfertigung, sondern dass die Leute, auch den Corona-Abstandsregeln entsprechend, in Ruhe sitzen können“, so Schuster.

Und sie sollen nach dem Essen bleiben: Für Konzerte, Vorträge und politische Diskussionen unter dem Motto „Nach dem Ende der Versammlung“. Für die Stadtverordnetenversammlung, die derzeit in der Kantine des Stadtplanungsamts tagt, weil nur dort die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden können, beschriften Besucher Teller mit ihren politischen Forderungen. Darauf steht etwa: „We need homes to stay at home“ (deutsch: Wir brauchen Eigenheime, um zu Hause bleiben zu können“) oder „Arbeit für alle“. Bei der Sitzung der Stadtverordneten am 1. Oktober sollen die Teller übergeben werden.

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