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Lange Tische mit Speisen aus aller Welt lockten bei der Tafel der Toleranz.

Nordweststadt

Gemeinsam essen und Spaß haben

Bei der Tafel der Toleranz geht es nicht nur um das kulinarische Miteinander. Pünktlich ist noch eine andere Tafel beziehungsweise Wand fertig geworden. Die Wand, die den Gemeindeplatz umgibt.

Von Amelie Buskotte

Es war ein Bild der Begegnung und des Miteinanders, das sich am Sonntag auf dem Gemeindeplatz der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in der Nordweststadt zeigte. Junge und alte Menschen, Menschen mit unterschiedlicher Religion und Herkunft saßen zusammen und genossen Speisen aus unterschiedlichen Ländern. Viele hatten Essen mitgebracht, zudem gab es gekochte Spezialitäten. „Hier hilft jeder mit“, sagte Annette Püntmann vom Nachbarschaftsbüro. Gemeinsam mit dem Pfarrer der Gemeinde hatte sie im Sommer die Idee der Tafel für Toleranz und Miteinander. Der Platz dafür war schnell gefunden und in der ortsansässigen As-Salam-Moschee auch ein Kooperationspartner. Gemeinsam konnte man die Tafel auf die Beine stellen.

Doch es ging nicht nur um das kulinarische Miteinander. Pünktlich zur Tafel der Toleranz war noch eine andere Tafel beziehungsweise Wand fertig geworden. Die Wand, die den Gemeindeplatz umgibt, sei lange ein kleiner Schandfleck gewesen. „Beschmiert mit Graffiti und nicht schön anzuschauen“, sagte Karin Schneider. „Heute können wir die Wand neu präsentieren.“ Schneider hat gemeinsam mit der Bielefelder Künstlerin Doro Köster im Sommer einen Malworkshop im Quartier geleitet, an dem viele Menschen aus der Nachbarschaft teilgenommen hatten.

Vorbild für andere abgeben

„Flüchtlinge, Migranten und Menschen von hier wollten wir über die Kunst zusammenbringen“, sagte Doro Köster. Am Ende des Workshops waren über hundert Bilder zum Thema „Das Eigene und das Fremde“ entstanden. Köster vergrößerte einige Bilder und zog sie auf Aluminium. „Die Wand hier wurde gestrichen und dann wurden die Bilder so angeordnet, dass sie die Begegnung, aber auch die Entfernung untereinander darstellen“, sagte die Künstlerin. „Kunst für alle von allen.“

Auch Sina hatte im Sommer mitgemalt. Der 37-Jährige kommt aus Afghanistan und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. „Ich bin alleine nach Deutschland gekommen“, sagte er. „Manchmal fühle ich mich ohne meine Familie sehr einsam, aber hier bin ich nie allein.“ Er nehme regelmäßig an den Veranstaltungen im Quartier teil. „Das ist meine zweite Familie geworden.“ Organisiert und gefördert werden viele der Veranstaltungen vom Verein Interkulturelle Werkstatt, der die Menschen über die Kultur zusammenbringen will. „Vom Brot allein kann der Mensch nicht leben“, sagte Christa Hengsbach, „direkt danach kommt die Kultur.“

Hengsbach ist freie Theaterregisseurin und Vorsitzende des Vereins, der auch den Malworkshop mitfinanziert hatte. „Über Kunst, Theater und Musik kann man viel voneinander lernen“, sagte sie. Neben Theaterprojekten gibt es mittlerweile eine Trommelgruppe und ein Tanzprojekt. „Wir dürfen keine Wand um uns herum bauen.“ Deshalb sei das Thema des ganzen Jahres „Das Eigene und das Fremde“. „Schließlich kann man auch in sich selbst noch Fremdes entdecken.“

Für die Flüchtlingsströme und den Umgang damit möchte Christa Hengsbach mit ihrem Verein ein Vorbild für andere abgeben. „Wir dürfen uns nicht isolieren, Begegnung so wie hier muss der Normalfall werden.“

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