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Gelebte Literatur

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Von: Dennis Pohl

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Verleger Mertens will zum Diskutieren anregen.
Verleger Mertens will zum Diskutieren anregen. © christoph boeckheler*

Mit seinem neuen Magazin „Die Brücke unter dem Main“ möchte Klaus-Philipp Mertens die Diskussion über Literatur nach Sachsenhausen zurückholen. Das Magazin informiert über alles, was lesbar ist im Viertel.

Es begann mit der Erkenntnis, dass man alleine schlecht diskutieren kann. „Wir hatten kaum mehr eine Literaturszene in Sachsenhausen“, erinnert sich Klaus-Philipp Mertens. Zwar habe es Buchläden und viele Literaturfans gegeben, eine zentrale Anlaufstelle aber fehlte. Und damit die Diskussionen. Die sind für den selbstständigen Verleger unerlässlich. Mertens lebt Literatur. In ihr sieht er das Spiegelbild einer Gesellschaft, den Seismografen aktueller Stimmungen und Tendenzen. Kontrovers über sie zu sprechen bedeutet für ihn, die sozialen und kulturellen Gräben zwischen den Menschen zu kitten. „Aber alleine im Wohnzimmer geht das schlecht“, sagt Mertens.

Mit seinem neuen Magazin „Die Brücke unter dem Main“ möchte Mertens die Diskussion nach Sachsenhausen zurückholen. Seit Herbst widmet er sich in dem vierteljährlich erscheinenden Literaturmagazin allem, was im Stadtteil lesbar ist: Termine, Kritiken und Texte meist unbekannter Autoren aus Sachsenhausen. Natürlich gratis. „Wir wollen ein offenes Forum für Literatur in und aus dem Stadtteil sein“, sagt Mertens. „Und die Literatur vom Kopf auf die Füße stellen.“

Unter diesem Leitspruch gründete Mertens bereits im Herbst 2009 den Verein „Pro Lesen“. Zusammen mit dem ehemaligen Ortsbeirat Peter Heinrich entschloss sich Mertens damals, der Literatur in Sachsenhausen ein Forum in Form eines Vereins zu geben. Die beiden traten an, „die Bücher von ihrem elitären Muff zu befreien“, wie Mertens sagt. Jedermann sollte bei „Pro Lesen“ über Literatur reden können. Ob Doktor oder Arbeitsloser. „Wir wollten Kunst und Kultur in Sachsenhausen fördern – für alle!“ Dass daraus einmal ein Magazin werden würde, war nicht abzusehen. Es dauerte einige Jahre bis Schwung in den Verein kam. Doch mit Geduld und Leidenschaft konnten Mertens und seine nunmehr 44 Mitstreiter die Gründungsziele des Vereins schließlich erreichen. „Pro Lesen“ stellte eine Schreibwerkstatt für lokale Nachwuchsautoren, veranstaltete Lesungen und diskutierte in regelmäßigen Abständen mitten im Bibliothekszentrum Sachsenhausen über Neuerscheinungen. „Nah an der Basis“, wie Mertens betont. Die Zahl der Mitglieder und Förderer wuchs nun rasch. Und mit ihnen die Probleme.

Das nächste Ziel schon im Blick

„Wir stießen schnell an unsere Grenzen“, sagt Mertens. Das dünne Programmheft mit Terminen und Hinweisen des Vereins bot nicht mehr genug Platz, die verfügbaren Stühle im Bibliothekszentrum wurden zu wenig. „Wir brauchten ein neues Medium.“

Ein Magazin sollte es sein, möglichst digital, um Distributionskosten zu verringern und die Reichweite zu erhöhen. Die „Brücke unter dem Main“ war geboren. Benannt nach Mertens Lieblingsautor Theodor Fontane. Dessen 1827 in Berlin gegründete literarischen Gesellschaft hieß „Tunnel über der Spree“. „Passt doch“, sagt Mertens. „Sachsenhausen ist ja immer noch irgendwie vom Rest hier abgeschnitten.“

Die Leser sehen das offensichtlich anders. Mit dem Magazin und dem weiterhin bestehenden Programmheft erreichte „Pro Lesen“ nach eigenen Angaben im letzten Quartal rund 700 Menschen – über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Sich auf dem Erfolg auszuruhen kommt für Mertens indes nicht in Frage. Er hat das nächste Ziel schon im Blick. Eine Ausgabe über Graphic Novels. „Wir wollen unbedingt jünger werden“, erklärt er. „Damit im Stadtteil auch künftig über Literatur diskutiert wird.“

Das Magazin „Die Brücke unter dem Main“ gibt es gratis zum Download unter www.kpmertens.de. Die nächste Lesung findet am Donnerstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr mit dem Krimi-Autor Gerd Fischer im Bibliothekszentrum Sachsenhausen, Hedderichstraße 32, statt. Eintritt: 5 Euro, Infos unter: www.pro-lesen-frankfurt.de

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