Ausbeutung Europaviertel

Geld und Gerechtigkeit

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Eine Woche nach Beginn des Protests rumänischer Bauarbeiter gegen ihre Ausbeutung bei einem der Bauprojekte im neuen Europaviertel, zeichnet sich eine Lösung ab. Der Generalunternehmer will die Löhne endlich zahlen.

Eine Woche nach den Protesten rumänischer Bauarbeiter im Europaviertel zeichnet sich eine Lösung des Konfliktes ab. Der Generalunternehmer, die Firma Dreßler Bau, hat sich bei Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG BAU bereiterklärt, die ausstehenden Nettomindestlöhne für die 13 Männer zu zahlen und ihnen die Heimreise nach Rumänien zu finanzieren, so die Gewerkschaft.

Die Bauarbeiter hatten am vergangenen Freitag vor der Baustelle des entstehenden Luxuswohnhauses „Nygards Park“ im Quartier Parkend eine Mahnwache abgehalten, bei der sie für die Auszahlung ausstehender Löhne demonstrierten. Ursprünglich seien ihnen 1200 Euro im Monat versprochen worden, schließlich hätten sie sich 3000 Euro untereinander teilen müssen, was einem Stundenlohn von 1,09 Euro entspreche. Beschäftigt worden sind sie von der Firma Borza, einem Subunternehmer des Subunternehmers, der Firma Atasoy.

Adrian Borza, Geschäftsführer des Malerbetriebs aus Dielheim-Balzfeld, weist die Verantwortung von sich. In einem Fax an die FR teilt Borza mit, dass die Firma Atasoy „schlecht und schleppend“ bezahlt habe und deswegen die Arbeit auf der Baustelle im Europaviertel mehrmals eingestellt worden sei. „Mit fadenscheinigen Argumenten wurden die Abschlagszahlungen wochenlang herausgezögert und nur teilweise bezahlt“, heißt es in der Mitteilung. Seit dem 1. Oktober habe Atasoy die Zahlungen ganz gestoppt. Borzas Darstellung zufolge ist noch eine Rechnung von über 103.000 Euro offen. Bis heute verweigere die Firma alle Zahlungen.

Geschäftsführer Tamer Atasoy hatte zuvor versichert, dass er alle Rechnungen bezahlt habe und von der Situation der Bauarbeiter überrascht sei. Mittlerweile habe er die Zusammenarbeit mit Borza beendet und müsse sich um einen neuen Partner bemühen.

Der Subsubunternehmer hingegen stellt sich als Opfer dar: Borza teilt mit, dass seine Bauarbeiter kein Essen mehr kaufen und nicht nach Hause fahren könnten. „Es wird sich ein menschliches Drama abspielen, wenn die Jungs die Wohnungen verlieren und bei den Temperaturen auf der Straße stehen und schlafen müssen“, so Borza. „Ich bitte Dreßler Bau, den ausstehenden Betrag an uns zu überweisen, damit wir wieder nach Hause fahren können.“ Mihai Balan von der DGB-Beratungsstelle „Faire Mobilität“, der sich für die Rechte der Bauarbeiter einsetzt, hatte eine andere Version der Geschichte erzählt: Die Firma Borza habe den Männern den Dienstwagen und einen Satz Wohnungsschlüssel abgenommen und ihnen gedroht, die Wohnung räumen zu lassen. Zuvor sollen die Arbeiter sein Angebot abgelehnt haben, sich mit einer Zahlung von 3000 Euro für die gesamte Gruppe abzufinden. Außerdem soll einer von Borzas Mitarbeitern den Rumänen damit gedroht haben, dass er wisse, wo ihre Familien lebten. Für Nachfragen war Borza nicht zu erreichen.

Inzwischen haben sich einige Menschen mit den Bauarbeitern solidarisiert. Mihai Balan berichtet, dass sich mehrere künftige Eigentümer der Wohnungen im Europaviertel bei ihm gemeldet hätten. Sie seien empört gewesen, als sie gesehen hätten, dass von dem Geld, das sie für die Wohnungen bezahlen, so schlecht Löhne erwirkt würden. Die Eigentümer hätten sich bereit erklärt, sich an dem Aufwand zu beteiligen, den die IG BAU für die Arbeiter betrieben habe.

Am Dienstagabend verabschiedete der Ortsbeirat 1, der unter anderem für das Europaviertel zuständig ist, einen interfraktionellen Antrag, in dem der Magistrat aufgefordert wird, sich dafür einzusetzen, dass „auf den Baustellen im Europaviertel keine Gebäude mit Hilfe von Hungerlöhnen errichtet werden“ sollen.

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