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Ex-AWO-Chefin über Peter Feldmann: „Du Würstchen wirst niemals OB“

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Von: Sandra Busch

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Der ehemalige OB Peter Feldmann im Verhandlungssaal des Landgerichts.
Der ehemalige OB Peter Feldmann im Verhandlungssaal des Landgerichts. © dpa

Die ehemalige AWO-Chefin Hannelore Richter sagt im Korruptionsprozess gegen Ex-OB Peter Feldmann aus – und zeichnet von ihm ein wenig schmeichelhaftes Bild.

Frankfurt – Eines ist nach dem Verhandlungstag am Mittwoch im Korruptionsprozess gegen den abgewählten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) recht klar: Hannelore Richter, ehemalige Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Wiesbaden und Sonderbeauftragte der AWO Frankfurt, kann Peter Feldmann nicht leiden. Sie kenne ihn seit 1975, er sei ihr nie sympathisch gewesen, sagte Richter vor dem Landgericht. Und als Feldmann seine OB-Kandidatur verkündete, habe sie zu ihm gesagt: „Du Würstchen wirst niemals OB.“

Im Gerichtssaal wurde daraufhin gelacht. Selbst Feldmann lachte, auch wenn Richters Darstellung von ihm wenig schmeichelhaft war. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor: Seine damalige Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Zübeyde Temizel soll eine überbezahlte Leitungsfunktion in einer deutsch-türkischen AWO-Kita und einen Dienstwagen erhalten haben. Zudem soll er Spendengelder der AWO angenommen haben, um im Gegenzug die Interessen des Sozialverbands wohlwollend zu berücksichtigen. Dem widersprach Richter: „Er hat der AWO nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gegeben.“

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Für die ehemalige AWO-Führungsperson ist Feldmann „vieles, aber nicht korrupt. Er hat mich nicht gekauft und er hat sich nicht kaufen lassen“. Sie traue ihm nicht zu, in Kassen gegriffen zu haben. Er würde „nicht einmal eine Büroklammer mitnehmen“. Feldmanns Credo sei, sich nicht angreifbar zu machen. Er habe sich auch nie irgendjemandem gegenüber verpflichten wollen.

Auf ihre vielen SMS, die sie Feldmann geschickt hatte, und in denen sie oft darauf anspielte, was die AWO für ihn getan habe, habe er kurz oder gar nicht reagiert. Es sei dabei darum gegangen, ihn zum Kommen zu Festivitäten, Ehrungen und Konferenzen zu bewegen, „das ist den Mitgliedern sehr wichtig gewesen“. Die AWO habe Feldmann, als er einen Job suchte und bevor er OB werden wollte, als Heimleiter eingestellt. „Da kann er als OB auch mal zehn Minuten Zeit haben, um zu erscheinen“, sagte Richter. Mit seiner Arbeit bei der AWO war sie damals allerdings nicht zufrieden, er sei immer zu spät gekommen.

Die damalige Freundin lernte Richter 2014 bei einem Mittagessen mit ihrem Mann und Feldmann kennen. Sie habe sich mit ihr alleine unterhalten. „Ich fand sie sehr nett, eloquent, elegant“, sagte Richter. Und als sie erfuhr, dass Temizel Kinderpflegerin ist, Erziehungswissenschaften und Turkologie studiert, da habe sie zu Temizel gesagt: „Wenn wir die deutsch-türkische Kita aufmachen, dann wirst du die Leiterin.“

Hannelore Richter, frühere Führungskraft der AWO, mit Ihren Anwälten vor dem Gericht.
Hannelore Richter, frühere Führungskraft der AWO, mit Ihren Anwälten vor dem Gericht. © dpa

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Auch ohne Führungserfahrung. Denn bei dieser Kita sei klar gewesen, sagte Richter, dass es um andere Anforderungen ging. Es sei um ein Verständnis der kulturellen, politischen und religiösen Hintergründe gegangen. Und um ein Leuchtturmprojekt. Das Gehalt von 4300 Euro empfand Richter als „absolut angemessen“. Das Gehalt habe sie mit niemandem abgesprochen, „das darf ich“. Genauso angemessen empfand sie den Dienstwagen, mit dem Temizel zu Abendterminen fahren musste. In der Elternzeit habe sie das Auto behalten dürfen, weil sie die Leasingraten selbst bezahlte.

Zudem ging es um einen Minijob Temzils, bei dem sie die AWO „bei der Einrichtung einer muslimischen Seelsorge unterstützen sollte“, sagte Richter. Daraus sei nichts geworden, es sei viel dazwischengekommen und der Minijob ihr dann „durchgerutscht“.

Mit Feldmann als OB hätten die Einstellungen nichts zu tun gehabt. „Ich wäre im Traum nicht auf den Gedanken gekommen, dass aus Frau Temizel einmal Frau Feldmann wird und ich daraus Nutzen ziehen könnte“, sagte Richter. Sie hätte nie gedacht, dass Feldmann je eine seiner Freundinnen heiratet.

Im OB-Wahlkampf 2018 hat Richter Spenden für Feldmann eingeworben, so sei das auch vom Verband gewollt. „Ich bin eine SPD-AWO-Soldatin.“ Sie habe Leute angerufen, um Spenden gebeten. „Das hätte ich auch getan, wenn der OB-Kandidat Maier oder Müller geheißen hätte.“ Der Korruptionsprozess gegen Frankfurts OB Peter Feldmann wird nächste Woche Mittwoch fortgesetzt. (Sandra Busch)

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