Ernährung

Bei gesunder Ernährung „geht es nicht ums Verzichten“

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Paul Fay vom Energie- und Klimaschutzreferat über unser Ernährungsverhalten und das Verkosten männlicher Bienen.

Herr Fay, haben Sie diese Woche schon einen Radieschenblättersalat gegessen? 
Nein.

Haben Sie jemals einen Radieschenblättersalat gegessen? 
Nur an die Schildkröten verfüttert.

Mein Gemüsehändler sagt aber, ich soll die Blätter vom Radieschen nicht wegwerfen, sondern einen Salat daraus machen. 
Da hat er auch vollkommen recht. Und wissen Sie was? Radieschenblätter gibt es nächsten Mittwoch bei unserer klimafreundlichen Mittagspause auf dem Willy-Brandt-Platz.

Ach! 
Da hat ein Koch eine tolle Waffel kreiert, und dazu gibt’s Radieschenblättersalat. Er sagt, das ist super, man muss sie aber gut waschen, weil sie sehr sandig sind. Also lang einweichen, um nicht zu viel Wasser zu verschwenden.

Was macht noch Appetit auf die Klimagourmet-Woche 2019? 
Wir haben diesmal eine starke Beteiligung Frankfurter Museen. Senckenberg diskutiert etwa einen Abend lang: „Global, regional – egal? Essen wir unsere Zukunft auf?“ Und das Museum Angewandte Kunst zeigt sein neues Museum für Bienen mit Verkosten des Honigs und der männlichen Bienen.

Verkosten der männlichen Bienen?! 
Lassen Sie sich überraschen. Wir haben auch Veranstaltungen bei der Verbraucherzentrale, wo in diesem Jahr unsere interaktive Klimagourmet-Ausstellung steht mit einem neuen Element: Quizfragen zum Thema Mindesthaltbarkeitsdatum.

Es gibt auch einen Film, heißt es. 
Sehr zu empfehlen: „10 Milliarden – wie werden wir alle satt?“ am Samstag im Kino im Glashaus in der Gärtnerei. Da geht der Filmemacher Valentin Thurn der Frage nach, wie wir den Eiweißhunger von zehn Milliarden Menschen stillen können, dazu stellen lokale Organisationen ihre Produkte vor.

Wie stillt man denn diesen Eiweißhunger? 
Da könnten die männlichen Bienen eine Alternative sein... Wir blicken auch im Offenbacher Hafengarten in die Zukunft: Was können wir künftig noch anbauen? Ich habe zum Beispiel seit zwei Jahren eine wahnsinnige Feigenernte. Ich führe das darauf zurück, dass wir inzwischen so heiße Sommer haben mit so vielen Sonnenstunden.

In Frankfurt, die Feigen? 
Ja sicher, hier in Frankfurt.

Die Sache mit den zehn Milliarden und dem Sattwerden fasst ja alles zusammen, worum es geht. Steckt da mit drin, dass wir uns alle so verhalten müssen, dass alle satt werden?  
Wir können nicht zwei, drei, vier Planeten verbrauchen, wir haben nur den einen. Das führt zu der logischen Konsequenz, dass wir unser Verhalten ein bisschen intelligent anpassen. Es geht nicht in erster Linie ums Verzichten, sondern ums Entdecken, dass vegetarische Speisen auch ziemlich lecker sind. Und deutlich gesünder. Dadurch leben wir vielleicht ein bisschen länger.

Und können uns mehr Zeit fürs Essen nehmen. 
Das finde ich auch. Die Leute nehmen sich viel zu wenig Zeit fürs Essen. Das wird oft schnell zwischendurch gemacht, dabei ist das so eine soziale Angelegenheit. In Ruhe zubereiten, gemeinsam essen, sich unterhalten – mir fällt dazu das Gedicht von Carl Zuckmayer ein: „Lob des Essens“.

Oh ja, bitte, zitieren Sie! 
„Ein Mensch beim Essen ist ein gut Gesicht/Wenn er nichts denkt und nur die Kiefer mahlen/Die Zähne malmen und die Blicke strahlen/Von einem sonderbaren Urweltlicht.“

Sehr schön. Es geht in der Klimagourmet-Woche auch um Kräuteranbau. 
Das ist ein Schwerpunktthema. Dazu haben wir mehrere Angebote, denn von Kräutern weiß man ja viel zu wenig. Eine Bekannte hatte kürzlich Besuch von einer Kräuterhexe, die ihr gezeigt hat, was alles in ihrem eigenen Garten wächst, was sie gar nicht auf dem Schirm hatte. Sie war schwer beeindruckt.

Brauche ich denn Platz, um anzubauen, was mein Leben besser macht? 
Na ja… ja. Im Prinzip schon. Natürlich können Sie ein bisschen mit vertikalem Gärtnern auf dem Balkon machen, aber wenn man sich wirklich selbst versorgen will, braucht man Platz. Es gibt aber inzwischen diverse solidarische Gartengemeinschaften, in denen man sich am Anbau und an der Ernte beteiligt, sogar für kleines Geld. Hinzu kommt: Das Ganze ist auch noch unverpackt.

Sehen Sie Veränderungen im Verhalten von Anbietern und Verbrauchern? 
Ich sehe eine Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Thema hat es längst in die Tagesschau geschafft. Da wird die Ernährung inzwischen mitgedacht. Zum Glück – denn wir müssen uns ja vor Augen halten: Bis zum Jahr 2050 wollen wir runter auf einen persönlichen CO2-Fußabdruck von einer Tonne im Jahr.

Wo liegen wir jetzt? 
Im Moment macht die Ernährung 1,5 bis 1,7 Tonnen aus. Und die Emissionen aus der Landwirtschaft wird man nicht so ohne weiteres wegdrücken können. Da liegt noch ein großes Stück Arbeit vor uns – in allen Bereichen. 

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