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Wohngemeinschaft Taubenhaus: Hier lässt sich?s legen.

Stadttauben

Gegenwind für Tauben im Westen

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Vogelschützer hängen mit ihren Projekten an der Messe und am Westbahnhof in der Luft. Ein Termin in dieser Woche soll Klarheit bringen.

Soll man Tauben auf dem Messegelände in eine Falle locken und abtransportieren? Oder ihnen lieber eine geeignete Unterkunft verschaffen und damit die Population kontrollieren? Die Meinungen darüber gingen in jüngerer Zeit auseinander. Ein Gesprächstermin in dieser Woche soll helfen, eine Lösung zu finden.

Teilnehmen werden Vertreter der Messe, des Ortsbeirats 2 und des Stadttaubenprojekts. Auslöser ist unter anderem ein Schreiben ans Stadtteilparlament, in dem die Messe GmbH Vorwürfe erhebt: Das Taubenhaus, das bis 2017 auf dem Dach der Halle 6 stand, sei mangelhaft kontrolliert worden, es habe „eine Ansammlung von Ungeziefer und Mäusen“ gegeben – worauf die Messe das Haus abbauen und später durch eine Taubenfalle ersetzen ließ.

Das Stadttaubenprojekt, dessen Gründerin Gudrun Stürmer in diesem Jahr mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet wurde, fiel buchstäblich aus allen Wolken, als sie von dem Schreiben erfuhr. Selbstverständlich sei das Haus regelmäßig betreut und saubergehalten worden, sagt Stürmer, weder habe es Ungeziefer gegeben noch jene Mahnungen seitens der Messe, die in dem Schreiben an den Ortsbeirat ebenfalls angeführt sind.

Auch Thomas Gutmann von den Grünen im Ortsbeirat 2 nennt die Vorwürfe „alles andere als plausibel“. Die Messe sei mehrmals gebeten worden, Belege für etwaige Missstände vorzulegen, etwa Kopien der behaupteten Mahnungen. Darauf habe es keine Antwort gegeben. „Wir legen großen Wert darauf, dass wieder ein Taubenhaus installiert wird“, sagt Gutmann. Das hat der Ortsbeirat auch bereits in Anträgen formuliert. Als das Haus entfernt worden sei, habe sofort die Zahl der Tauben in der Umgebung zugenommen.

Die Falle, die ein Falkner auf dem Messedach aufstellte, steht nach der Intervention des Regierungspräsidiums Darmstadt seit Wochen offen, so dass die Tiere hinein, aber auch wieder hinaus können. Ein Messesprecher wollte sich zum weiteren Vorgehen im Zusammenhang mit der Falle nicht äußern. In Bezug auf das abgebaute Taubenhaus blieb er bei der Darstellung, wie sie im Schreiben an den Ortsbeirat formuliert ist.

Gudrun Stürmer ist mit der Situation sehr unzufrieden. Sie ärgert sich nicht nur über die Vorwürfe ohne Beleg; zusätzlich bangt sie um die Zukunft des Taubenhauses am Westbahnhof. Dort steht eine für mehrere Tausend Euro eingebaute Unterkunft bereit, die bisherige abzulösen – aber das ganze Gebäude soll seitens der Deutschen Bahn saniert werden. Mehrere Anfragen, was mit den Taubenhäusern dann geschehen soll, seien seit drei Monaten unbeantwortet geblieben, sagt die Tierschützerin. Eine sowohl telefonisch als auch schriftlich gestellte Anfrage der FR beantwortete die Bahn ebenfalls auch nach mehreren Tagen nicht.

Taubenhäuser bieten Stadttauben Unterkunft und Futter, um sie vor Krankheiten durch schlechte Ernährung zu bewahren. Vor allem aber haben die Betreiber dort die Möglichkeit, Eier durch Gipsattrappen zu ersetzen, um so die Vermehrung der Tiere einzugrenzen.

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