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Die Carl-Schurz-Schüler können nun von ihrem Platz aus im Internet recherchieren: Seit drei Schulwochen gibt es WLAN.

Digitale Schule

Schulen sollen in der Gegenwart ankommen

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In den ersten hessischen Schulen kann nun mit drahtlosem Internet gearbeitet werden.

Bei Google geben sie „Hochzeit des Figaro Mozart“ ein. Schließlich sollen die Oberstufenschüler in Geschichte eine Inhaltsangabe zu dieser Oper schreiben. Und da es seit drei Schulwochen an der Carl-Schurz-Schule WLAN gibt, können sie die Recherche vom Laptop aus erledigen, das vor ihnen auf dem Tisch steht. Bei den mehr als sieben Millionen Googletreffern müssen Maja und Ines nun geeignete Seiten für die Inhaltsangabe finden. Ob eine Seite seriös ist oder nicht, „das merkt man ja auch am Satzbau“, sagt Ines. „Wenn das komplett umgangssprachlich geschrieben ist, dann kommt das schludrig rüber.“

In Geschichte wird zu „Theater und Oper während der Französischen Revolution“ recherchiert. Auch in Erdkunde haben die beiden schon die Laptops genutzt. Um etwas über klimafreundliches Skifahren herauszufinden.

Die Carl-Schurz-Schule ist nicht einzige Schule, die in der Gegenwart angekommen ist: Das Pilotprojekt der Stadt hat begonnen, 13 der 14 ausgewählten Schulen haben WLAN über die Stadt erhalten. Und am Donnerstag machte sich Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ein Bild davon, wie das im Alltag eingesetzt wird. 

90 Laptops hat die Schule, elf Router versorgen 30 Räume mit WLAN. Im Geschichtsunterricht von Steve Götz ist die Internetrecherche ein wichtiger Bestandteil. Früher hätten die Schüler nacheinander in Gruppen vor dem einen Arbeitsrechner im Klassenraum gesessen. „Jetzt ist es einfacher“, sagt Götz. Jetzt kann parallel recherchiert werden – und dabei sollen die Schüler lernen, verschiedene Punkte zu beachten. Bei Wikipedia müssten sie etwa „einen Fake-Check“ machen, sagt Götz. Die Fußnoten sollen sie lesen, den Autor überprüfen.

Denn schließlich geht es bei der Einführung des WLAN um mehr als den Umgang mit der Technik. „Es geht um Medienkompetenz“, sagt Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken. Wie verlässliche von dubiosen Quellen im Internet unterschieden werden können. Allerdings würden Tafel und Schulbuch nicht verbannt. „Manchmal ist die Tafel immer noch das schnellere Medium.“

In dem Pilotprojekt sollen Schulen ausprobieren, welche Formen des Arbeitens und der Kommunikation durch den Einsatz von WLAN sinnvoll sind. „Die Schüler sollen reflektiert, kritisch und kreativ mit den Medien umgehen lernen“, sagt Weber. Die Goethe-Universität wird das Projekt nach einem Jahr evaluieren. In den nächsten fünf Jahren will Weber für acht Millionen Euro alle Schulen mit drahtlosem Internet ausgestattet haben. Sie hofft auch auf einen zweistelligen Millionenbetrag aus dem Digitalpakt des Bundes. „Dann kämen wir noch zügiger voran.“

Die Schüler haben einen eigenen Account, um ins sogenannte Pädagogische Netz zu kommen. Um den Aufwand für Tausende Accounts hat es Diskussionen geben. „Die Idee, dass wir das nicht brauchen, ist absurd“, sagt Hans Bender, der stellvertretende Schulleiter. Ohne Account hinterließen die Schüler Datenspuren auf dem Rechner, könnten keine Bookmarks anlegen. „Wir können auch nicht Medienkompetenz vermitteln und dann ohne Passwörter arbeiten.“

Rund 70 Prozent der Lehrer nutzten die Laptops im Unterricht, schätzt Bender. Für Silke Deselaers vom Stadtelternbeirat noch zu wenig. „Es müsste eine Verpflichtung der Lehrer geben, so zu unterrichten“, sagt sie. „Kinder haben ein Grundrecht darauf, gut unterrichtet zu werden. Medienkompetenz gehört dazu.“

Die Pilotschulen

WLAN richtet die Stadt an 14 Pilotschulen ein. Bereits installiert wurde es an: Gutenberg, Franz-Böhm (Berufsschulen); Viktor-Frankl, Kasino (Förderschulen); Bonifatius, Valentin-Senger (Grundschulen); Edith-Stein (Haupt- und Realschule); Carl-von-Weinberg, Georg-August-Zinn (IGS); Carl-Schurz, Gymnasium Riedberg (Gymnasien); Ernst-Reuter I, Friedrich-Dessauer (Oberstufengymnasien). Die Schillerschule erhält im Sommer WLAN. 15 weitere Schulen werden noch ausgewählt, die sich private Anbieter für die Installation von drahtlosem Internet aussuchen können. (sabu)

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