1. Startseite
  2. Frankfurt

Gegendemonstrantin bei Querdenkern in Frankfurt: „Wir dürfen ihnen nicht das Pflaster überlassen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Der Protestzug auf der Eschersheimer Landstraße.
Der Protestzug auf der Eschersheimer Landstraße. © Oeser

3600 Menschen liefen bei Querdenker-Demo durch die Frankfurter Innenstadt am Samstag. Wenig Gegenprotest auf der Straße.

Eine ältere Dame ist eine der fünf Gegendemonstrierenden, als 3600 Menschen bei der „Querdenker“-Demo auf der Eschersheimer Landstraße mit Friedens-, „Nato raus“- und Deutschlandflaggen am Samstag in der Frankfurter Innenstadt protestieren. Die Demonstrierenden brüllen, dass sie für die „Freiheit“ auf die Straße gingen. Damit meinen sie, dass sie gegen die Corona-Schutzmaßnahmen sind. „2G nee“, „Für die Fressefreiheit“ oder „Stoppt den (Impf)Faschismus“ steht auf ihren Schildern. Junge Leute feiern auf einem Wagen eine Technoparty. Kinder halten rote Herzballons mit Smiley-Gesicht hoch.

Es sind Songs wie etwa John Lennons „Imagine“ zu hören. Die Gegendemonstrantin hält einen Zettel hoch: „Masken auf, Nazis raus“. Sie sagt: „Wir dürfen ihnen nicht das Pflaster überlassen. Sie missbrauchen Lieder und die Friedensflaggen für ihre Zwecke. John Lennon würde sich im Grab umdrehen, wüsste er das. Als junge Frau haben wir diese Lieder für unsere Demos gegen die Altnazis gespielt“. Sie sagt, dass sie traurig sei, dass so wenig Leute zum Gegenprotest da seien. Ein Grund könnte ihrer Ansicht nach sein, dass die offizielle Gegendemo im Holzhausenpark „Nordend gegen Querdenker-Demo“ kurz zuvor stattgefunden hat.

Normalerweise gehen die „Querdenker“ von dort aus los, aber weil es an diesem Samstag eine linke Demo anlässlich des Prozesses über die Drohschreiben des „NSU 2.0“ im Holzhausenpark gibt, ist der Treffpunkt der „Querdenker“-Demo kurzfristig in den Grüneburgpark verlegt worden.

Auf einem Schild steht: „Nein ich brauche keine Impfung, ich habe ein Immunsystem“. Um den Mann herum essen Menschen, die Angst vor den gesundheitlichen Folgen der Corona-Schutzimpfung haben, Chips, trinken Cola und rauchen. Viele Teilnehmende halten sich nicht an die Maskenpflicht, trinken Whiskey aus Dosen, obwohl Alkohol auf der Demo verboten ist. Immer wieder warnt die Polizei, ruft dazu auf, Masken zu tragen.

Wie die Polizei mitteilt, weigerte sich ein Mann vehement, griff einen Beamten an, der verletzt wurde und seinen Dienst nicht fortsetzen konnte. Ein Strafverfahren gegen ihn sei eingeleitet. In der Siesmayerstraße beleidigte ein Maskenverweigerer einen Beamten als „Faschisten“ und leistete bei der Feststellung seiner Personalien Widerstand. Auch gegen ihn sei ein Strafverfahren eingeleitet worden.

„Ich bin Antisemit“

Ein älterer Herr schreit, dass die „Frankfurter Erklärung“ eine Frechheit sei. 70 Personen aus Kultur, Politik, Gewerkschaften, Religionen und Wirtschaft haben darin dazu aufgerufen, sich nicht an den Demos von Corona-Leugnern zu beteiligen, da dort auch „Rechtsextreme* und „Feind:innen unserer Verfassung“ teilnähmen. „Ja, genau, ich bin Antisemit. Lügenpresse“, brüllt der Mann. Die Gegendemonstrantin sagt: „Meine größte Angst ist das Verschwinden der Demokratie. Ich wache nachts auf vor Sorge um diese Welt.“

Auch interessant

Kommentare