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Nur mitfahren kann man nicht: Der gefräßige Stadtsauger und die Männer von der FES.

Müll

Gegen Zigarattenstummel: Frankfurt bekommt Stadtsauger

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Jagd auf Zigarettenkippen: FES und Cleanffm haben jetzt einen großen, hungrigen Kollegen. Das ponygroße Getüm kann fast alles - nur eine Sache lässt es nicht zu.

Der Neue sieht von hinten aus wie eines dieser Motorräder mit Dach. Von vorne erweist er sich aber als deutlich langsamer. Bei dem neuen Kollegen, der jetzt für den Frankfurter Müllentsorger FES und die Sauberkeitskampagne Cleanffm arbeitet, kommt es nicht auf Geschwindigkeit an. Mehr auf Gründlichkeit.

„Glutton Stadtsauger“ steht auf dem etwa ponygroßen Getüm, das vor allem Zigarettenkippen aufsaugen soll. „Übertreibt jetzt die Stadt?“, fragt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Montag rhetorisch bei der Präsentation im Herzen der Sachsenhäuser Altstadt. Und antwortet selbst: „Wir möchten, dass die ganze Stadt sagt: Unser Wohnzimmer Frankfurt wollen wir sauber halten.“

Dass sich daran nicht mal die halbe Stadt beteiligt, beweist die Statistik: Acht von zehn Zigarettenkippen landen laut Heilig weder im Mülleimer noch in einem der „Meinungsfilter“, mit denen Raucher über Ja-/Nein-Fragen abstimmen können, sondern auf Straßen, Grünflächen, in Flüssen. Lästig für Menschen – tödlich für Fische und Vögel. „Zigarettenkippen enthalten Arsen, Blei und Nikotin“, berichtet die Dezernentin. „Wir möchten nicht, dass die Tiere an unseren Kippen sterben. Es muss besser werden.“

Dann frisch ans Werk. Heilig startet den Apparat. „Hören Sie? Sie hören nichts.“ Elektro. Nach einigen Sekunden hört man doch etwas, aber längst nicht so viel wie bei den Laubbläsern der ersten Generation. Der Glutton saugt artig Kippen und kleines Gestein auf, kann das aber auch mit Scherben, Laub, Abfall, sogar Getränkedosen, Flaschen – und Fäkalien. Er lässt sich mit einer Art Joystick navigieren, blinkt dabei hinten rot, oben gelb, seitlich weiß. Nach Heilig übernimmt FES-Mann Joachim Pospiech und saugt ordentlich was weg.

20 000 Euro hat der Stadtsauger gekostet, 240 Liter Sauggut kann er schlucken. „Wenn der einmal durchs Viertel fährt, ist er voll“, sagt FES-Sprecher Michael Werner. Keinesfalls wird er in Grünanlagen saugen, wo kleine Tiere die Leidtragenden sein könnten, verspricht er. In der Testphase wollen die Partner auch überlegen, wo Unterstell- und Ladestationen etwa am Hauptbahnhof und in Sachsenhausen Platz finden könnten und dann über den Kauf weiterer solcher Geräte entscheiden. Heilig: „Dann werden vielleicht auch die Stückpreise niedriger.“

Die Stadträtin hatte einen ähnlichen Sauger vor Jahren auf einer Messe in Lyon gesehen und gesagt: „Das brauchen wir!“ Das Vorbild hatte allerdings einen Sitz und ließ das Bedienpersonal mitfahren. Klingt komfortabel. Böte sich das hier nicht auch an? „Schön wär’s schon“, sagt FES-Mitarbeiter Prince Mohammed, „aber so macht es auch Spaß.“

Der Glutton Stadtsauger wird jetzt täglich von 12.30 bis 20.30 Uhr in den meistfrequentierten Stadtgebieten unterwegs sein. Bleibt nur die Frage, wie man ihn ausspricht. „Glatten“, schätzt Felicitas Binder von der Stabsstelle Sauberes Frankfurt. „Glüttooon“, würde Rosemarie Heilig das belgische Produkt nennen, aber sie ist sicher: „Der Name Vielfraß wird sich durchsetzen.“

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