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Schwarze Kreuze erinnern im Kaisersack an die Toten.
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Schwarze Kreuze erinnern im Kaisersack an die Toten.

Bahnhofsviertel in Frankfurt

Gegen Verdrängung von Suchtkranken

  • Friederike Tinnappel
    vonFriederike Tinnappel
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Auf einer Gedenkfeier für verstorbene Drogenkonsumenten im Bahnhofsviertel in Frankfurt spricht sich Stadträtin Heilig gegen eine Verdrängung von Suchtkranken aus.

Auch die alljährliche Gedenkfeier für verstorbene Drogengebraucher und -gebraucherinnen wurde von dem einsturzgefährdeten Kran an der Neuen Mainzer Straße in Mitleidenschaft gezogen: Lange blieb offen, ob der Trauermarsch vom Kaisersack zum Lesegarten in der Taunusanlage ausfallen würde – bis die Polizei das Okay gab und sich etwa 50 Personen in Bewegung setzten. Die Polizei vorneweg, marschierten sie durchs Bahnhofsviertel: Elbestraße, Moselstraße, Niddastraße – dort, wo sich auch am Freitag viele Drogenabhängige aufhielten.

Der Lesegarten selbst, wo es vor Jahren eine offene Drogenszene mit viel Elend und Gewalt gegeben hatte, blieb allerdings tabu. Zwar waren kurz zuvor die Sitzplätze von einer Touristengruppe in Beschlag genommen worden, der ein Fremdenführer gerade Frankfurt auf Englisch erklärte, doch Feuerwehr und Polizei beteuerten, dass die Touristen sofort das Feld räumen müssten. Leider sei der Feuerwehr das rot-weiße Flatterband ausgegangen. So zog der Trauermarsch weiter, auf einen Hügel der Anlage. Ehrenamtliche Helfer drapierten die schwarzen Kreuze, die man von der Kundgebung im Kaisersack mitgebracht hatte. Und Pfarrer Nulf Schade schlüpfte in seinen schwarzen Talar.

Herbert Drexler von der Frankfurter Aids-Hilfe begrüßte die Teilnehmer, darunter auch den Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) und Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne). Drexler forderte die Entkriminalisierung von Cannabis und einen anderen politischen Umgang auch mit harten Drogen, etwa die „schrittweise und fortschreitende Einführung einer staatlich geregelten und kontrollierten Vergabe des Originalstoffes für Abhängige“, wie es in einem Flugblatt heißt.

Heilig thematisierte in ihrem Beitrag die Gentrifizierung im Kiez. „Das Bahnhofsviertel wird ein hipper Ort“, sagte sie; die neuen Bewohner wollten keine Suchtkranken vor der Haustür. Der drohenden Verdrängung setzte die Stadträtin ein „großes Nein“ entgegen: „Wir werden uns unsere erfolgreiche Arbeit nicht kaputtmachen lassen“, sagte sie. Der Frankfurter Weg, diese Mischung aus Repression und Hilfsangeboten, müsse weitergehen. Die Zahl der Drogentoten in diesem Jahr bezifferte Heilig auf zehn.

Pfarrer Nulf Schade hatte den Trauernden als Zeichen des Lebens und der Hoffnung drei Dinge mitgebracht: „eine Blume aus meinem Garten, eine Kerze aus unserer Kirche und eine Bibel.“ Schade bat um Gottes Segen, „der uns alle umfasst – die Toten wie die Lebenden“. Nach der Gedenkfeier war der Lesegarten dann tatsächlich mit weiß-rotem Flatterband abgesperrt.

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