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Der Park leidet bereits unter trockenen Sommern. Ein U-Bahntunnel könnte sein Ende bedeuten, fürchtet die BI Grüneburgpark. 

Demo

Gegen U-Bahntunnel im Frankfurter Grüneburgpark regt sich Protest

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Bürger fürchten, eine mögliche Schleife der U4 zur Uni könnte dem Park das Wasser abgraben. Demo am Mittwoch.

Wenn Gisela Becker über den Grüneburgpark im Frankfurter Westend spricht, redet sie vom Gartenreich. Als wäre die Sprecherin der BI Grüneburgpark eine Fee und die Anlage ein Zauberreich, das von dunklen Mächten bedroht ist. Tatsächlich läutet die BI dieser Tage energisch die Alarmglocken. Das Frankfurter Verkehrsdezernat plant, die U4 von Bockenheim nach Ginnheim zu verlängern. Mehrere Varianten der Trassenführung sind im Gespräch. Sollte eine davon den Grüneburgpark unterkellern, brächte das eine Schneise der Verwüstung mit sich, da ist sich die BI sicher.

Der Doppel-Tunnel würde den Boden aufheizen, auch Botanischer und Palmengarten wären durch Bodenveränderung und Eingriffe in Wasserhaushalt und Grundwasserströme betroffen, warnt die BI. Zudem würden Bauwerke für Belüftung und Notausgänge die denkmalgeschützte Gartenanlage „verschandeln und die Natur beeinträchtigen“. Weiterhin drohen Schadstoffemissionen, Ultrafeinstaub und Lärm.

Dennoch fordern die Präsidentin der Goethe-Uni, Birgitta Wolff, und der Allgemeine Studierendenausschuss vehement einen Anschluss der Uni an die U4 – was den Tunnel unter dem Park mit sich brächte. Aus ihrer Sicht und aus der von rund 30 000 Unibesuchern täglich ist das verständlich: Über eine Haltestelle der U4 auf dem Campus zwischen Hörsaalzentrum und Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wäre die Uni vom Hauptbahnhof aus in sechs Minuten zu erreichen. Statt wie bislang in 17 bis 20. Wenn es gut läuft.

Termine

Zum mahnenden Spaziergangdurch den Park rufen die BI Grüneburgpark und die AG Westend für Mittwoch, 5. Februar, 15 Uhr, auf. Treffpunkt ist der Eingang zum Park an der Ecke Grüneburgweg/ Siesmayerstraße.

In einer Sondersitzungdes Ortsbeirats 2 stellt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) die möglichen Varianten für die neue Trasse der U4 vor; am Montag, 10. Februar, 19 Uhr, Campus Westend. Das Forum ist im Foyer des Präsidiums- und Administrationsgebäude (PA-Gebäude). Das ist quadratische Gebäude mit Campus-Blick am Helmut-Coing-Weg.

Der Grüneburgparkist 29 Hektar groß und damit die größte Grünanlage innerhalb des Frankfurter Alleenrings; Wegen seiner alten Bäume und seiner historischen Bedeutung für die Stadt hat der Park den Status eines Gartendenkmals und ist zudem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. 

Die Schleife unterhalb von Palmengarten und Grüneburgpark wäre weder umweltverträglich noch verkehrspolitisch erforderlich, findet dagegen die BI. Störungen der Grundwasserströme würden den Baumbestand erheblich schwächen. Eine Bewässerung mit Trinkwasser hält sie schlicht für „skandalös“. Künstliche Bewässerung der Parkanlagen, ja Wasserraub an der Region, dürfe keine Zukunftsvision des Magistrats sein.

Der Klimanotstand führe in Frankfurt zu katastrophaler Dürre, wie 2018 und 2019 erlebt, jüngst erst hat die Stadt 40 Bäume im Park fällen müssen. Der Grüneburgtunnel wäre auch erheblich teurer als alle anderen Varianten, darauf hat bereits der städtische Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hingewiesen. „Dafür muss man kein Verkehrsplaner sein“, befindet Oesterling in seiner knorrigen Art. Gleichermaßen ist es ihm vor Kosten nicht bange, immerhin habe der Bund seine Zuschüsse für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs erhöht.

Die Ermittlung, welche Trassenvariante die beste wäre, stützt sich auf Prognosen der Verkehrsplaner. Gezählt haben sie den Ist-Zustand: 17 362 Fahrten mit dem Fahrrad am Tag, 17 056 Bus- und Bahnfahrten, 10 587 Strecken, die zu Fuß bewältigt sind und 7094 Fahrten mit dem Auto.

Ob ein Tunnelbau tatsächlich die alten Bäume des Parks beeinträchtige, ermittelt die Stadt noch. Beziehungsweise ein Gutachter, der Umwelt- und Grünflächenamt einbindet. Das hat Stadtrat Oesterling Ende Januar in der Stadtverordnetenversammlung zu Protokoll gegeben. Der Linken-Stadtverordnete Martin Kliehm hatte gefragt, warum Uni oder Palmengarten sich in die Planung einbringen, nicht aber Denkmal- oder Umweltamt. Immerhin ist der Park ja Gartendenkmal und Landschaftsschutzgebiet.

Egal wie die Stadt entscheidet, dringend scheint der Handlungsbedarf an der U-Bahn-Haltestelle Holzhausenstraße. Dort verkehren vier Linien, die U1, 2, 3 und 8, bringen Studierende zumindest in die Nähe des Campus. Doch die Station ist dem Andrang nicht gewachsen. Zumindest in Stoßzeiten, zwischen Vorlesungen, belegen Menschenmassen die schmalen Bahnsteige, stauen sich zuweilen die Treppen hinauf.

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