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Ein "Tatort", der bewegt.

Häusliche Gewalt

Gegen die Spirale der Gewalt

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"Frauen helfen Frauen" informiert auf dem Opernplatz über Misshandlung von Frauen.

Rote Grabkerzen stehen auf dem Kopfsteinpflaster, daneben liegen weiße Rosen, ein Stofftier und ein Zettel mit der Aufschrift „Mama, wir vermissen dich sehr“. Der Bereich ist wie ein Tatort mit Flatterband abgesperrt. Immer wieder bleiben Passanten stehen und wollen wissen, was es damit auf sich hat. 

Den fiktiven Tatort und die Trauerutensilien hat der Frankfurter Verein Frauen helfen Frauen am Samstag auf dem Opernplatz aufgebaut, um zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auf die Folgen häuslicher Gewalt aufmerksam zu machen. Allein 2016, so steht es auf Flugblättern, die Aktivistinnen des Vereins verteilen, wurden 227 Frauen von ihren Männern, Partnern oder Expartnern getötet. Bundesweit 133 000 Opfer von Gewalt in Partnerschaften, 81,9 Prozent von ihnen waren Frauen.

8500 Fälle in Hessen

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie groß das Problem ist“, sagt Christa Wellershaus von Frauen helfen Frauen. Jede dritte Frau sei in ihrem Leben mindestens einmal von häuslicher Gewalt betroffen, „und dann gibt es noch eine hohe Dunkelziffer“. Allein in Hessen habe es 2017 laut Kriminalstatistik 8500 Fälle von häuslicher Gewalt gegeben. Obwohl es immer mal wieder kurzfristig Aufmerksamkeit für das Problem gebe, sei Gewalt gegen Frauen immer noch ein Tabuthema, kritisiert die Sozialarbeiterin. Das Problem bleibe zu oft im Privaten, zu wenige Opfer trauten sich, Hilfe zu suchen. 

Die Ursache liege in immer noch nicht überwundenen patriarchalen Strukturen, in traditionellen Vorstellungen vom dominanten, starken Mann, sagt Wellershaus – und darin, dass Gewalt in Partnerschaften sich tragischerweise vererbe. Jungen, die zu Hause Gewalt etwa gegen ihre Mutter miterlebten, würden später selbst oft zu Tätern.

Aufklärung und Bildung sind daher für Wellershaus zentral im Kampf gegen den Kreislauf der Gewalt. „Wir müssen in die Schulen gehen, wir müssen auf die Straße gehen, immer wieder“, sagt die Sozialarbeiterin. Und es sei dringend notwendig, mehr in Frauenhäuser zu investieren – und in andere direkte Unterstützung für die Betroffenen.

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