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Das Frankfurter Bahnhofsviertel erlebt einen Aufschwung, von dem nicht alle Bewohner profitieren.

Frankfurt

Gegen Law and Order auf die Straße

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Das Bahnhofsviertel erlebt einen Aufwertungsprozess - bei einem Stadtteilspaziergang haben sich 150 Menschen mit den Bewohnern solidarisiert, die nicht von der Gentrifizierung profitieren.

Für ein solidarisches Bahnhofsviertel, gegen Exklusion, Gentrifizierung und Rassismus“ ist in großen, schwarzen Lettern auf dem Transparent am Kaisersack zu lesen, dazu dröhnt Pop aus einer Musikanlage. Bei warmen Temperaturen lockte es am Samstag nicht nur das übliche Partypublikum ins Viertel. Auf Einladung der Initiative „Bahnhofsviertel Solidarisch“ versammelten sich etwa 150 Menschen am zentralen Platz, um an einem kritischen Stadtteilspaziergang durch das Areal teilzunehmen. 

„Die Versprechen von Sicherheit, Aufwertung und einem schicken Viertel sind Versprechen, die nicht für alle gelten“, heißt es auf der Auftaktkundgebung. Denn wenn von einer Aufwertung des Viertels gesprochen werde, schließe dies in der Regel insbesondere die Lebens- und Wohnbedingungen von gering verdienenden und prekär beschäftigten Anwohnern nicht mit ein, so ein Vertreter der Initiative. Dies sieht auch Herbert-Karl Mathé vom Verein „Offenen Haus der Kulturen“ so, der ganz vorne beim Spaziergang mit seinem Fahrrad dabei ist. „Das Bahnhofsviertel sollte genauso locker bleiben, wie es ist“, kommentiert er den eben gehörten Redebeitrag.

Kritik an Racial Profiling

Meike Schreiber, Pressesprecherin der Initiative, sagt, dass man die Situation im Viertel nicht romantisieren wolle. Vielmehr gehe es darum, „angesichts der Zunahme von ordnungspolitischen Maßnahmen in den letzten Monaten“ darauf aufmerksam zu machen, dass sich „mit einer autoritären Law-and-Order-Politik keine sozialen Probleme“ lösen ließen.

Am Platz der Republik angekommen, thematisiert eine Vertreterin der Initiative „Copwatch“, dass bei Polizeikontrollen im Viertel regelmäßig von der Praxis des sogenannten Racial Profiling Gebrauch gemacht werde. Bei dieser rechtswidrigen Praxis komme es allein aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit oder Hautfarbe zu Personenkontrollen, welche die Rednerin als eine „Kriminalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen“ verurteilt. Ein Eindruck, den auch Ulli vom neuen Hausprojekt „NiKa“ teilt, der seinen Worten nach schon häufiger Zeuge von rassistisch konnotierten Polizeikontrollen im Viertel gewesen ist. Auch seiner Einschätzung nach befindet sich das Bahnhofsviertel derzeit in einem starken Aufwertungsprozess, „und da stören Fixer, Obdachlose und alle anderen nicht ins schicke Straßenbild passende Menschen eben“, wie er mit Blick auf die neuen Hausfassaden am Straßenrand erzählt.

Zurück am Hauptbahnhof, zerstreuen sich die Teilnehmer des Spaziergangs allmählich. Die Organisatoren von „Bahnhofsviertel Solidarisch“ zeigen sich indes zufrieden mit ihrem ersten Versuch, „sich das Viertel kritisch anzueignen“, wie Schreiber es formuliert. Daher werde sich die Initiative auch weiterhin für „Teilhabe und ein Bahnhofsviertel für alle“ einsetzen, erklärt Schreiber abschließend.

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