Ein Blick in die Ausstellung über das jüdische Ostend. Initiative 9. November

Ausstellung

Gegen neuen Antisemitismus

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Fotograf Rafael Herlich zeigt im Bunker eine Bilanz seiner Arbeit.

Für ihn ist es eine (Zwischen-)Bilanz seiner Arbeit: Rafael Herlich, der große Chronist des Judentums, zeigt etwas mehr als 100 seiner Fotografien. „Es sind Arbeiten aus den letzten 35 Jahren“, sagt der 64-jährige. Die Ausstellung trägt denn auch den schlichten Titel „Jüdisches Leben in Deutschland heute“. Am 28. April wird sie im alten Hochbunker, Friedberger Anlage 5-6, eröffnet. Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) wird dabei sein.

Natürlich kommt eine solche Schau gerade jetzt nicht von ungefähr. „Wir müssen etwas tun gegen den neuen Antisemitismus in Deutschland“, sagt der Fotograf. Und so zeigen denn viele der Arbeiten ganz betont selbstbewusste Menschen jüdischen Glaubens, die scheinbar keine Angst haben.

Zum Beispiel den Vater und den kleinen Sohn, die Hand in Hand mit der Kippa auf dem Kopf über die Zeil in Frankfurt gehen. Natürlich weiß auch Herlich nur zu gut, dass dies so selbstverständlich nicht mehr ist. Viele trauten sich nicht mehr, die Kippa offen zu tragen, sagt er.

Als besondere Zielgruppe bei dieser Ausstellung nennt er Schülerinnen und Schüler. Gerade an den Schulen mache sich Antisemitismus breit, wenn etwa unter Jugendlichen inflationär die Beschimpfung „Du Jude!“ in Gebrauch sei. Der Fotograf setzt darauf, dass gerade Schulklassen seine Bilder sehen: „Das Interesse ist schon jetzt groß.“

Bewusst blickt Herlich nach vorne. Zeigt nicht nur die letzten Überlebenden des Holocaust, die mittlerweile letzten lebenden Zeitzeugen. Sondern jüdische Kinder und Jugendliche, die optimistisch in die Zukunft blicken. Und das Zusammenleben der Religionen, bis hin zu den Soldaten christlichen, muslimischen und jüdischen Glaubens, die gemeinsam in der Bundeswehr dienen.

Zwei alte Thorarollen werden in einer Vitrine liegen, ein Gebetstuch auch, und Gebetsmusik wird im Hintergrund zu hören sein. All das soll Normalität signalisieren. Aber tatsächlich spart der Herlich auch den Holocaust nicht aus. Vor einigen Jahren ist er mit der Kamera nach Polen gereist, um den Wurzeln seiner Familie nachzuspüren.

Viele Familienmitglieder sind in den Vernichtungslagern der nationalsozialistischen Terrorherrschaft getötet worden: die Ehefrau und der älteste Sohn des Vaters, die Großeltern, drei Onkel und deren Angehörige. Herlichs Vater überlebte, war aber vollkommen traumatisiert. Das Leben des Fotografen haben diese Schicksale geprägt.

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