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Geflüchtete säubern die Frankfurter Zeil

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Von: Jana Ballweber

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Um der Stadt Frankfurt etwas zurückzugeben, sammeln ukrainische Frauen Abfall.

Um sich bei der Stadt Frankfurt und ihren Bürger:innen zu bedanken, haben sich ukrainische Geflüchtete am Samstagmittag zu einer Putzaktion auf der Zeil versammelt. Einige Frauen, die im Dormero-Hotel untergebracht sind, hatten die Aktion initiiert. Ausgestattet mit Handschuhen, Zangen, Müllsäcken und ukrainischen Fahnen starteten die etwa hundert Teilnehmer:innen an der Hauptwache. Ziel war es, innerhalb von zwei Stunden die Strecke bis zur Konstablerwache von Abfall zu befreien.

„Wir wollen zeigen, dass wir den Menschen hier dankbar sind, dass sie uns aufgenommen haben“, berichtet Maryna auf Englisch. „Viele Menschen haben uns geholfen und jetzt wollen wir ihnen auch helfen“, ergänzt Alina. Die beiden jungen Frauen sind schon seit etwa einem Monat in Deutschland. Als jemand aus ihrem Bekanntenkreis vorgeschlagen hat, sich an der Aktion zu beteiligen, haben sie nicht lange überlegt.

Die Idee für die Aktion hatte Iana Dianova, die selbst aus der Ukraine geflohen ist. Obwohl sie die gesamte Organisation übernommen hatte, konnte sie selbst gar nicht teilnehmen. Der Grund ist ein erfreulicher: Wenige Tage vorher hatte sie ein Kind zur Welt gebracht. Oleksandr Dmytriiev, ein Ukrainer, der schon lange in Frankfurt lebt, und sich für Geflüchtete engagiert, brachte die Organisation für sie zu Ende.

Auch Oksana Nedovba hat die Putzaktion unterstützt. Sie stammt ebenfalls aus der Ukraine und lebt schon länger in Deutschland. Seit Beginn des Krieges ist sie in der Flüchtlingshilfe aktiv.

„Die Idee kam nicht von uns Helfer:innen, sondern von den geflüchteten Frauen selbst“, erzählt sie. „Sie halten es nicht für selbstverständlich, dass so viele fremde Menschen ihnen eine Unterkunft anbieten oder Kleidung und Spielzeug schenken. Es war ihnen wichtig, ihre Dankbarkeit auszudrücken.“

Symbolischer Hintergrund

Die Idee, die Stadt ein wenig auf Vordermann zu bringen, habe auch einen symbolischen Hintergrund, erklärt Nedovba. Am Sonntag feierten orthodoxe Christen das Osterfest. In der Ukraine sei es Tradition, am Ostersamstag das eigene Haus von oben bis unten sauber zu machen. „So putzen wir Sorgen, Krankheit und alles Schlechte aus dem Haus.“ Weil viele der Geflüchteten im Augenblick kein eigenes Zuhause haben, wollten sie ihre neues Zuhause, die Stadt Frankfurt, sauber machen.

Nedovba berichtet vom Wunsch vieler Frauen, für ihre Helfer:innen zu kochen oder zu backen. Doch auch hier mache vielen die Wohnsituation einen Strich durch die Rechnung: „Ohne eigene Küche geht das nicht so einfach. Da ist als Hilfe eben nur die Aufräumaktion infrage gekommen.“

Bei den Frankfurter:innen sei das Engagement gut angekommen, erzählt Nedovba. Immer wieder seien sie von Passant:innen angesprochen worden, die sich für die Geflüchteten und ihre Aktion interessiert haben.

Besonders die Kinder seien sehr motiviert gewesen. „Viele der Beteiligten haben sich vorher gar nicht gekannt. Das war noch ein positiver Aspekt der Aktion: Alle konnten neue Kontakte knüpfen. Gerade für die Kleinen ist das toll.“ Das habe den Leuten gut getan.

Um die neue Heimat noch besser kennenzulernen, haben die Teilnehmenden sich im Anschluss noch auf einen kleinen Spaziergang durch die Stadt begeben, berichtet die Helferin. „Wir haben ein bisschen erklärt, was wo ist und was es alles so gibt in Frankfurt. Damit sich die Geflüchteten hoffentlich schnell heimisch fühlen können.“

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