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Geflüchtete Kinder und Jugendliche: Ankommen und sich wohlfühlen in Frankfurt

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Von: Sandra Busch

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Jugendliche aus Intensivklassen erkunden das Angebot im Jugendhaus Galllus.
Jugendliche aus Intensivklassen erkunden das Angebot im Jugendhaus Galllus. c.Boeckheler (2) © Christoph Boeckheler

Geflüchtete Schülerinnen und Schüler können durch ein Bildungsprojekt ihr soziales Umfeld kennenlernen – damit sie Freunde und Freundinnen finden und sich in Frankfurt wohlfühlen.

Arsemii findet es gut in Frankfurt. „Es gibt viele schöne Gebäude“, sagt er über die Stadt, in der er nun lebt. Vor einem Dreivierteljahr ist der 13-Jährige mit Mutter und kleinem Bruder aus dem ukrainischen Charkiw nach Frankfurt geflüchtet. „Aber es ist schwer, deutsche Freunde zu finden“, sagt Arsemii.

Doch er nimmt am Projekt „Ankommen in Frankfurt“ teil. Und dessen Ziel ist es, eingewanderte Schüler:innen dabei zu unterstützen, sich in ihrem neuen schulischen und vor allem auch sozialen Umfeld einzufinden. Und so eben Freundinnen und Freunde zu finden. „Zum Wohlfühlen in einer neuen Umgebung gehört mehr als nur schulische Bildung“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Es brauche auch außerschulische Aktivitäten. Die Kinder und Jugendlichen müssten in die bestehenden Netzwerke reingeholt werden, die sozialen Kontakte gestärkt werden, sagt Weber. „Das unterstützt auch die schulische Entwicklung.“

Wie Schüler:innen ihre Freizeit in Frankfurt gestalten können, das ist Teil des Projekts „Ankommen“. Arsemii war schon beim Boule, hat Snooker gespielt, war im Park und im Experiminta.

An diesem Dienstagmorgen lernt er das Jugendhaus Gallus kennen. Gemeinsam mit seinen Mitschüler:innen aus der Intensivklasse des Gymnasiums Römerhof. Zu zehnt sind sie, kommen in der Klasse vornehmlich aus der Ukraine. In den Intensivklassen setzt „Ankommen“ an.

Das Projekt ist auf Initiative des Bildungsdezernats entstanden. Mit dem Krieg in der Ukraine stieg die Zahl der Intensivklassen, in denen eingewanderte Schüler:innen vor allem Deutsch lernen, um später die Regelschule besuchen zu können. 135 Intensivklassen gibt es derzeit in Frankfurt, acht nehmen an „Ankommen“ teil. Das Projekt wird finanziell von einer Allianz aus sechs Frankfurter Stiftungen unterstützt und durch das Sozialunternehmen Zukunftsbaukasten (ZuBaKa) umgesetzt.

Einmal in der Woche kommt ein „Scout“ in die Intensivklasse, der die Lehrkräfte zwei Stunden lang unterstützt und dann mit den Schüler:innen eben Ausflüge macht. „Es gibt tolle Angebote in den Stadtteilen“, sagt ZuBaKa-Geschäftsführerin Anna Meister. Aber es fehle die Brücke zwischen den Angeboten und den zugewanderten Schüler:innen. „Sie finden nicht alleine den Weg.“

Mit „Ankommen“ soll der Weg gefunden werden. Die Scouts veranstalten Stadtteilrundgänge, Stadtrallyes, besuchen Vereine und Bibliotheken. Scouts sind Studierende pädagogischer Fachrichtungen, so wie Aspasia Lema, die mit Arsemiis Intensivklasse das Jugendhaus besucht. Die 21-Jährige studiert Soziale Arbeit und will als Scout „den Bedarf in der Arbeit mit Geflüchteten decken“.

Mit manchen Kindern rede sie auch über die Fluchterfahrungen, „aber nicht alle wollen das. Da braucht es Feingefühl“. Und bei „Ankommen“ gehe es vor allem darum, „eine schöne Zeit zu haben“. Wenn sie mit den Schüler:innen etwas unternehme, „dann leuchten ihre Augen, auch wenn wir nur in den Park gehen. Noch mehr, wenn wir ins Museum gehen“. Das bestätigt Arsemii. „Alle Ausflüge sind gut, aber Museum ist am besten.“

Arsemii probiert den Tischkicker aus.
Arsemii probiert den Tischkicker aus. © Christoph Boeckheler

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