1. Startseite
  2. Frankfurt

Geflüchtete in Frankfurt: Warteschlangen vor dem Amt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Timur Tinç, Sandra Busch

Kommentare

Geflüchtete kommen mit einem Zug aus der Ukraine am Frankfurter Hauptbahnhof an.
Geflüchtete kommen mit einem Zug aus der Ukraine am Frankfurter Hauptbahnhof an. © dpa

Vor dem Sozialamt stehen viele Geflüchtete aus der Ukraine. Darunter zahlreiche Kinder – die hier schon bald zur Schule gehen könnten.

Frankfurt – Die Schlange vor dem Frankfurter Sozial- und Jugendamt war am Dienstag nicht mehr ganz so lang, wie in den vergangenen Tagen. Die Stadt bittet seit Tagen Geflüchtete aus der Ukraine, deren Angehörige und Freund:innen, unbedingt vorher bei der Hotline 06921248444 anzurufen, damit es nicht zu langen Wartezeiten komme. Zumal das Amt auch durch Krankenstände unterbesetzt ist. „Viele Sachen lassen sich schon vorher am Telefon klären“, sagt Miriam Bandar, Sprecherin von Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Mitarbeitende würden auch bereits in die Hallen und Unterkünfte, wo Geflüchtete untergebracht sind, gehen, um Vordrucke für den Krankenschein mitzunehmen. Dort würde ihnen auch geholfen, diese auszufüllen.

„Die Leute, die den Antrag stellen wollen, sind nicht das Problem. Das Jugend- und Sozialamt war die Anlaufstelle für alle möglichen Themen“, sagt Bandar. Andere Kommunen hätten die Menschen nach Frankfurt geschickt, weil sie selbst noch nicht so weit seien. Es seien Menschen bis aus Friedberg in die Stadt gekommen.

Seit gestern sind auch mobile Impfteams vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) unterwegs, um Geflüchtete unkompliziert und schnell zu impfen. Außerdem sind alle Menschen, die in die Unterkünfte gekommen sind, getestet worden.

Sporthallen werden zur Zuflucht für Geflüchtete: Laut Politik ist noch Luft nach oben

Dass zwei Sporthallen kurzfristig seit Freitag zu Flüchtlingsunterkünften umgewidmet wurden, sehen Sportkreisvorsitzender Roland Frischkorn und die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Natascha Kauder, als Akt der Solidarität. Sie sagen aber auch: „Wir müssen in Frankfurt noch besser werden.“ Die Vereine, die die Hallen nutzten, sollten rechtzeitig in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. „Eine Hallennutzung kann nur eine kurzfristige Übergangslösung sein, sie ist keine ideale Lösung für Menschen auf der Flucht“, sagte Kauder.

Miriam Bandar verweist weiter auf die dynamische Situation. „Es gibt eine hohe Fluktuation.“ Einige Menschen blieben nur für ein paar Tage und würden wieder weiterziehen, zu Verwandten, zu Freunden. Außerdem sei noch nicht geklärt, wie die Verteilung der Geflüchteten im Land Hessen letztlich aussehen werde.

Am Montag haben Mitarbeitende des Deutschen Roten Kreuzes WLAN in den Sporthallen gelegt. „Das war ein sehr großes Bedürfnis der Menschen, um Kontakt mit ihren Verwandten in der Heimat zu haben“, berichtet Bandar.

Geflüchtete Kinder aus der Ukraine können in Frankfurt zur Schule gehen

Geflüchtete Kinder und Jugendliche können auch in die Schule gehen. Noch sind keine Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine da, die in Frankfurt die Schule besuchen wollen. „Es hat sich noch niemand gemeldet“, sagt Alexander Tulatz vom Staatlichen Schulamt Frankfurt am Dienstag. Aber das werde sicher in den nächsten Tagen kommen. „Wir erwarten einen Andrang.“ Da die Geflüchteten nicht in Erstaufnahmeeinrichtungen müssten und die Aufnahme unbürokratischer sei, werde es nicht lange dauern, bis geflüchtete Kinder beschult werden sollten. „Aber wir sind gut vorbereitet“, sagt Tulatz.

Denn anders als im Migrationsjahr 2015 gibt es bereits Strukturen für die Beschulung von Geflüchteten. „Die haben wir damals aufgebaut und gestärkt“, sagt Tulatz. Zwischenzeitlich sei die Zahl an Schülerinnen und Schülern zurückgegangen, aber „wir können nun wieder hochfahren“. Eine dreistellige Zahl an Plätzen sei derzeit frei, in den Grundschulen und der Sekundarstufe. „Wir können Kinder und Jugendliche sofort beschulen.“

Frankfurt ist auf Geflüchtete vorbereitet: „Nun sind wir eigentlich gelassen.“

Die Schulen nehmen die Schülerinnen und Schüler nicht selbstständig auf. Sie müssen zunächst ins Aufnahme- und Beratungszentrum zu einem Gespräch. „Wir schauen, welchen Stand sie haben, ob sie etwa Deutsch oder Englisch können“, sagt Tulatz. Dann werden sie je nach Wohnort einer sogenannten Intensivklasse zugeteilt, die es an zahlreichen Frankfurter Schulen gibt. In diese Klassen werden zugewanderte Schülerinnen und Schüler unterrichtet, lernen dort vor allem auch Deutsch. Um dann die Regelschule besuchen zu können.

Tulatz geht davon aus, dass in einem Ballungsraum wie Frankfurt viele Schülerinnen und Schüler ankommen werden. „Sicher wird es eine Herausforderung, aber wir sind guter Dinge, dass wir nachsteuern können.“ Personal sei da. Seit 2015 hätten viele Lehrkräfte Fort- und Weiterbildungen in Deutsch als Zweitsprache gemacht, sie seien nun viel qualifizierter. „2015 war alles viel problematischer“, sagt Tulatz. „Nun sind wir eigentlich gelassen.“ (Timur Tinç, Sandra Busch)

Unter den Geflüchteten aus der Ukraine sind viele Kinder. Sachspenden werden aber zunächst keine mehr benötigt.

Auch interessant

Kommentare