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Gefangen im Dixi-Klo

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Die Uhr tickt: Szene aus „Ach Du Scheiße!“ von Lukas Rinker. Lichter Filmfest
Die Uhr tickt: Szene aus „Ach Du Scheiße!“ von Lukas Rinker. Lichter Filmfest © Lichter Filmfest Frankfurt Inter

Das 15. Lichter Filmfest Frankfurt International beleuchtet das Thema „Freiheit“ in 20 Filmen aus aller Welt. Mehr als 70 Filme werden beim Festival vom 10. bis 15. Mai gezeigt.

Architekt Frank erwacht blutverschmiert in einem verschlossenen Dixi-Klo. Ein fingerdicker Draht hat seinen Arm durchbohrt, draußen läuft der Countdown zu einer Abrisssprengung. „Ach du Scheiße!“ Kaum ein Titel könnte besser passen zu diesem Genrefilm, der illuster zwischen Thriller und Splatter changiert, fast 90 Minuten in der Plastiktoilette spielt – und in Offenbach entstand. Für schwache Nerven ist das Regiedebüt von Lukas Rinker jedenfalls nichts. Wie gut, dass das „Lichter-Filmfest Frankfurt International“ vom 10. bis 15. Mai mit seinen mehr als 70 Beiträgen aus aller Welt für jedes Gemüt etwas in petto hat.

Im ersten Corona-Jahr ging das Festival als erstes seiner Art in Deutschland online und bot ein On-demand-Programm, 2021 knüpfte es daran an. Nun ist die 15. Lichter-Ausgabe wieder live zu erleben in mehreren Frankfurter Kinos. Eigentlich sei das Filmfest gut durch die ersten beiden Pandemiejahre gekommen, sagt Festivaldirektor Gregor Maria Schubert, vor allem „gemessen an dem, was jetzt seit Februar passiert“. Bevor er gemeinsam mit Festivaldirektorin Johanna Süß das Programm vorstellt, drückt er „Schock und Bedauern“ angesichts des Krieges in der Ukraine aus. „Er gibt dem Thema Freiheit eine ganz andere Bedeutung.“

Das diesjährige Motto des Lichter-Filmfests wurde bereits im Mai 2021 festgelegt. Ob mit Blick auf die selbsternannten „Querdenker“ oder aktuell auf einen Krieg in Europa: Es sei „dringend geboten, dem komplexen Freiheitsbegriff mal wieder mehr Beachtung zu schenken“, heißt es im Vorwort der Programmbroschüre. Dabei gehe es nicht nur um „die Freiheit von etwas“, betont Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Rhein-Main, der das Filmfest unterstützt. „Viel entscheidender und spannender ist die Frage nach der Freiheit zu etwas.“

Das Lichter Filmfest

Das 15. Lichter-Filmfest Frankfurt International 2022 zeigt von Dienstag, 10. Mai, bis Sonntag, 15. Mai, mehr als 70 Filme, darunter viele Welt- und Deutschlandpremieren.

Mit dem Festivalthema „Freiheit“ befassen sich 20 internationale Spiel- und Dokumentarfilme, es gibt wieder die Reihe „Zukunft Deutscher Film“, ein „Regionales Lang- und Kurzfilmprogramm“, den „Lichter Art Award“ und den „VR Storytelling Award“.

Der „Kongress Zukunft Deutscher Film – Forum Europa“ geht vom 11. bis 13. Mai in die zweite Runde und diskutiert mit Expert:innen der deutschen und internationalen Filmbranche.

Festivalzentrum ist der Cantate-Saal der Volksbühne im Großen Hirschgraben 15-21. Bespielt werden außerdem das Kino im DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, das Mal Seh’n, die Pupille und das Eldorado. Weitere Veranstaltungsorte sind das Museum für Moderne Kunst, die Schirn-Kunsthalle und die Paulskirche. myk

Programm, Tickets und mehr:

www.lichter-filmfest.de

20 internationale Spiel- und Dokumentarfilme befassen sich direkt oder indirekt mit dem Thema, das Programm sei „von vorne bis hinten kuratiert“, das Team habe sich für die Auswahl 250 Filmen angeschaut, sagt Leiterin Johanna Süß. Zum Beispiel „Flee“ von Jonas Poher Rasmussen. In animierten Szenen erzählt Amin die Geschichte seiner Flucht aus Afghanistan. 20 Jahre lang hatte er die wahren Hintergründe niemandem anvertraut. Oder der oscarnominierte amerikanisch-chinesische Dokumentarfilm „Ascension“, der im Kino im DFF in Anwesenheit von Regisseurin Jessica Kingdon gezeigt wird. Er ermöglicht faszinierende Einblicke in die Produktion sowie in Konsum und Wohlstand in China: von der Sexpuppen-Fabrik bis zur Herstellung von Trump-Fan-Mützen.

„Ach du Scheiße!“ läuft übrigens nicht in der Sektion „Freiheit“, auch wenn Frank nichts unversucht lässt, aus dem Dixi-Klo hinauszukommen, sondern im „Regionalen Kurz- und Langfilmprogramm“, das seit 15 Jahren fester Bestandteil des Filmfests ist. Zu den zwölf Beiträgen gehören „Fritz Bauers Erbe“ von Isabel Gathof, Sabine Lamby und Cornelia Partmann sowie die restaurierte Fassung der Doku „Keine Startbahn West“ von 1982.

Zehn Filme stehen im Wettbewerb um den mit 3000 Euro und einem Bembel dotierten „Regionalen Langfilmpreis“. In vier weiteren Wettbewerben gibt es je 1000 Euro zu gewinnen. Das FestivalbBudget beträgt laut Schubert 300 000 Euro.

Einen Schwerpunkt bildet außerdem die kuratierte Reihe „Zukunft Deutscher Film“. Zu ihr gehört der Eröffnungsfilm „Ask, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“ von Cem Kaya. Er handelt von der mehr als 60-jährigen türkischen Musikszene in Deutschland. „Ganz nebenbei“, sagt Schubert, „kommt darin auch das Frankfurter Bahnhofsviertel vor“ – wegen eines Ladens, der in den 80er Jahren berühmt war für sein Kassettensortiment mit türkischer Musik.

Passend zur Filmreihe wird zum zweiten Mal der Kongress „Zukunft Deutscher Film“ veranstaltet. Nach der ersten Ausgabe 2018 befasst er sich erneut mit Aspekten der Filmkultur und -entwicklung, fragt aber unter anderem auch danach, wie die infolge von Corona darbenden Kinos zu retten sind.

Sie brachten ihre Musik mit: Davon erzählt Cem Kayas Doku „Liebe, D-Mark und Tod“. Lichter-Filmfest
Sie brachten ihre Musik mit: Davon erzählt Cem Kayas Doku „Liebe, D-Mark und Tod“. Lichter-Filmfest © Lichter Filmfest Frankfurt Inter

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