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Die Verkehrspolizei kontrolliert auch die Dokumente zum Transport.

Frankfurt

Gefahrgut in Frankfurt auf dem Prüfstand

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Bei der Kontrollwoche des Straßenverkehrsamtes im Industriepark Höchst kommen nicht alle Laster durch.

Die beiden grünen Container sind auch für Laienaugen eindeutig unsicher am Lastwagen befestigt: Die wenigen und schiefen Gurte werden die Boxen, deren orangene Warntafeln auf ätzende Stoffe hinweisen, nicht ausreichend halten können. „Dieser Laster darf heute sicher nicht mehr losfahren“, sagt Frank Möller, Sachgebietsleiter für Gefahrgutangelegenheiten des Frankfurter Straßenverkehrsamtes. Das besagte Fahrzeug muss in den Industriepark Höchst zurückfahren, einen Teil der Ladung abladen und neu befestigen – begleitet von einem Wagen der Verkehrspolizei.

Die neonfarbenen Kontrollwarndreiecke bei Ein- und Ausfahrt des Industrieparks weisen auf die täglichen Kontrollen des Gefahrgutmanagements hin. Doch heute sind zusätzlich auch das Straßenverkehrsamt, der Zoll, das Regierungspräsidium Darmstadt, das Abfalldezernat und andere Sachverständige mit von der Partie.

Der Grund dafür, dass dieser Tage für die Kontrollen von Lastern mit Gefahrgutwarnschild gleich mehrere Behörden eingeschaltet sind: Das Straßenverkehrsamt Frankfurt organisierte eine Kontrollwoche für Gefahrguttransporte. Sie prüfen nicht nur die Befestigung, die Reifen und die Bremslichter, sondern auch die notwendigen Genehmigungen für den Transport, die Papiere und die Einhaltung des Arbeitsschutzes. Manchmal sei auch nur der notwendige Feuerlöscher abgelaufen. „Wenn wir keine Verstöße finden, brauchen wir für die Kontrolle ungefähr 30 Minuten“, so Möller.

Die nationalen Vorschriften für den Gefahrguttransport seien aber sehr unterschiedlich, innerhalb Deutschlands sogar Ländersache. In Hessen seien Vorschriften und Kontrollen besonders streng, sagt Marc Eggersdorfer, der das Gefahrgutmanagement des Industrieparks Höchst leitet. Und ein unfreiwilliger Aufenthalt der Lastwagen – falls diese die Kontrolle nicht passieren dürfen und das Gefahrgut etwa neu verladen müssen – koste die Unternehmen viel Geld. Die strengen Kontrollen sprächen sich unter den Fahrern herum – so erhoffe man sich mehr Sicherheit. „Der Industriepark muss etwas tun für die Sicherheit von Gefahrguttransporten“, so Eggersdorfer.

Im Industriepark werden seit 1990 täglich alle ein- und ausfahrenden Fahrzeuge mit Gefahrgutwarntafeln kontrolliert, „an einem Ort gebündelt, etwa 30 000 im Jahr“. Geprüft wird, ob die teils ätzenden, radioaktiven oder explosiven Stoffe korrekt gesichert und geschützt sind – „wir wollen keine Unfälle haben“, so Eggersdorfer.

Gefahrenguttransport

Im Industriepark Höchst fahren täglich etwa 600 Laster ein und aus. 2018 gab es 42 000 Gefahrguttransporte. Hierzu zählt der Transport von explosiven Stoffen, Gasen und Gasgemischen, brennbaren Flüssigkeiten, brandfördernden Substanzen sowie radioaktiven und ätzenden Stoffen. Für deren Transport gelten besondere Anforderungen, beispielsweise an Befestigung, Kennzeichnung und mitzuführender Schutzausrüstung.

Das Straßenverkehrsamt überprüft im Rahmen der Gefahrgutkontrollwoche speziell den Transport im Stadtgebiet Frankfurt.

Ungefähr 60 Prozent der transportierten Gefahrgüter seien lose Ware, also flüssig. Hier liege die „Fehlerquote“, also die Anzahl der mangelhaft befestigten und nicht transportfähigen Gefahrgüter, bei etwas mehr als einem Prozent. Die Fehlerquote der festen Ware, meist auf Paletten transportiert, liege dagegen bei 11,2 Prozent. „Die Quote ist zwar konstant geblieben in den letzten Jahren, aber die Mängel sind schwerwiegender geworden. Das liegt am enormen Druck, unter dem die Logistikunternehmen stehen. Sie geben die Aufträge an Sub- und Subsub- und Subsubsubunternehmen ab“, sagt Eggersdorfer. Oft sei so auch die sprachliche Verständigung mit den Fahrern schwieriger, ein Chemie-Fahrer brauche langjährige Berufserfahrung und eine extra Schulung für jedes transportierte Gut.

Ein Fahrer, dessen Laster alle Kontrollen bestanden hat und der in den Feierabend darf, sagt: „Diese Kontrollen sind schon nervig für uns, aber wenn ich hier sehe, wie manche Fahrzeuge herumfahren – da sind Kontrollen wichtig.“

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