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„La moto“ von Jacques de la Villegle wird gehängt.

Schirn

Gefährliche Kunst

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Die Kunsthalle Schirn zeigt in der Ausstellung „Poesie der Großstadt“ Werke der französischen Affichisten. Die Künstler sind Wegbereiter der Street Art. Jacques de la Villeglé, einer der großen Plakatkünstler, kommt zur Ausstellungseröffnung.

Es ist eine ganz besondere Premiere in der Kunsthalle Schirn: Am Freitag wurden die ersten der 150 Exponate der kommenden Ausstellung „Poesie der Großstadt“ gehängt. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ist in Deutschland wieder eine große Übersichtsausstellung über die Affichisten zu sehen.

Diese französischen Künstler sind so etwas wie die Wegbereiter der Street-Art, die erst in den 80er Jahren von sich reden machte. Die Affichisten begannen schon in den späten 40er Jahren in Städten wie Paris, aber auch Rom mit Plakatabrissen an Hauswänden und anderen Flächen eine neue, eigenständige Kunstform zu schaffen. Die zerrissenen Plakate wurden vom Untergrund gelöst und auf Leinwand zu neuen Werken komponiert. Die jungen Künstler formulierten schon früh einen demokratischen Anspruch: Dass nämlich „die Kunst von allen gemacht“ sei, „nicht von einem allein“.

Ausstellung sehr aktuell

Einer der großen Plakatkünstler von damals, Jacques de la Villeglé, lebt noch und wird zur Eröffnung der Ausstellung am 5. Februar nach Frankfurt kommen. Er hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst mit Skulpturen begonnen, die aus allen möglichen Fundstücken zusammengesetzt waren, etwa aus Resten des sogenannten „Atlantikwalls“, den die nationalsozialistischen Besetzer in den frühen 40er Jahren gebaut hatten. Von Dezember 1949 an schuf er in Paris gemeinsam mit seinem Freund Raymond Hains die ersten Plakatabrisse.

Esther Schlicht, seit etlichen Jahren in der Schirn, hat die Ausstellung kuratiert und zeigt die Werke von fünf Künstlern, die in den 50er Jahren in Paris hervorgetreten waren.

Die Bilder der Affichisten spiegeln auch die heftigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen im Frankreich dieser Zeit, das etwa in einen Kolonialkrieg in Algerien verstrickt war und damals schon die Konflikte um die Einwanderer kannte.

Von Raymond Hains stammt der erste verbürgte Plakatabriss überhaupt. Von ihm ist in Frankfurt unter anderem „Cet homme est dangereux“ („Dieser Mann ist gefährlich“) zu sehen – eine Collage mit dem Foto eines seinerzeit in Frankreich populären rechtsextremen Politikers.
Eine Kunstausstellung, die sehr, sehr aktuell ist.

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