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Die Künstlerin beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt.

Beckmann-Preis

Cindy Sherman bleibt sich treu

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Bei der Verleihung des Max-Beckmann-Preises fällt die Dankesrede der Preisträgerin Cindy Sherman denkbar knapp aus.

Am Ende ruft sie ein fröhliches „Happy Birthday, Max Beckmann!“ ins Publikum. Das ist im Wesentlichen die Dankesrede bei der Verleihung des Beckmann-Preises am Dienstagabend im Kaisersaal des Römers. Und so bleibt die große Fotokünstlerin Cindy Sherman sich selbst treu. Wer der Mensch hinter all ihren Masken, ihren verschiedenen Identitäten ist, wird nach vier Jahrzehnten auch an diesem Abend kaum klarer.

„Ich kann in meiner Kunst verschwinden“, hat die heute 65-Jährige einmal gesagt. Und: „Ich selbst analysiere meine Arbeiten nicht.“ Das tut an diesem Abend der Kunstkritiker Kolja Reichert. „Die Fotografie ist nach Cindy Sherman eine andere, sie hat die Schrauben gelockert“, urteilt er.

Ihre Arbeiten wendeten sich „gegen die Einschüchterung durch Luxus, Reichtum und Glamour“. Reichert kommt zu dem Schluss: „Cindy Sherman ist ein Narr“. Aber nicht etwa im Sinne eines Witzemachers, sondern als eine „Gefährderin der Ordnung“. Eine Bedrohung gehe von ihren Bildern, ihren Arrangements aus.

Mit der Selbst-Performance auf Youtube habe das nichts zu tun. Gegen die Selfies grenze sich die Fotografin scharf ab, nenne sie „vulgär“. Als Antwort auf den konservativen Rollback in der US-Gesellschaft in den 80er Jahren habe sie begonnen, „alptraumhafte Szenen aus Essensresten“ zu arrangieren, habe „Anti-Fetische“ geformt.

In einer Zeit, in der Kommunen mit rekonstruierten Innenstädten um Anerkennung buhlten – den Namen Frankfurt spricht der Kritiker da gar nicht aus – brauche es dringend „Zerrspiegel“, wie sie Sherman der Gesellschaft vorhalte.

Die so gefeierte Künstlerin wirkt bei ihrem gesamten Auftritt zurückhaltend, fast schüchtern. Sie selbst nennt den Frankfurter Maler Max Beckmann in kurzen Worten einen „großen Einfluss“.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) schlägt den Bogen zur derzeit wachsenden politischen Entfremdung zwischen den Regierungen der USA und Deutschlands. Während die politischen Beziehungen auf die Probe gestellt würden, „halten wir fest an der deutsch-amerikanischen Freundschaft“, so Hartwig.

Sie erinnert an das Schicksal Max Beckmanns, der, von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben, in der Stadt New York eine neue Heimat gefunden hatte und dort 1950 an einem Herzinfarkt gestorben war. Und die Kulturdezernentin führt vor Augen, dass unter den 14 Personen, die bisher mit dem Max-Beckmann-Preis ausgezeichnet wurden, Cindy Sherman erst die vierte Frau ist.

Den Auftakt bildete die Malerin Maria Lassnig im Jahre 2004, gefolgt von der Fotografin Barbara Klemm 2010 und der französischen Regisseurin Agnès Varda 2016.

Wenn jetzt Cindy Sherman den Preis für ihr Lebenswerk erhalte, so erfülle sich damit Beckmanns Forderung „nach steter Veränderung in der Gestaltung“, sagt Ina Hartwig.

Barbara Klemm sitzt im Publikum im Kaisersaal, in dem sich viele namhafte Personen aus der Frankfurter Kunst- und Kulturszene finden. Vom Direktor des Deutschen Architekturmuseums, Peter Cachola Schmal, über die Chefin des Frankfurter Kunstvereines, Franziska Nori, bis hin zum Direktor des Museums Angewandte Kunst, Matthias Wagner K, und vielen aus der Frankfurter Galerieszene.

Der mit 50 000 Euro dotierte Preis, den in den 70er Jahren der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) initiiert hatte, gilt herausragenden Leistungen in Malerei, Grafik, Bildhauerei oder Architektur.

Cindy Shermangilt als „die Frau mit den 1000 Gesichtern“.

Die großen Themender US-amerikanischen Künstlerin und Fotografin sind die persönliche Identität, die Rollenbilder des Menschen, das Verhältnis zum menschlichen Körper und zur Sexualität.

Am 19. Januarfeierte die in Glen Ridge, New Jersey, geborene Künstlerin ihren 65. Geburtstag.

Ihre künstlerische Karrierebegann in den 70er Jahren. Heute gehören ihre Fotografien zu den teuersten Arbeiten auf dem internationalen Kunstmarkt.

Berühmt wurdesie mit den „Untitled Film Stills“ (1977–1980). Eine Serie von 70 Schwarz-Weiß-Fotografien, auf denen sich die Künstlerin in zahlreichen Rollen inszenierte.

In ihren Arbeitenarrangierte Cindy Sherman aber auch Prothesen, Schaufensterpuppen, verwesende Nahrungsmittel, Körperausscheidungen, Erde und Abfall zu grotesken Stillleben.

Zur Person

Cindy Sherman gilt als „die Frau mit den 1000 Gesichtern“.

Die großen Themen der US-amerikanischen Künstlerin und Fotografin sind die persönliche Identität, die Rollenbilder des Menschen, das Verhältnis zum menschlichen Körper und zur Sexualität.

Am 19. Januar feierte die in Glen Ridge, New Jersey, geborene Künstlerin ihren 65. Geburtstag.

Ihre künstlerische Karriere begann in den 70er Jahren. Heute gehören ihre Fotografien zu den teuersten Arbeiten auf dem internationalen Kunstmarkt.

Berühmt wurde sie mit den „Untitled Film Stills“ (1977–1980). Eine Serie von 70 Schwarz-Weiß-Fotografien, auf denen sich die Künstlerin in zahlreichen Rollen inszenierte.

In ihren Arbeiten arrangierte Cindy Sherman aber auch Prothesen, Schaufensterpuppen, verwesende Nahrungsmittel, Körperausscheidungen, Erde und Abfall zu grotesken Stillleben.

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