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Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker spricht bei einer Kundgebung zur Solidarität mit Israel. Foto: Michael Schick
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Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker spricht bei einer Kundgebung zur Solidarität mit Israel.

Antisemitismus

Gedrückte Stimmung unter Juden in Frankfurt

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Viele Jüdinnen und Juden in Frankfurt sind besorgt wegen der antisemitischen Vorfälle der letzten Tage. Es mehren sich Aufrufe, endlich massiver gegen Judenhass vorzugehen.

Die letzten Tage waren nicht leicht für viele Jüdinnen und Juden in Frankfurt. Die erneute Eskalation der Gewalt im Nahen Osten hat zu Ausbrüchen von offenem Antisemitismus in den sozialen Netzwerken und auf Demonstrationen in vielen deutschen Städten geführt – mindestens so stark wie 2014, während des letzten Krieges der israelischen Armee gegen die Terrororganisation Hamas.

Die Stimmung sei bedrückt und beunruhigt, sagt Michaela Fuhrmann von der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Manche Gemeindemitglieder seien in Angst um ihre Angehörigen in Israel, zudem seien viele durch die massive antisemitische Hetze etwa im Internet „sehr mitgenommen“. Es würden schlimme Erinnerungen an 2014 wach, als es etwa Drohanrufe bei einem Frankfurter Rabbiner gegeben hatte.

Es sei erschreckend, wie massiv israelbezogener Antisemitismus geäußert werde, sobald die Lage im Nahen Osten eskaliere, sagte Fuhrmann. Bei der propalästinensischen Kundgebung am vergangenen Samstag in Frankfurt sei ein „freies Palästina“ vom Fluss Jordan bis zum Mittelmeer gefordert und damit zur Vernichtung Israels aufgerufen worden. Es sei gut, dass derartige Äußerungen aus der Stadtpolitik verurteilt würden, so Fuhrmann. „Aber was ist denn in den letzten sieben Jahren passiert?“ Es müsse endlich gegen Antisemitismus vorgegangen werden, auch gegen den in muslimischen Communitys. Und niemand dürfe mehr überrascht tun, wenn Judenhass offen geäußert werde. „Uns überrascht es nicht, uns überrascht die Überraschung“, so Fuhrmann.

Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker (CDU), der zugleich Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen ist, sagte der FR, er habe Sorge, dass in der Stadt „ein sehr gefährliches Klima entsteht“. Es müsse klargemacht werden, dass Antisemitismus keinen Platz habe und das Existenzrecht Israels nicht zur Debatte stehe, so Becker. Außerdem sei der Antisemitismus unter Muslimen ein Thema, „das man nicht mehr kleinreden darf“. Gleichzeitig müsse es jetzt darum gehen, Stimmen zu stärken, die Dialog und Versöhnung suchten. Der Frankfurter Rat der Religionen sei dafür ein wichtiger Partner, außerdem brauche es einen „Tisch der Willigen“ aus religiösen und gesellschaftlichen Gruppen, um einer weiteren Radikalisierung in Frankfurt zu begegnen.

Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, kritisierte gegenüber der FR eine „Fußballstadion-Mentalität“, die es sowohl bei propalästinensischen als auch bei proisraelischen Demonstrationen gebe. Wenn man von den Konfliktparteien im Nahen Osten verlange, Frieden zu schließen, müsse man vielleicht zuerst „in Frankfurt zeigen, wie so etwas funktioniert“. Er wünsche sich klare Kante gegen Antisemitismus, aber zugleich weniger Abgrenzung mit Nationalfahnen und mehr offene Debatte, so Mendel. Ihm persönlich fehle „eine dritte Demo“, die Mitgefühl mit der Zivilbevölkerung in Israel und Gaza ausdrücke.

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