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Gedenkstätte in Frankfurt: Gegen das Vergessen

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Ina Hartwig bei der Schlüsselübergabe.
Ina Hartwig bei der Schlüsselübergabe. © Peter Jülich

In den Adlerwerken entsteht eine Erinnerungsstätte zur Auseinandersetzung mit dem KZ Katzbach.

Noch ist der Raum an der Kleyerstraße 17 nahezu leer. Lediglich ein paar Plakate an den Wänden deuten darauf hin, dass hier, in den ehemaligen Adlerwerken, schon bald ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung eröffnen soll. Am Mittwoch gab es eine symbolische Schlüsselübergabe vor dem Eingang des Gebäudes.

Damit neige sich ein „langer und komplizierter Prozess“ dem Ende zu, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig, die den Schlüssel überreichte. Mehr als 30 Jahre lang kämpften verschiedene Initiativen für einen Geschichtsort in den Adlerwerken - zunächst gegen den Willen von Stadtgesellschaft und Politik. Nun befände man sich endlich auf der Zielgeraden.

Dieser Erfolg freut auch Gudrun Schmidt vom Studienkreis Deutscher Widerstand, der die Räumlichkeiten in den Adlerwerken in Zukunft gemeinsam mit dem Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ-Katzbach verwalten wird. „Endlich haben wir einen authentischen Erinnerungsort mitten in Frankfurt“, sagte sie. In einer Zeit, in der „rechtes Gedankengut wieder en vogue“ sei, müsse man besonders junge Menschen für die Gräueltaten des Nationalsozialismus sensibilisieren.

Interaktive Ausstellung

Im Geschichtsort Adlerwerke stehen dafür 160 Quadratmeter zur Verfügung. Neben einer Dauerausstellung mit Medienstationen, Audio-Biografien sowie einem Bücherbord sollen in der Kleyerstraße auch pädagogische Angebote gemacht werden. Solche Elemente trügen dazu bei, Geschichte lebendig und erfahrbar zu machen, meint Elke Sautner vom Förderverein. „Durch trockene Zahlen erscheint alles weit weg.“

Wie wichtig das Erinnern an die NS-Zeit ist, weiß auch Ilse Romahn. Während der Kriegsjahre spielte die Frankfurterin mit anderen Kindern vor den Adlerwerken - nichtsahnend, welche schrecklichen Szenen sich hinter den Mauern abspielten. Weder sie noch ihre Eltern hätten von der Existenz des Konzentrationslagers gewusst. „Als ich das erfahren habe, hat es mir das Herz gebrochen“, erzählt die heute 85-Jährige.

Der Erinnerungsraum im Erdgeschoss des Gebäudes liegt in direkter Sichtachse zum Turm, in dem zwischen 1944 und 1945 über 1600 Menschen ausgebeutet und ermordet wurden. Ein Großteil von ihnen starb vor Ort, hunderte weitere nach der Deportation ins Konzentrationslager Bergen-Belsen. Am 24. März 1945 wurde das Lager in den Adlerwerken schließlich aufgelöst.

Passend dazu ist die Eröffnung des Geschichtsorts Adlerwerke für den 25. März angesetzt. Bis dahin gibt es für die Organisator:innen noch eine Menge zu tun: Die Ausstellungsstücke müssen finalisiert, der Boden ausgebessert und die Eingangstür mit einem Türdämpfer versehen werden. Dennoch sind alle Beteiligten zuversichtlich, dass die Bildungs- und Erinnerungsstätte pünktlich ihren Betrieb aufnehmen kann. Und selbst wenn sich die Eröffnung noch einmal etwas verzögern sollte - 30 Jahre lang muss niemand mehr warten. (Elisa Schwarze)

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