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Weiße Geisterräder auf dem Römerberg.

Geisterräder

Gedenken an totgefahrene Frankfurter Radler

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Eine Initiative erinnert mit sechs Geisterrädern vor dem Römer an Frankfurter Unfallopfer.

Ein Aktivist des Radentscheids Frankfurt legt sich auf den Boden des Römerbergs, ein zweiter greift zur Sprühkreide und malt dessen Umrisse auf die Steine – als sei der Liegende tödlich verunglückt.

Vor dem Eingang zum Rathaus Römer standen am Dienstag sechs weiße Geisterräder (englisch: Ghostbikes). Sie erinnerten an die sechs Radfahrer, die im vergangenen Jahr laut Initiative Ghostbike FFM in Frankfurt ums Leben gekommen sind. Die Polizei hat noch keine Statistik veröffentlicht.

Sechs tote Radfahrer sind ein trauriger Rekord: Im Jahr 2017 waren es nur zwei tote Radfahrer, 2016 drei. „Wir sind auch erschrocken, dass es so viele sind“, sagte Norbert Szep, Mitbegründer des Radentscheids Frankfurt. Außerdem seien im Jahr 2017 fast 100 Radfahrer in Frankfurt schwer verletzt worden – die Polizeistatistik für 2018 liegt ebenfalls nicht vor. „Daran ist in den meisten Fällen die mangelnde bauliche Infrastruktur schuld“, sagte Szep. Die Stadtverordneten seien in der Pflicht, das Radfahren sicherer zu machen.

Hintergrund: Neues Gutachten zum Radentscheid

Mit der Forderung nach besserer Infrastruktur für Radfahrer wurden Szep und seine Mitstreiter zuletzt zu Gesprächen mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und Vertretern der Fraktionen von CDU und Grünen geladen. Zu Inhalten der Gespräche will sich Szep nicht äußern. Die Stimmung beschreibt er als „durchmischt“. Es gebe teils ideologische Vorbehalte gegen mehr Infrastruktur für Radfahrer, denen nur schwer zu begegnen sei. Eine strittige Frage ist dem Vernehmen nach, ob an Hauptstraßen Platz für Radfahrer geschaffen werden soll. So gibt es etwa auf der Friedberger oder der Mainzer Landstraße keine bauliche Trennung. Die Radfahrer schwimmen im Verkehr mit, sind oft nur durch sogenannte Schutzstreifen von Lastwagen und Autos getrennt, die diese aber überqueren dürfen. „Wir wollen, dass der Radverkehr nicht nur für selbstbewusste Radfahrer, sondern auch für junge und alte Menschen sicher wird“, sagt Szep.

Diese Forderung trug der Radentscheid am Dienstagabend auch in den Verkehrsausschuss. Dort begrüßte Martin Daum (CDU), dass Radfahren für Menschen von 8 bis 88 Jahren sicher werden sollte. Nachdem das Bürgerbegehren im Sommer mehr als 40 000 Unterschriften gesammelt hatte, steht ein Bürgerentscheid, eine Volksabstimmung, aus. Die Stadt hat rechtliche Bedenken gegen das Bürgerbegehren angemeldet und setzt auf eine Verhandlungslösung. Die Grünen haben ein zweites Rechtsgutachten in Auftrag gegeben.

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