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Gedenken in Frankfurt: Wie Aids die Welt verändert hat

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Von: Steven Micksch

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Martin Dannecker (l.) und Christian Setzepfand diskutieren in der Katharinenkirche.
Martin Dannecker (l.) und Christian Setzepfand diskutieren in der Katharinenkirche. © Peter Jülich

Bei der Gedenkveranstaltung zum Welt-Aids-Tag in der Frankfurter Katharinenkirche geht es um die Anfänge der Krankheit und die gewandelte Sexualität.

Seinen großen Schrecken hat HIV, das „Human Immunodeficiency Virus“, verloren. Das Virus, das unbehandelt zu Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome - Erworbenes Immunschwächesyndrom) führen kann, ist aber immer noch präsent. 86 Menschen starben im vergangenen Jahr in Frankfurt an Aids. Am gestrigen Welt-Aids-Tag wurde ihrer, aber auch aller anderen daran verstorbenen gedacht. Mehr als 36 Millionen Menschen sind es bisher weltweit.

Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) erinnerte bei der Gedenkveranstaltung in der Katharinenkirche daran, dass noch viel mehr Menschen im Kontext von HIV gelitten haben. Die Anfänge der Krankheit in den 80er-Jahren seien bedrohlich gewesen. Nicht allein wegen dem Virus und Aids selbst, sondern auch wegen der Politik und kruder Ideen. Weil wieder darüber nachgedacht wurde, Homosexuelle in Lager zu sperren.

Auch Aids-Aktivist Christian Setzepfandt und Sexualwissenschaftler Martin Dannecker erinnerten sich in ihrem Gespräch an die zurückliegenden 40 Jahre mit dem Virus. Wobei, berichtigte Dannecker gleich, es vor 40 Jahren den Begriff HIV noch gar nicht gab. Es begann als Grid - Gay Related Immune Deficiency und war damit gleich eng mit schwulen Männern in Verbindung gebracht. Selbst als man sich 1982 auf den Begriff Aids einigte, sei der Begriff „nie neutral“ gewesen, wie Setzepfandt erklärte.

Beide erinnerten sich, wie 1985 der Höhepunkt der Aids-Krise erreicht war. „Es herrschte eine kollektive Hysterie und kolossale Angst“, sagte Dannecker. Gerade heterosexuelle Menschen, die zunächst kaum gefährdet waren und wenig zu befürchten hatten, waren am besorgtesten. „Man dachte, wenn man die Schwulen nicht zur Räson bringt, geht die Welt unter“, so der Sexualforscher. Ebenfalls 1985 gab es den ersten Test zum Nachweis, der fälschlicherweise Aids-Test genannt wurde, obwohl er ja nur das Virus nachwies. Dannecker sagte klipp und klar, dass man sich nicht testen lassen sollte. „Die Medizin hatte nichts anzubieten und bei einer Diagnose gab es nicht mal eine Beratung.“ Die Argumente, dass Menschen, die wussten, dass sie positiv waren, vorsichtiger sein würden, waren nicht haltbar.

Im selben Jahr wurde die Aidshilfe Frankfurt gegründet. Bereits seit 1983 gab es Aidshilfen in Deutschland. Sie waren ein entscheidendes Bindeglied zwischen der Politik und der Community, da es ein großes Misstrauen gegen den Staat gab.

Doch Aids veränderte auch die Sexualität. Damals sei sie von Angst und gar einer Leibfeindlichkeit (keine Zungenküsse) geprägt gewesen, sagte Dannecker. Und auch heute denke man beim Sex an die Folgen. Gesundheit und deren Erhalt ist ein Teil der Sexualität geworden. Bedauerlich, wie Setzepfandt fand.

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