Paulskirche

Gedenken an die Ermordeten

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720 Gäste erinnern in der Paulskirche an die Opfer des Holocausts.

Leise Klänge erfüllen die Rotunde der Paulskirche. Das Lied „Wiegala“ der 1944 in Auschwitz ermordeten Schriftstellerin Ilse Weber führt musikalisch in die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus ein. 720 Gäste sind geladen, darunter Vertreterinnen und Vertreter des Bundestags, des Hessischen Landtags, der Jüdischen Gemeinde sowie Frankfurter Schulklassen. Man sei sich bewusst, dass die Veranstaltungen in der Paulskirche nicht nur für den Oberbürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden oder die Stadthonoratioren gedacht sind - sie sollten für die Bevölkerung da sein, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zum Einstieg in seine Ansprache. Und die Paulskirche solle vor allem bei diesem Thema ihre Türen sehr weit aufmachen.

In seiner Rede mahnt Feldmann, nicht dem Verdrängen Tür und Tor zu öffnen und, wie Theodor Adorno schon 1966 geschrieben habe, die Erinnerung lebendig zu halten. Gerade dies sei heute einmal mehr von Bedeutung, wenn man begründen, zum Teil rechtfertigen müsse, warum diese Art von Gedenken richtig sei, sagt Feldmann.

Für die Zeitzeugin Edith Erbrich ist die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ihre ganz persönliche Vergangenheit. Ihr Vater war Jude, ihre Mutter war katholischen Glaubens. „Somit waren meine Schwester und ich ‚Mischlinge ersten Grades‘“, sagt sie. Erbrich hat den Krieg in Frankfurt miterlebt. Mit gefasster Stimme erzählt sie, wie sie und ihre Familie in der Ostendstraße ausgebombt, von einem Auffanglager in die Uhlandstraße gebracht und am 14. Februar 1945 von der Großmarkthalle aus in einem Viehwaggon abtransportiert wurden. „Und das, obwohl Auschwitz befreit war. Wie groß muss eigentlich der Hass gewesen sein“, fragt sie in Richtung der Gäste. „Bei unserem Abtransport stand nicht fest, wohin unsere Reise geht. Das erfuhren wir alle erst, als wir dort ankamen: Theresienstadt“, sagt Erbrich.

Sie hatten Glück: Am 8. Mai 1945 befreite die russische Armee das Lager. Einen Tag später, am 9. Mai, hätten sie vergast werden sollen, sagt Erbrich. Das habe schon bei ihrem Abtransport festgestanden.

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