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Am Unfallort wird ein Ghostbike, ein weiß lackiertes Fahrrad, zum Gedenken an die beiden dort Getöteten aufgestellt.
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Am Unfallort wird ein Ghostbike, ein weiß lackiertes Fahrrad, zum Gedenken an die beiden dort Getöteten aufgestellt.

Frankfurt

Gedenken an Opfer tödlicher Radunfälle

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Ein Ghostbike erinnert jetzt in der Oskar-von-Miller-Straße an zwei am 21. November hier von einem SUV Getötete.

Ein Tross von Fahrrädern steht am Samstagnachmittag auf der Kreuzung Taunusanlage und Junghofstraße. Die Polizei hat den Bereich weiträumig abgesperrt. Die Frauen und Männer machen aber keinen Krach, sondern schweigen. In einer lauten Stadt wie Frankfurt ein starkes Zeichen, wie Aktivist und Organisator Werner Buthe im Vorfeld sagte. In Stille gedenken die Teilnehmenden den im Straßenverkehr gestorbenen Radfahrerinnen und Radfahrern.

Diese Unglücksorte gibt es in Frankfurt nicht nur an jener Kreuzung an der Taunusanlage, sondern an vielen weiteren Stellen. An den meisten von ihnen stehen sogenannte Ghostbikes. Das sind weiß lackierte Fahrräder, die an die Unglücke erinnern sollen. Das Ziel der nach Veranstalterangaben mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist an diesem Tag aber die Oskar-von-Miller-Straße im Ostend. Dort, gleich neben einem Supermarkt kamen am 21. November zwei Menschen ums Leben, weil sie auf dem Fußweg von einem Auto erfasst wurden. Auch an dieser Unglücksstelle steht nun seit Samstag ein Ghostbike.

Einer der Teilnehmenden ist der 34 Jahre alte Frank aus Heddernheim. „Ich war bis vor drei Jahren Kurierfahrer, fahre manchmal immer noch“, sagt er. Er wisse, wie gefährlich die Arbeit auf dem Fahrrad sei. Bei dem Unglück im Ostend war neben einem Passanten auch ein Fahrradkurier eines Essenslieferanten gestorben. „Ich war erschüttert, als ich davon erfuhr“, sagt der 34-Jährige. Im Berufsverkehr gebe es immer wieder brenzlige Situationen, oft sei die Fahrweise nach Feierabend aggressiv. Die Menschen müssten wieder mehr Rücksicht nehmen, aber es müsse sich auch baulich etwas ändern. Wenn es in der Friedberger Straße nun zwar Radwege gebe, ändere es nichts daran, dass man mit dem Rad gefährdet sei, weil es keine bauliche Trennung gebe.

Besonders präsent mit ihren orangefarbigen Jacken sind bei dieser Gedenkfahrt die Kolleginnen und Kollegen des toten Fahrradkuriers. Einige sind beispielsweise extra aus Köln und Stuttgart angereist. Der 49-jährige Antonio aus Rödelheim ist seit 2015 Rider, also Fahrradkurier. Als Essenslieferant ist er täglich auf der Straße. „Es wird härter“, sagt er. Allein seit Juni habe er drei Konfrontationen mit Autos gehabt. Beinaheunfälle, die dann oftmals dazu führten, dass „sie mir in die Fresse hauen wollten“. Als er vom Tod des jungen Kollegen erfahren habe, sei er fertig gewesen. „Es war die Hölle.“

Antonio kritisiert aber auch die Lieferkette, für die er fährt. Der Großteil der Kuriere habe ein eigenes Fahrrad, dass aber nicht vom Arbeitgeber kontrolliert werde und oft ungeeignet sei. Es gebe keine Unterstützung für die Ausrüstung und der Verschleiß werde maximal für 440 Kilometer gedeckt – viele kämen aber auf mehr als 1000 Kilometer im Monat. „Lieferando schafft es seit Jahren nicht, die Basics hinzubekommen.“

Falko Görres von Ghostbike Frankfurt erklärt, dass die zwei toten Männer im Ostend keine Chance gegen den gut zwei Tonnen schweren SUV gehabt hätten. Während Autos immer sicherer würden, werde es für die Menschen außerhalb der Fahrzeuge immer gefährlicher. Dabei gehe es nicht nur um die Autos, die seiner Meinung nach immer größer und leistungsstärker werden, sondern auch um toxische Männlichkeit. Für viele, gerade junge Männer sei das Auto eben ein Statussymbol. „Das muss gesellschaftlich geächtet werden.“ Außerdem dürften solche Autos nicht mehr zugelassen werden und Fahrzeuge in der Stadt per GPS müssten automatisch gedrosselt werden.

Auch Teilnehmerin Friederike denkt, dass sich dringend etwas ändern müsse. In Frankfurt sei es unnötig, aufs Auto zu setzen, weil in der Innenstadt alles problemlos per Rad oder Nahverkehr zu erreichen sei. Die 33-Jährige fährt seit drei Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit, aber es sei anstrengend. „Ich kann die Leute verstehen, die Angst haben.“ Sie müsse immer am Hauptbahnhof vorbei, wo es keinen Radweg gebe. Ihre Spur müsse sie sich dann mit Autos und Lastern teilen. „Man weiß nie, ob das Auto hinter einem einen auch gesehen hat.“

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