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Im Frankfurter Filmmuseum liegt der Nachlass des Filmemachers Rainer Werner Fassbinder.  

Kultur

Geburtstagsfest für Rainer Werner Fassbinder in Frankfurt

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Das Frankfurter Filmmuseum ehrt den früh verstorbenen Filmemacher an seinem 75. Geburtstag mit einem Onlineprogramm.

Rainer Werner Fassbinder, der wohl größte deutsche Filmemacher, wäre am Sonntag, 31. Mai, 75 Jahre alt geworden. Als sein kurzes, wildes Leben am 10. Juni 1982 endete, hinterließ er 44 Filme, 14 Theaterstücke, zahlreiche Drehbücher und Hörspiele. Das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) in Frankfurt ehrt das Ausnahmetalent an seinem Geburtstag mit einem Onlineprogramm. Dabei kommen auch die Fassbinder-Muse Hanna Schygulla und der Schauspieler Günter Lamprecht zu Wort.

Das Frankfurter Filmmuseum hat zu Fassbinder, der einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films der 1970er und 1980er Jahre war, eine besondere Verbindung. In seinem Fassbinder-Center, das im Mai vergangenen Jahres eröffnet wurde, liegt der umfangreiche Nachlass des Filmregisseurs. Allein der in 187 Archivboxen verwahrte Schriftgutnachlass zu 125 Werken umfasst 25 Arbeitsdrehbücher, 97 meist handschriftliche Szenenfolgen und 31 Szenenaufstellungen.

Ursprünglich hatte das Filmmuseum zum Geburtstag Fassbinders Liveveranstaltungen im Haus am Schaumainkai geplant. Doch wegen der Corona-Krise haben die Organisatoren diese in zum Teil interaktive Onlineformate umgewandelt. Eine der geplanten Veranstaltungen wurde verlegt: die Filmvorführung von Fassbinders fünfteiliger Fernsehserie „Acht Stunden sind kein Tag“ aus den Jahren 1972/73, in der er, in Kontrast zu den damals beliebten „Heile-Welt-Serien“, das Leben einer Gruppe von Werkzeugmachern und ihrer Familien darstellte.

Onlineprogramm zum Geburtstag

Zum Onlineprogramm, das im Laufe des 31. Mai sowohl auf der Website als auch auf den Social-Media-Kanälen des Filmmuseums abgerufen werden kann, gehört ein Gespräch, das der DFF-Sammlungsleiter Hans-Peter Reichmann, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der Nachlass Fassbinders nach Frankfurt kam, mit Juliane Lorenz-Wehling, der langjährigen Cutterin und letzten Lebensgefährtin Fassbinders, führen wird. Themen sind das Werk des Filmemachers und sein Bezug zu Frankfurt.

Der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann holte Rainer Werner Fassbinder 1974 nach Frankfurt. Der Regisseur arbeitete acht Monate als Intendant des Avantgardetheaters Am Turm, bevor er die Stadt wieder verließ. Posthum sorgte Fassbinder 1985 für einen Eklat, als das Schauspiel Frankfurt sein umstrittenes Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ uraufführen wollte. Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die das Stück für antisemitisch hielten, besetzen die Bühne und verhinderten die Uraufführung.

Des Weiteren werden am Fassbinder-Geburtstag auf der DFF-Website und Social-Media-Kanälen Audiogrußworte der Fassbinder-Schauspielerinnen und Schauspieler Hanna Schygulla, Irm Hermann und Günter Lamprecht sowie des ehemaligen FR-Kritikers Wolfram Schütte zu hören sein. In kurzen Videoführungen stellt Sammlungsleiter Reichmann außerdem ausgewählte Exponate aus dem Fassbinder-Nachlass vor. Und es gibt eine vom DFF-Team kuratierte RWF-Playlist auf Spotify mit Fassbinders Lieblingsliedern und Songs aus seinen Filmen, bei der sich, so die Veranstalter, gut mit einem Getränk gemeinsam auf das Leben des Regisseurs anstoßen ließe.

Wer Fragen zum Leben und Werk Fassbinders hat oder von einer besonderen Erinnerung an den Filmemacher berichten möchte, der kann sich im Vorfeld der Feier über die Social-Media-Kanäle mit dem Filmmuseum in Verbindung setzen.

Weitere Infos unter www.dff.film

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