Viel mehr als dieses Eingangshäuschen erinnert nicht mehr an das frühere Wohngebiet für die US-Army.
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Viel mehr als dieses Eingangshäuschen erinnert nicht mehr an das frühere Wohngebiet für die US-Army.

Flughafen Frankfurt

Fast alles außer Wohnungen - Gateway Gardens

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Der Flughafenstadtteil Gateway Gardens in Frankfurt füllt sich zusehends. Die Anbindung an das S-Bahn-Netz wird die Entwicklung sehr beschleunigen.

Noch sieht es an vielen Stellen ziemlich wild aus in Gateway Gardens, prägen Sandhügel, Baugruben und Matsch das Bild. Nach und nach aber zieht etwas mehr Leben ein in den Stadtteil am Frankfurter Flughafen, der alles andere als ein x-beliebiger öder Gewerbestandort sein will.

Selbst im kalten Nieselregen sind in dem Areal, in dem es einmal fast alles außer Wohnungen geben soll, inzwischen deutlich mehr Fußgänger unterwegs als noch vor zwei, drei Jahren. Geschäftsreisende ziehen Rollkoffer hinter sich her, Büroleute laufen Richtung Kantine oder zum Rewe-Supermarkt, der vor knapp vier Wochen aufgemacht hat. Im sehr großen Eingangsbereich bietet ein Imbiss Sushi an. „Jeden Tag für Dich frisch zubereitet“, verspricht er.

Frankfurt: 2500 US-Amerikaner lebten einst in Gateway Gardens

„Neueröffnung“ steht auch an einem Kofferladen am östlichen Beginn der Amelia-Mary-Earhart-Straße, der Hauptstraße von Gateway Gardens. Der nennt sich allerdings lieber: „Luggage Gallery“. Vor dem „Lindbergh’s“, einem Café und Bistro in einem der neuen Bürogebäude steht ein Plastikweihnachtsmann. Ein Schild wirbt für „Homemade Chai Latte“ und „Dirty Chai Latte (mit Espresso)“.

Hier im mittleren Osten des Geländes, nicht weit vom historischen Eingangstor des früheren US-Army-Areals, ist die Entwicklung bereits ziemlich weit fortgeschritten. Schon mehr als zehn Jahre fahren inzwischen Lastwagen die 55 Laderampen des riesigen Produktionsbetriebs des Caterer LSG Sky Chefs an. Auf der anderen Seite der De-Saint-Exupéry-Straße beginnt ein Hotel- und Büroviertel, das sich entlang einer zentralen Achse bis zum Westrand des Areals erstrecken wird.

Zunächst sind in dem inselartig zwischen B43, A3 und A5 gelegenen Gebiet am Stadtwald, in dem einmal um die 2500 US-Amerikaner lebten, in großem Stil Hotels gebaut worden. Große Ketten haben sich in Rollbahnnähe angesiedelt, Hunderte Zimmer sind entstanden. Andere sind noch im Bau. Auch ungewöhnliche Wünsche werden erfüllt. Ein dreizehngeschossiges Haus der Kette B’mine wird sich besonders an Autofahrer richten, die ihren Wagen selbst auf Geschäftsreise so nah wie möglich bei sich haben wollen. Aufzüge bringen diese vor sogenannte Carloft-Zimmer.

Das Areal
Die 35 Hektar große Fläche zwischen der B 43, der A 3 und der A 5 war bis 2005 ein Wohngebiet für Angehörige und Familien der US-Luftstreitkräfte.

Die Stadt Frankfurt entwickelt das Areal mit dem Flughafenbetreiber Fraport und den Frankfurter Projektentwicklern Groß & Partner und OFB seitdem zu einem großen gemischt genutzten Gewerbestadtteil. Offizielle Eröffnung war im Juni 2008.

53 Prozent der Gesamtfläche sind inzwischen vermarktet. Mehr als 5000 Menschen arbeiten in Gateway Gardens. Große Unternehmen im Quartier sind etwa der Caterer LSG Sky Chefs, die Fluggesellschaft Condor, das Logistikunternehmen DB Schenker, der Gabelstaplerhersteller Kion und das Pharmaunternehmen Mundipharma.

Acht Hotels haben sich in Gateway Gardens angesiedelt. Zwei sind noch in Bau. Es gibt Cafés, Bistros und seit kurzem einen großen Rewe-Markt.

Die Zahl der Arbeitsplätze wird noch kräftig steigen. Nach Schätzungen der Stadt könnten im Jahr 2026 etwa 25 000 Menschen im Quartier arbeiten. Siemens will im Jahr 2022 mit 1100 Beschäftigten in den Stadtteil in Rollfeldnähe ziehen. Große Büroflächen sind im Bau. Und noch gibt es freie Grundstücke. 

Langsam wächst auch der Anteil an Büro- und Dienstleistungsflächen, der nach Vorgaben der Stadt einmal 50 Prozent der Gesamtflächen betragen soll, kräftig. Allein entlang der Earhart-Straße entstehen mehrere große Bürogebäude. Von denen nähern sich der „Air Park“ und „Jackie & Jerrie“ sichtbar der Fertigstellung. In einer riesigen Grube laufen die Arbeiten für das „Europa-Center“, das alleine Platz für 37 000 Quadratmeter Bürofläche bieten wird.

Frankfurt: 5000 Menschen arbeiten in Gateway Gardens

Deutlich mehr als 5000 Menschen arbeiten – die Bauarbeiter nicht eingerechnet – schon in dem Areal. Die Zahl dürfte nun rasch wachsen. Büroflächen in Frankfurt sind noch immer sehr gesucht. Dass das Areal nach Jahren, in dem es sehr gut per Auto – und ziemlich schlecht per Bus – erreichbar war, nun an das S-Bahn-Netz angeschlossen ist, wird die Vermietung der neuen Gebäude noch erleichtern.

Hinter der Zentrale des Logistikers DB Schenker ist die neue Konzernzentrale von Kion entstanden. Was das aus Wiesbaden zugezogene Unternehmen herstellt, muss niemand lang raten. Es präsentiert weithin sichtbar in einer sehr hohen gläsernen Röhre gleich sechs Gabelstapler übereinander.

Südlich der zentralen Achse wird es grün. In großen Teilen von Gateway Gardens müssen Fußgänger wegen der großen Baustellen ständig die Straße wechseln oder am Straßenrand laufen. Hier in dem kleinen Park führen Wege unter alten Bäumen am House of Logistics and Mobility vorbei zurück Richtung Osten. Vor dem Forschungs- und Bildungszentrum steht ein Fahrrad. Es ist das einzige, das an diesem Mittag zu sehen ist. Noch dominieren Autos und landende Flugzeuge die Szenerie.

Frankfurt: S-Bahn-Station im Norden

Die S-Bahn-Station im Norden des Geländes ist noch nicht leicht zu erkennen, sieht kurz vor der Eröffnung noch sehr nach Baustelle aus. Arbeiter sind mit einer der Rolltreppen beschäftigt. Hinter den Gleisen, Richtung Wald, ist noch eine riesige Entwicklungsfläche. Jahrelang konnte dort wegen der Arbeiten an der S-Bahn-Strecke nichts geschehen. Nun können die Flächen vermarktet werden.

Und dort könnten einige der interessanteren Gebäude im Areal entstehen. Für vier Hochhäuser gibt es bereits Entwürfe. Einer stammt von der 2016 verstorbenen Star-Architektin Zaha Hadid. Ein anderer vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au, das die Zentrale der Europäischen Zentralbank gestaltete.

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