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Eintracht Frankfurt: Keine Bundesliga-Spiele mehr in der Kultkneipe Backstage

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Von: Oliver Teutsch

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Eintracht Frankfurt
In einer Eintracht-Kultkneipe werden zukünftig keine Spiele der SGE mehr gezeigt, die auf Sky zu sehen sind. (Archivfoto) © imago sportfotodienst/Imago Images

In der Eintracht-Kultkneipe im Frankfurter Nordend bleiben die Bildschirme künftig schwarz. Eintracht-Radio soll schockierten Stammgästen als Ersatz dienen.

Frankfurt – Wenn Eintracht Frankfurt am Sonntag gegen den VfB Stuttgart antritt, bleibt die Mattscheibe im „Backstage“ aus. Erstmals seit 30 Jahren wird die Eintracht-Kneipe am Alleenring keine bewegten Bilder von einer Eintracht-Partie zeigen. Betreiberin Silke Bernhardt hat den Vertrag mit dem Bezahlsender Sky zum September schweren Herzens gekündigt. „Es ist bitter, aber ich kann mich nicht immer von Verträgen knebeln lassen“, sagt die Gastronomin. Die Gebühren für den Bezahlsender seien in Zeiten der Pandemie kaum noch zu erwirtschaften. Wegen der Hygieneauflagen dürften weniger Fans in die Kneipe, gleichzeitig aber brauche es mehr Personal, um den Gesundheitsstatus der Gäste abzufragen.

Viele Jahre war das 1991 im Nordend eröffnete Backstage das Synonym für eine Eintracht-Kneipe schlechthin. Wenn die Türen an der Rothschildallee öffneten, strömten die Fans rein. Vor allem der hintere Teil der Kneipe, wo es eine große Leinwand gibt, war beliebt. Wer einen Platz wollte, musste früh da sein. Auch bei anderen Spielen der Bundesliga und der Champions League war das Backstage immer gut besucht, ein Wohnzimmer für Fußballfans. Das hat sich mit Corona geändert, die Menschen sind zurückhaltender geworden mit Besuchen im Innenbereich von Kneipen. „Wenn die Eintracht nicht spielt, sind bei Champions League und Bundesliga fünf Gäste da, das ist zu wenig“, moniert Bernhardt, die es sich mit der Kündigung nicht leicht gemacht hat.

Eintracht Frankfurt: Kultkneipe Backstage - Sky winkt ab

Die Gastronomin hat Sky kontaktiert, ob die Gebühren nicht gesenkt werden könnten, weil ja auch weniger konsumierende Gäste Einlass fänden, doch da habe der Sender abgewunken. Auf FR-Nachfrage heißt es dazu aus München: „Wie unsere Kunden steht auch Sky aufgrund von Corona vor Herausforderungen und muss aufgrund hoher Rechtekosten weiterhin Einnahmen erzielen, um den Kunden weiterhin sein hochwertiges Programm anbieten zu können.“ Zudem sei der Sender den Gastronomen „in vielen Monaten des Lockdowns“ entgegengekommen und habe die Gebühr um 30 Prozent reduziert.

Doch ab dieser Saison wird es für gewerblich Nutzende dafür noch teurer. Denn wer die Eintracht immer zeigen will, braucht neben dem Abo von Sky auch noch das des Bezahlsenders Dazn, der nun selbst ein Gastro-Abo aufgelegt hat. Bei einer Kneipe von der Größe des Backstage werden so pro Monat etwa 700 Euro für Sky und knapp 300 Euro für Dazn fällig. Fast 1000 Euro zusätzliche Betriebskosten pro Monat, die erst mal erwirtschaftet werden müssen und die ja auch dann anfallen, wenn die Bundesliga Pause hat.

Keine TV-Übertragung der Bundesliga mehr im Backstage.
Keine TV-Übertragung der Bundesliga mehr im Backstage. © Osnapix/Imago Images

Eintracht-Kultkneipe Backstage: Zu hone Fixkosten

Bernhardt kritisiert das für Gastronomen starre Abonnement. „Wenn es möglich wäre, nur die Eintracht zu abonnieren oder monatsweise, hätte ich das probiert.“ Aber nun gleich für ein Jahr die hohen Fixkosten auf sich zu nehmen, dazu war sie nicht bereit.

Für private Nutzerinnen und Nutzer bieten die Bezahlsender flexiblere und weitaus kostengünstigere Lösungen. Eine Tatsache, die nicht nur mancher Gastronom, sondern auch die Eintracht selbst zu spüren bekommt. Denn während des Lockdowns hat so mancher Fan sich ein Abo besorgt und das Fußballerlebnis im trauten und virusfreien Heim liebgewonnen.

Für die Stammgäste im Backstage sei die Kündigung trotzdem ein Schock gewesen, sagt Bernhardt. „Die Gäste haben mir finanzielle Hilfe angeboten.“ Aber auch dies hätte für Bernhardt eine Form der Abhängigkeit bedeutet, die sie so nicht wollte. So setzt die Kultkneipe ab sofort auf das Eintracht-Radio. „Das ist mal ein Versuch, aber vielleicht ja auch ganz nett“, hofft Bernhardt. (Oliver Teutsch)

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