Viele Plätze bleiben in den Restaurants leer. Foto: REUTERS/Michele Tantussi
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Viele Plätze bleiben in den Restaurants leer. 

Gastronomie

Gastronomen in Hessen: „Die Hütte brennt“

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Die Angst vor dem Coronavirus führt bei hessischen Gastronomen zu heftigen Einbußen. Sie fordern Hilfe von Bund und Ländern. Aber sie wollen sich auch gegenseitig unterstützen.

Die Folgen des Coronavirus sind für mich existenzgefährdend. Momentan mache ich 30 Prozent weniger Umsatz, die letzten zwei Wochen sind die Zahlen meiner Gäste rapide runtergegangen“, sagt der Frankfurter Gastronom Thomas Klüber. Er betreibt in Frankfurt vier Betriebe unter diesen die Restaurants Walden und Oosten.

„Ich verstehe, dass ältere Leute Angst haben sich anzustecken und zu Hause bleiben. Und obwohl noch die jüngeren, gesunden zu uns kommen, ist die Stimmung extrem gedrückt.“ So eine Situation habe er noch nie erlebt: „Ein historischer Moment für die Gastronomiebranche.“ Leider ein negativer. „Schließlich laufen die Kosten weiter: Miete, Strom, und vor allem muss ich auch meine 160 Mitarbeiter bezahlen. Die Bundes- und Landesregierung muss uns Gastronomen schnell und unbürokratisch finanziell unterstützen. Die Hütte brennt.“

Mit den durch das Coronavirus bedingten Umsatzeinbußen ist Klüber nicht allein. „Wir haben vergangene Woche eine Blitzumfrage bei 500 Betrieben in der Hotel- und Gastrobranche in Hessen mit Schwerpunkt Rhein-Main durchgeführt. Davon hatten 90 Prozent der Betriebe 30 Prozent an Umsatzeinbußen“, sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hessen. Und die Lage spitze sich von Tag zu Tag zu. „Wir bekommen eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Wir stehen nun im engen Austausch mit der Bundes- und Landesregierung“, sagt Wagner. Auch wenn die Regierung für Darlehen für die Gastronomen bei deren Hausbanken und der KFW Bank bürgen wolle, reiche das langfristig nicht aus.

„Schließlich müssen die Darlehen langfristig von den Gastronomen auch wieder zurückgezahlt werden. Aber gerade kleinere und mittelständische Betriebe haben keinen finanziellen Puffer. Die Umsätze reichen nicht aus, um damit auch noch die Kredite zu tilgen.“ Deshalb fordern sowohl die hessische Dehoga als auch der Bundesverband eine Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 7 Prozent für Speisen im Gastgewerbe. „Das ist eine alte Forderung von uns, die aber gerade jetzt umgesetzt werden sollte. Bislang sträubt sich die Regierung“, so Wagner.

Madjid Djamegari, Vorstandsvorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) stellt die gleiche Forderung nach Steuersenkung und sagt: „Jetzt wäre ein guter und wichtiger Anlass.“ Das Bundes-Rettungspaket, um Unternehmen, die besonders stark vom Coronavirus betroffen sind zu stützen, sei nicht genug. „Wir glauben nicht, dass das ausreichen wird, um insbesondere kleinere Betriebe vor der existenziellen Bedrohung zu schützen“, sagt Djamegari. 81 Betriebe aus Frankfurt und Offenbach sind Mitglieder der IGF, und auch diese hätten signifikante Umsatzeinbrüche zu verzeichnen.

Aber die Initiative will auch selbst Maßnahmen entwickeln, die greifen sollen, wenn ein IGF-Betrieb wegen eines bewiesenen Corona-Falls oder auf Grund von behördlichen Auflagen schließen müsse. „Sicherlich wird niemand von uns in der Lage sein, den Betrieb eines anderen kurzzeitig zu übernehmen, aber im Falle einer Schließung können wir beispielsweise dafür sorgen, dass bestellte Waren von einem anderen Mitglied angenommen und gelagert werden.“ Der Wirt erspare sich so weitere Verluste, und Food Waste könne vermieden werden. Die Welle, so Djamegari, könnte ihren Höhepunkt Mitte April erreicht haben. „Wir können nur hoffen, dass sich die Situation beruhigen wird.“

Aber nicht nur die Gastrobranche reagiert auf Corona. Auch die Eröffnung am 25. März von Ardi Goldmans Frankfurter Club „Fortuna Irgendwo“ wird verschoben. „Wir halten es für unsere gesellschaftliche Pflicht, dazu beizutragen, die weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern“, so Goldman. Wann eröffnet wird, hänge von der weiteren Entwicklung ab.

Ein Gastronom aus Eschborn musste wegen der Corona-Krise Soforthilfe beantragen. Dabei unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler. 

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