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Gastro in Frankfurt: Beliebtes Fine-Dining-Restaurant Stanley unweit des Hauptbahnhofs schließt

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Von: Kathrin Rosendorff

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James (li.) und David Ardinast betreiben weiterhin ihr Restaurant Bar Shuka in der Niddastraße.
James (li.) und David Ardinast betreiben weiterhin ihr Restaurant Bar Shuka in der Niddastraße. © Michael Schick

James und David Ardinast geben ihr Fine-Dining-Lokal Stanley auf. Ein Grund ist die Verelendung des angrenzenden Bahnhofsviertels. Von Kathrin Rosendorff

Das beliebte Fine-Dining-Restaurant Stanley im Gallus, wenige Laufminuten vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt, schließt ab 1. Oktober. Ein Grund neben den steigenden Energiekosten, dem Personalmangel und den Unsicherheiten der Pandemie im Winter, ist die zunehmende Verelendung des angrenzenden Bahnhofsviertels. „Die letzten zweieinhalb Jahre waren pandemiebedingt ohnehin ein Kampf. Das i-Tüpfelchen für unsere Entscheidung, das Stanley zu schließen, ist, dass es im Viertel so schlimm wie noch ist“, betont James Ardinast am Dienstag.

Zusammen mit seinem Bruder David hatte der 50-Jährige das Restaurant 2015 in der Ottostraße eröffnet. Das Stanley war seitdem Dauergast im Restaurantführer Gault&Millau. „Auf der einen Seite ist es befreiend, auf der anderen super schade, dass wir schließen müssen“, sagt Ardinast.

Seit 16 Jahren sind die gebürtigen Frankfurter Brüder mit verschiedenen Gastrokonzepten im Bahnhofsviertel aktiv. „Jeden Tag Menschen auf der Straße so leiden zu sehen und dabei hilflos zusehen zu müssen, weil nichts passiert, ist für uns schwer erträglich“, sagt James Ardinast. „Gleichzeitig verstehen wir auch unsere Gäste, die sich zweimal überlegen, ob sie im Bahnhofsviertel essen gehen, weil sie am Tisch angebettelt werden. Und auch nicht jeder will zusehen, wie sich jemand einen Schuss setzt.“

Ardinast erzählt, dass ihnen von Anfang an bewusst war, dass das Viertel kein schmuckes sei, aber dass es seit der Pandemie extrem bergab gegangen sei. Dass Vertreter:innen der Stadt nun angekündigt haben, etwas gegen die Verelendung unternehmen zu wollen, komme eventuell zu spät. „Ich glaube der Stadt, dass sie was unternehmen möchte. Aber es wird einfach Jahre dauern, bis es im Viertel wieder ‚normal‘, also zumindest wie vor der Pandemie werden wird“, so James Ardinast. Es müsse etwas beim Thema Drogenpolitik und Suchthilfe passieren. „Wie damals in den 80ern dies mit dem Frankfurter Weg der Fall war. Jetzt braucht es aber ein Konzept, das in die heutige Zeit passt“, betont Ardinast.

Die Brüder verlassen aber nicht die Gegend: Die Räumlichkeiten des Stanley, die ihnen gehören, wollen sie weiter als Pop-up-Konzept bespielen. Auch Kooperationen für Dinnerabende, die ab und zu stattfinden, können sie sich vorstellen. Das sei aber etwas anderes von den Kosten her als ein Restaurant.

Auch bleiben sie mit ihrem Veranstaltungsunternehmen „Ima Agentur“ im Viertel. Und mit ihrem Restaurant „Bar Shuka“ und der dazugehörigen Bar im „25 Hours“-Hotel in der Niddastraße geht es ebenfalls weiter: „Denn durch den Innenhof und die Dachterrasse ist es wie ein geschützter Mini-Kosmos im Bahnhofsviertel.“

Die Kosten, die sie nun sparten, weil sie das Stanley schließen, sollen nicht nur ins Bar Shuka fließen. „Wir wollen agil und flexibel bleiben und neue Wege gehen, die nicht unbedingt nur mit Gastronomie zu tun haben“, sagt James Ardinast.

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