Corona-Pandemie

Gastgewerbe in Frankfurt erwartet Pleitewelle

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Bei einem Krisentreffen des Gastgewerbes mit der Stadt Frankfurt ziehen die Beteiligten eine düstere Bilanz. Etwa 40 Prozent der Hotels seien bereits geschlossen - einige davon für immer.

Die Corona-Pandemie hat die Frankfurter Hotels schwer getroffen. Das wurde bei einem Krisentreffen des Geschäftsführers der städtischen Tourismus und Congress GmbH, Thomas Feda, mit Vertretern der Branche deutlich. Nach dem Gespräch sagte Feda, er schätze, dass von den 311 registrierten Hotels in Frankfurt etwa 60 Prozent noch geöffnet seien. Die übrigen hätten wegen Corona vorübergehend geschlossen, einige aber auch für immer.

Als Beispiele für prominente Häuser, die nur für eine bestimmte Zeit geschlossen seien, nannte der Manager das Interconti in der Wilhelm-Leuschner-Straße und das Marriott an der Messe. Insbesondere Ketten, die über mehrere Hotels verfügten, könnten flexibel auf die Krise reagieren.

Das Angebot an Hotelbetten, das in Frankfurt normalerweise bei rund 54 000 liege, sei stark gesunken. Auch bei den Preisen gebe es einen regelrechten Verfall um etwa ein Drittel. Der Durchschnittspreis für ein Einzelzimmer pro Nacht in Frankfurt habe 2019 noch bei 115 Euro gelegen. Gegenwärtig versuchten die einzelnen Häuser, sich mit Dumpingpreisen gegenseitig zu unterbieten.

Wie viele Hotels tatsächlich in Frankfurt bereits in die Insolvenz gegangen sind, lässt sich nach Fedas Worten gegenwärtig schwer feststellen. Die Bundesregierung hatte die Anzeigepflicht für Insolvenzen bei allen Unternehmen bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt. Erst wenn diese Meldepflicht wieder gelte, werde das wahre Ausmaß der Corona-Krise erkennbar werden, so Feda.

Die Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Frankfurt, Kerstin Junghans, sagte nach der Zusammenkunft, ihr Verband gehe davon aus, dass 25 bis 30 Prozent aller Hotels, Gaststätten und Restaurants in der Stadt die Corona-Pandemie wirtschaftlich nicht überstehen würden. „Viele Gäste bleiben zurückhaltend und suchen keine Innenräume auf.“ Auch die Erlaubnis der Stadt, im Freien Heizpilze aufzustellen, bedeute da keine Rettung.

Bei dem Treffen der Branche wurde deutlich, dass Hotels wie Restaurants und Gaststätten jetzt stark auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt setzen. Von ihm müsse eine Belebung des Geschäfts ausgehen. Er soll nach derzeitiger Planung am 23. November eröffnet werden.

Ob es dazu aber tatsächlich kommt, ist stark von der Entwicklung der Fallzahlen bei der Corona-Pandemie abhängig. Schon jetzt ist der Markt mit wesentlich weniger Ständen als sonst und sehr lockerer Aufstellung auf dem Römerberg und auf dem Paulsplatz geplant.

Als „Schlag in die Magengrube“ wertete Eduard M. Singer, der Vorsitzende der Hotel- und Gaststättenvereinigung Frankfurt (Dehoga), die ab 15. Oktober geltenden bundesweiten Einreisebestimmungen. Jeder Tourist, der aus einem Corona-Risikogebiet kommt, müsse sich vor der Einreise „auf einer Internetseite der Bundesregierung registrieren lassen“. Das werde den Touristenstrom nach Frankfurt weiter ausdünnen.

Der Schaustellerverband will vom 8. Oktober an in der Frankfurter Innenstadt einen kleinen Herbstmarkt organisieren. Am Roßmarkt, auf dem Römerberg und an anderen Orten sollen einige Fahrgeschäfte und Buden aufgestellt werden. „Wir hoffen, dass dies für eine kleine Belebung sorgt“, sagte Singer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare