Gaststätten

Gastgewerbe in Frankfurt erleidet Millionenschaden

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Absage der physischen Buchmesse 2020 ist für Hotels und Restaurants in Frankfurt ein weiterer Rückschlag. Der Hotel- und Gaststättenverband befürchtet eine „Pleitewelle“.

Seliger Schlaf im Sessel der Hotelbar, nächtelange Diskussionen im Restaurant über den Bestseller der Zukunft: Die beliebten Begleiterscheinungen der Frankfurter Buchmesse entfallen in diesem Jahr. Die Absage der physischen Messe trifft Hotels und Gastgewerbe hart. Auf 55 Millionen Euro bezifferte Eduard Singer, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Frankfurt, den entstehenden wirtschaftlichen Schaden. Für die ohnehin unter der Corona-Pandemie leidenden Betriebe sei die Buchmessen-Absage der GAU. Singer sagte im Gespräch mit der FR für Herbst und Winter „eine Pleitewelle“ in der Frankfurter Gastronomie voraus.

Die Buchmesse mit ihren zuletzt 300 000 Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt ist die letzte große Publikumsmesse, die nach der Abwanderung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) nach München der Stadt Frankfurt noch verblieben ist. „Wir hatten uns sehr gefreut, dass die Buchmesse versuchen wollte, trotz Corona eine physische Messe zu organisieren“, erklärte Singer. Umso härter treffe jetzt die Absage die Branche.

2019 setzten alleine die Frankfurter Hotels durch die Gäste der Buchmesse rund 25 Millionen Euro um. Weitere 15 Millionen Euro kamen bei Restaurants und Gaststätten hinzu, noch einmal 15 Millionen bei der Tagungswirtschaft. Dieses Geld fehlt jetzt. „Über so eine Strahlkraft wie die Buchmesse verfügt keine andere Frankfurter Messe“, urteilte Singer. Weder die Automechanica noch die Sanitärmesse ISH reiche da heran. Buchmessen-Gäste seien „eine Klientel, die nicht nur einen Tag bleibt, sondern vier bis fünf Nächte“. Der Hotel-Direktor fügte hinzu: „Das hat der Hotellerie Spaß gemacht.“

Gastgewerbe

Der Hotel-und Gaststättenverband Frankfurt am Main ist seit mehr als 100 Jahren die Organisation des Beherbergungs- und Bewirtungsgewerbes. 570 Betriebe sind gegenwärtig Mitglied des Verbandes. 2019 gab es 311 Hotels in Frankfurt, die etwa 59 000 Betten anboten. Ihre Zahl wächst ständig. Im vergangenen Jahr besuchten 6,1 Millionen Menschen die Stadt Frankfurt. 304 000 Menschen besuchten die Frankfurter Buchmesse 2019.

Er gab zu, dass die Hotel-Preise während der Buchmesse „schon sehr heftig“ seien. Die Durchschnittspreise für eine Übernachtung einer Person liegen während der Buchmesse in Frankfurt nach der Statistik der Hoteliers bei 156 Euro. Die Auslastung der Hotels erreicht durch das internationale Buch- und Medien-Publikum aus mehr als 100 Ländern einen Spitzenwert von 80,6 Prozent.

Die Absage der physischen Buchmesse verschärfe die schwierige Lage der Gastronomie infolge von Corona. „Die Betriebe sind mit einem dunkelblauen Auge durch den Sommer gekommen.“ Jetzt aber, mit sinkenden Außentemperaturen, drohe der große wirtschaftliche Einbruch. „Wir rechnen damit, dass es zu einer Pleitewelle in Frankfurt kommt.“ Viele Gäste scheuten nach wie vor Innenräume. „Die Gäste bleiben weiterhin aus.“ Der Hotel- und Gaststättenverband hat deshalb bereits bei der Stadt vorgesprochen. Man wolle die Erlaubnis der Kommune erreichen, auch im kalten Winterhalbjahr Außengastronomie im großen Stil betreiben zu können. Dazu bräuchte es freilich Hilfsmittel, die aus ökologischen Gründen verpönt sind, etwa mit Gas betriebene Heizpilze,

Auch die Frankfurter Messegesellschaft leidet unter der Absage der physischen Buchmesse. Sie wird in diesem Jahr keine Miete für Hallen und Freigelände verbuchen. Wie hoch dieser Ausfall ist, wollte ein Messe-Sprecher auf Anfrage der FR nicht sagen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte versprochen, dass die Buchmesse nach einer Absage keine Miete zahlen muss.

Für die Messegesellschaft sei eine Planung aufgrund der ständig wechselnden Corona-Situation nicht möglich. Vom 10. bis 12. November versucht man wieder, eine physische Veranstaltung zu organisieren: Geplant ist auf dem Frankfurter Gelände die „Hypermotion“, eine kleine Messe für Mobilität und Logistik.

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