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Der luftige Pfad soll für eine artgerechte Haltung sensibilisieren.

Frankfurt-Ostend

Wipfelpfad am Ostbahnhof

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Ein neues Bienen-Projekt im Frankfurter Garten: Die Aktion soll für eine artgerechte Bienenhaltung sensibilisieren.

„Be(e) or Not to Be“ steht auf einem Strickbanner, das über den Danziger Platz gespannt ist. Das abgewandelte Shakespeare-Zitat ist das Erste, was den Besuchern des Frankfurter Gartens am Samstag ins Auge fällt. „Biene oder Nichtsein“ – der Spruch müsse laut Umweltdezernentin Rosemarie Heilig ernstgenommen werden. „Ohne die Bienen wären die Menschen nicht, denn ohne die Bienen gäbe es zu wenig Nahrungsmittel“, sagt sie in ihrer Rede zur Eröffnung des „Bienenbaum-Wipfelpfades“.

Das neue Projekt soll unter anderem für eine artgerechte Bienenhaltung sensibilisieren. Entwickelt und gebaut wurde die Holzkonstruktion in den Wipfeln eines Essigbaumes und einer Platane von Corina und Cher Haurová. Sie sind die Gründerinnen der Gruppe „Biene – Baum – Gut“ (BBG), die sich für einen natürlichen und nachhaltigen Umgang mit der Biene einsetzt.

Die beiden Frauen entwickelten vor sieben Jahren ein Interesse an der sogenannten Zeidlerei, einer Vorform der Imkerei, die im Mittelalter betrieben wurde. „Damals nahmen die Imker nur so viel Honig, wie sie tatsächlich benötigten und die Bienenvölker entbehren konnten“, sagt Cher Haurová. Bienen lebten in jener Zeit in ausgehöhlten Bäumen. „Das ist die gesündeste Lebensform für die Insekten. Heute werden solche Bäume abgeholzt.“ Das habe zur Folge, dass ganze Bienenvölker sterben.

560 Bienenarten habe es bis zuletzt in Deutschland gegeben. Davon seien 65 Spezies ausgestorben. Weitere 300 Arten sind vom Aussterben bedroht. Auch Imker trügen eine Mitschuld daran. „Massentierhaltung ist allgegenwärtig und wird auch beim Honiggewinn zum Problem“, sagen Corina und Cher Haurová.

„Wie viel Honig brauchen wir?“, diese Frage sollen sich Besucher des Wipfelpfades stellen. Nach dessen Eröffnung am Samstagmittag werden die Plattformen freigegeben. Über eine in einen massiven Stamm geschnitzte Holztreppe geht es hinauf in den Essigbaum. Die erste Station ist zweieinhalb Meter hoch, der zweite Hochsitz viereinhalb Meter. Die Plattformen sind über eine Hängebrücke verbunden. Auf der Brücke vernimmt man bereits das Summen der Bienen. Diese sind nicht nur im mächtigen Stamm des Baumes beheimatet. Die BBG hat Holzstämme ausgehöhlt und auf den Plattformen verteilt. Sieben Bienenvölker haben sich bereits angesiedelt.

Realisiert wurde der Pfad mit den eigenen finanziellen Mitteln der Initiatorinnen. Das Projekt ist somit nicht vom Insolvenzverfahren des Frankfurter Gartens betroffen. Die Bienenbäume sollen unabhängig von den Plänen für das Urban-Gardening-Projekt auf dem Danziger Platz bleiben. Auch von der nordmainische S-Bahn ist der Pfad laut Umweltdezernentin nicht betroffen.

Besichtigt werden kann der Baum am Wochenende, 10-17 Uhr. Mail: info@bienen-baum-gut.de.

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