+
Ortsvorsteher Christian Becker am Buchrainplatz in Oberrad.

Ortsbeirat 5 in Frankfurt

"Bildung gibt es nicht zum Nulltarif"

  • schließen

Der Vorsteher im Ortsbeirat 5 in Frankfurt über die Schulen im Süden der Stadt, die Aufwertung von Alt-Sachsenhausen und das Ärgernis Nilgans in den Gärten von Oberrad.

Herr Becker, Sie haben gefordert, die Stadt müsse die Wallschule an der Diesterwegstraße in Sachsenhausen schnell herrichten. Wie drängend ist das?
Im Süden verändert sich die Schullandschaft. Ins Gebäude der Grundschule an der Textorstraße soll die IGS-Süd einziehen. Dafür braucht die Textorschule aber ein neues Haus. Das soll die ehemalige Wallschule sein. Also muss die Stadt schnell sanieren, sonst können weder die Textorschüler, noch die IGS-Süd umziehen.

Im Frühjahr wird die Stadt die Bänke auf dem Adlhochplatz abmontieren. Was passiert, wenn es dadurch nicht leiser wird, wenn die abendlichen Partygäste ohne Bänke weiter feiern?
Das werden wir sehen. Zunächst hoffen wir, dass es ohne die Bänke abends leiser wird. Der Ortsbeirat hat entschieden, das jetzt zu versuchen. Dann werden wir beraten, ob das Ergebnis im Verhältnis steht zum Wegfall der Sitzmöglichkeiten. Wenn es tatsächlich leiser wird, können wir es mit den mobilen Sitzmöglichkeiten versuchen. Wenn es nicht leiser wird, beraten wir, was wir noch unternehmen können.

Wie steht es um Alt-Sachsenhausen? Die Stadt hat die Elisabethenstraße frisch saniert.
Das ist gut gelungen. Die Fußgänger haben mehr Platz, der Verkehr ist neu sortiert, es gibt mehr Grün. Die Elisabethenstraße ist das Tor zu Sachsenhausen. Wir hoffen, dass der Umbau positiv ins Viertel hinein wirkt.

Wie könnte die Stadt das Quartier weiter aufwerten?
Der Ortsbeirat sieht Handlungsbedarf beim Paradieshof. Wir sind mit dem Stand nicht zufrieden. Dort sollte etwas entstehen, das Alt-Sachsenhausen aufwertet.

Die Stadt verhandelt noch immer mit der European School of Design über die genauen Sanierungs- oder Mietkonditionen.
Irgendwann ist es auch gut mit Verhandeln. Es hat einen Ideenwettbewerb für die künftige Nutzung gegeben. Da ist man mit einem Angebot hinein gegangen. Warum das jetzt nicht umgesetzt wird, ist den Bürgern schwer zu vermitteln. Wenn die Designschule kein Interesse mehr hat, könnte die Stadt ja den Zweit- oder Drittplatzierten im Wettbewerb fragen, ob das Interesse noch da ist. Oder das Vorhaben neu ausschreiben. Oder den Paradieshof selbst nutzen.

Möglichkeiten gibt es genug.
Nur muss endlich was passieren. Selbst wenn die Stadt eine Entscheidung trifft, die nicht allen gefällt. Das ist wenigstens zu begründen. Dafür haben die Leute mehr Verständnis als für diese ewige Hängepartie.

Wo werden künftig die Touristenbusse parken, die das südliche Mainufer verstellen?
Die Stadt prüft verschiedene Möglichkeiten. Es kann nicht sein, dass wir für viel Geld das Mainufer sanieren und dann einen Busparkplatz daraus machen. Ich war gerade in Rom. Da fährt der Bus vor dem Vatikan vor, die Leute steigen aus und später holt sie der Bus wieder ab. Wer den verpasst, hat eben Pech. Wo die Busse in Frankfurt dann letztlich parken können, am Stadion oder anderswo, wird man sehen. Der Ortsbeirat wünscht eine Lösung, die die Bürger so wenig wie möglich belastet.

Blicken wir nach Oberrad. Die Sanierung der Offenbacher Landstraße ist abgeschlossen. Die Tram rollt wieder.
Die Linie 18 rollt nicht mehr nach Oberrad. Die vermissen die Bürger sehr. Samstags fehlt die direkte Verbindung zur Innenstadt. In ihrer Mobilität eingeschränkte Leute stehen vor Problemen. Etwa Eltern mit Kinderwagen. Am Mühlberg funktionieren Fahrstuhl und Rolltreppe so gut wie nie. Am Lokalbahnhof liegt ein weiter Weg zwischen S-Bahnstation und Tramhaltestelle. Dort umsteigen zu müssen ist kein gleichwertiger Ersatz für die frühere Linie 18.

Und das, wo es vor Ort in Oberrad immer weniger Einkaufsmöglichkeiten gibt.
Die Geschäftsleute und auch die Gärtner haben unter dem langen Umbau der Offenbacher Landstraße gelitten. Aber die Situation des Einzelhandels ist nicht erst seit dem Umbau angespannt. Im Stadtteil fehlt einfach ein großer Einkaufsmarkt, als Anker. Die kleinen Läden werden es immer schwer haben, wenn die Leute ihre Lebensmittel nicht vor Ort einkaufen können.

Der Ortsbeirat hat mehrfach gefordert, die Stadt solle auf dem Grundstück an der Ecke von Wehrstraße und Offenbacher Landstraße einen solchen Einkaufsmarkt ermöglichen.
Der erste Antrag dazu datiert aus dem Jahr 2000. Dort ist laut Plan allerdings ein Radweg vorgesehen. Der Ortsbeirat hat sich jüngst einstimmig dafür ausgesprochen, dass der Stadtteil auf den Radweg verzichten kann. Der Zweirichtungsweg an der Offenbacher Landstraße reicht. Das ist ein Kompromiss, aber die Politik lebt von Kompromissen. Von einem großen Supermarkt als Anziehungspunkt würden auch die kleinen Geschäfte profitieren.

Sie sagen, auch die Gärtner haben unter dem Umbau gelitten.
Da hat es Probleme bei der Anfahrt und Zulieferung gegeben. Das haben wir aber gut gelöst. Sorgen bereiten jetzt eher die Nilgänse. Sie futtern den Salat von den Feldern. Und da geht es nicht um ein par Blätter, die Ertragseinbußen sind existenzgefährdend. Die Gärtner leben von ihrem Anbau. Die Stadt ist dringend aufgefordert etwas zu unternehmen, damit die Population nicht überhand nimmt. Die Nilgans hat keine natürlichen Feinde, sie ist auch nicht sonderlich schreckhaft und lässt sich einfach vertreiben.

Wie geht es bei der geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Wiener Straße weiter?
Ich glaube nach wie vor, dass der Standort schlecht gewählt ist. Die Fläche ist zu klein. Die Integration der Menschen wird nicht einfach. Auch die Informationspolitik der Stadt war nicht gut. Im März hieß es noch: Dort soll nichts geschehen. Dann verkündet die Stadt, dass sie doch eine Unterkunft bauen lässt. Die Leute fühlen sich überrumpelt.

Die Stadt hat betont, dass der Bau keine demokratische Angelegenheit ist.
Wir haben dort nichts zu entscheiden. Die Wohnheim AG wird die Unterkunft bauen. Und die Oberräder werden sich bemühen, die Neuankömmlinge zu integrieren. Die Bereitschaft ist da. Wir werden auch darauf drängen, dass die Gruneliusschule größer gebaut wird, damit alle Kinder dort unterkommen. Es braucht auch mehr Betreuungsplätze für den Nachmittag.

Das gilt auch für Niederrad. Schrillen nicht alle Alarmglocken, weil der Stadtteil wächst aber der Platz an den Schulen begrenzt ist?
Was Niederrad angeht, sind wir zufrieden. Die Stadt hat in der Novembersitzung die Machbarkeitsstudie für Sanierung oder Neubau der Friedrich-Fröbel-Schule vorgestellt. Das war lange eine Hängepartie, nun geht es voran. Die Grundschule soll auch wie vom Ortsbeirat gewünscht fünfzügig werden. Auch bei der KGS Niederrad geht es weiter, die Auslagerung ans Mainfeld kommt.

Aber die Holzmodule sollen mehr kosten als gedacht.
Bildung bekommt man nicht zum Nulltarif. Die Anforderungen an Schulgebäude werden immer höher. Sie sollen barrierefrei sein, Inklusion ermöglichen. Schulen sollen neue pädagogische Konzepte anwenden. Das kostet eben.

Wie schreitet die Entwicklung des Lyoner Quartiers voran, der alten Bürostadt Niederrad? Wohnungen entstehen, aber hält die Entwicklung der Infrastruktur Schritt?
Die Entwicklung sehen wir ebenfalls positiv. Es entstehen Wohnungen, Lebensmittelmärkte werden in Gebäude integriert und kommen nicht auf die grüne Wiese. Es ziehen auch schon viele Leute hin. Deswegen wächst ja der Druck auf die Friedrich-Fröbel-Schule. Auch im Lyoner Quartier wird eine Grundschule entstehen. Die Stadt hat verschiedene Standorte dafür im Blick. Dann fehlt nur noch ein Ringbus, der die Teile von Niederrad besser miteinander verbindet. So wie wir es in Oberrad haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare