_MGL2043_010820
+
Sport und Hitze schließen sich nicht aus. Solange man genug trinkt.

Reportage

Hitze in Frankfurt: Ganz schön schwitzig in der Stadt

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
    schließen

Bis zu 35 Grad sind es am Wochenende in Frankfurt. Manche bleiben cool, andere suchen die Kälte. Andere heiraten.

Frankfurt - Romantik wie aus einer Telenovela geht auch bei 35 Grad im Schatten: Im langen Brautkleid posiert Xenia Klaffke unweit des Holbeinstegs am Frankfurter Mainufer für die Erinnerungsfotos. Ihre Freundinnen halten die Blitzanlage, ein Freund fotografiert, es sieht fast aus wie ein Modeshooting für die „Vogue“. „Es ist sehr schwitzig“, sagt ihr frisch angetrauter Ehemann Goran Klaffke, der den Nachnamen seiner Frau angenommen hat, am Freitagmittag. Der 27-Jährige trägt Sakko und Hosenträger. Seine 23-jährige Braut ergänzt: „Ja, schwitzig, aber trotzdem sehr schön.“ Dann küssen sie sich. Gerade erst haben sie im Palmengarten geheiratet. „Wir wollen gleich noch rüber auf die Sachsenhäuser Seite für Hochzeitsbilder mit Skylineblick“, sagt Goran Klaffke. Schwitzig hin oder her.

Frankfurt - Bewohnerinnen und Bewohner trotzen der Hitze

Überhaupt scheinen manche Menschen, auch ohne romantischen Anlass, sehr hitzeresistent zu sein. Zwei Mädels knallen sich im Bikini in der Mittagssonne auf die Wiese am Mainufer. Ein paar junge Männer laufen trotz prallem Sonnenschein im schwarzen Jogginganzug am Willy-Brandt-Platz vorbei. Hauptsache, der Coolnessfaktor bleibt. Auch ein paar Radfahrer denken erst gar nicht daran, ihre dicke Jacke auszuziehen. Eisenbahn-Reiner, Frankfurts bekanntester Obdachloser, sitzt mit dicker schwarzer Jacke unweit der Liebfrauenkirche mit seinen Freunden auf Klappstühlen. „Ich bin eben erst gekommen, ich ziehe mal die Jacke aus. Aber die Hitze macht mir nicht so viel aus. Ich bleibe im Schatten, ich trinke viel Wasser. Am Samstag soll es ja noch heißer werden.“

Wenige Meter weiter hält Clara (24) ihre Handgelenke unter einen tröpfelnden Brunnen im Innenhof der Liebfrauenkirche. Ihren vollen Namen will sie lieber nicht nennen. Sie wohne in der Nähe und sei zufällig vorbeigekommen. „Jetzt bin ich aber doch länger geblieben, weil es so schön kühl ist.“ Und die Architekturstudentin weiß auch, warum. „Das liegt am roten Sandstein, aus dem Teile der Kirche gebaut sind“, sagt sie.

Glückliches Hochzeitspaar trotz Hitze Xenia und Goran Klaffke.

Eine 52-jährige Frankfurterin sitzt derweil mit ihrer Nichte als eine der wenigen in der prallen Sonne auf dem Opernplatz: „Ich liebe die Hitze, ich bin Kroatin und Köchin. Ich bin Hitze gewohnt“, sagt sie und lacht. Ähnlich geht es dem Grillwürstchenverkäufer, der sich als Josef vorstellt und mit seinem Kollegen hinter einer Plastikscheibe auf dem Markt in der Schillerstraße grillt. In ihrem Büdchen sei es so oder so immer heiß. Die Außentemperatur sei da fast schon egal. „Mir zwei müsse uns keine warme Gedanken mehr mache“, sagt er, lacht und grillt im langen Hemd weiter. Weniger Spaß bei der Arbeit hat eine Mitarbeiterin des Maincafés, die mit Mund-Nase-Schutz draußen die Getränkekisten ausräumt. „Mit Maske bei der Hitze und in der Sonne zu arbeiten ist schrecklich“, sagt sie.

Angenehmere Arbeitsbedingungen hat ein Gärtner auf dem Hauptfriedhof. Die vielen großen Bäume werfen Schatten, durch die nur vereinzelt ein Sonnenstrahl kommt. „Wir haben Kollegen, die müssen heute auf dem Grünstreifen arbeiten. Hier ist es auf jeden Fall besser“, sagt der Gärtner.

Auf dem Hauptfriedhof ist es angenehm kühl. Eine Frau in Sommerkleid und mit Strohhut auf dem Kopf schiebt ihr Fahrrad auf einem der vielen verwinkelten Wege. Der Gärtner sagt: „Die Leute kommen viel her und setzen sich auf eine Bank.“ Seine Kollegin ergänzt: „Viele setzen sich auch auf die Wiese beim Sandsteinmausoleum, manche picknicken sogar.“

„Ich liebe die Hitze“, betont Antje Kiel, die Münsteranerin besucht ihre Tochter in Frankfurt. Kiel ist mit dem Klapprad und einer Wasserflasche unterwegs. „Ich bin zum vierten Mal in Frankfurt, aber es gibt hier immer etwas Neues zu entdecken. Und ich finde es toll, dass man in Frankfurt sogar in der Fußgängerzone mit dem Rad fahren kann. Das geht in Münster, der Fahrradstadt, nicht.“ Radfahren sei ohnehin das Beste an so heißen Tagen. Ihr Mann und ihr Sohn seien an den Flughafen geradelt. „Sie wollen Flugzeuge gucken. Das ist nicht mein Ding.“

Ein bisschen Chillen im Halbschatten auf der Liege am Roßmarkt.

Ihre halbstündige Mittagspause verbringt eine 42-jährige Frankfurterin auf einer Bank im Schatten der Freßgass. „Für mich war dieser Sommer in Frankfurt bislang der schönste. Bis 25 Grad ist es gemütlich. Alles darüber vertrage ich nicht gut.“ Die Spanierin trägt lange schwarze Jeans, aber sie arbeite auch in einem klimatisierten Café in der Nähe. Überhaupt meiden die meisten Leute, ob nun in der Freßgass oder am Roßmarkt, die direkte Sonne, sie suchen sich die Schattenplätze zum Essen und Kaffeetrinken.

In einem dieser „grünen Zimmer“, die am Roßmarkt aufgestellt sind, sitzt unter den Pflanzen auf der Bank die 30-jährige Amelie. „Das ist schon ganz erträglich hier, aber ich würde mir wünschen, dass diese grünen Zimmer mehr gepflegt werden. Sie sind leider sehr dreckig.“ Im Einkaufszentrum My Zeil ist so viel los wie immer. Viele Menschen verlassen den Supermarkt im Untergeschoss mit Wasserflaschen oder gekühlten Früchtebechern. Eine Frau fächert sich Luft zu. „Es ist schon angenehmer, mit Klimatisierung einzukaufen – auf jeden Fall“, sagt Saskia (19). Ihre Freundin Fabienne (18) kühlt sich mit einem Smoothie ab.

Derweil sitzt Dyane Mohr an der Straßenbahnstation an der Konstablerwache und wartet auf ihre Verbindung. „Ich saß eben in der Straßenbahnlinie 18, die ist normalerweise klimatisiert, aber ab 30 Grad fällt die Anlage immer aus. Das ist dann schon unerträglich warm“, so Mohr. In Miami sei sie aufgewachsen. „Dort ist die Hitze aber wegen des Meeres viel erträglicher als in Frankfurt“, sagt sie. Die Psychologin erzählt, dass sie jetzt in Corona-Zeiten ihre Patienten zu Hause besuche, aber immer draußen, etwa im Garten. „Aber heute habe ich gesagt, dass um 13 Uhr Schluss ist. Es ist einfach viel zu heiß für Therapiegespräche.“

Dieser Artikel entstand zusammen mit Hanna Festerling.

Kommentare