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In seiner Wohnung am Römerberg ist Tom Koenigs seltener zu finden als früher.

Grüne

Frankfurt: Tom Koenigs wird 75

Der Grüne Tom Koenigs, ein Kämpfer für Menschenrechte, hat nicht nur in Frankfurt Spuren hinterlassen.

Den Blick aus seiner Wohnung auf den Römerberg genießt er noch immer. Am besten zu dieser Jahreszeit mit einer heißen Tasse Tee und natürlich der geliebten Zeitung. Aber schon der Stapel von ungelesenen Ausgaben der Frankfurter Rundschau zeigt, dass Tom Koenigs nicht mehr so oft in seiner alten Heimatstadt weilt wie früher. Viel Zeit verbringt er auch in Berlin bei seiner Lebensgefährtin. Dennoch: Der frühere Stadtkämmerer und langjährige Umweltdezernent ist weiter Mitglied des Frankfurter Kreisverbands der Grünen – und sieht sich auch nach wie vor als Frankfurter.

Am heutigen Freitag feiert der ehemalige Bundestagsabgeordnete und UN-Diplomat seinen 75. Geburtstag. Ist er also politischer Pensionär? Da lacht er nur leise. Und zitiert den Titel, den er immer noch führt: „Beauftragter des Bundesministers des Auswärtigen zur Unterstützung des Friedensprozesses in Kolumbien“. Passt gerade noch so auf seine Visitenkarte.

In Kolumbien war er 2016 stark beteiligt am Zustandekommen des Friedensabkommens zwischen den Farc-Rebellen und der Regierung – nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs. Doch die Umsetzung des Vertrags stockt. „Es sieht gerade nicht so gut aus“, sagt Koenigs knapp. Mehr nicht. Er war noch nie ein Mann, der sich Illusionen gemacht hat.

Bald wird er mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wieder nach Kolumbien fliegen, um dem Friedensprozess neue Impulse zu geben. Kolumbien ist seit Jahrzehnten so etwas wie seine zweite Heimat. Einer seiner Söhne ist dort geboren. Als junger Mann hat er den von dort stammenden Schriftsteller Gabriel Garcia Marquez übersetzt.

Aber gerade ist er im Aufbruch zum Kilimandscharo. „Auf den Spuren von Hemingway“, sagt er und lacht. Das ist ein Wunsch, den er sich zum Geburtstag erfüllt. Hemingway schätzt er noch immer. „Schnee auf dem Kilimandscharo“: Zuerst 1936 veröffentlicht, die Geschichte von Harry, der an diesem afrikanischen Berg langsam an Wundbrand stirbt und dabei sein Leben Revue passieren lässt.

Eine Story so recht nach dem Herzen von Koenigs, der ein durchaus melancholischer Mensch ist. Der es aber auch versteht, diese Melancholie in gut inszenierte Auftritte einzubringen.

In Frankfurt gehörte er in den frühen 70er Jahren gemeinsam mit Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit der Gruppe „Revolutionärer Kampf“ an, die versuchte, die Revolte in die Betriebe zu tragen. Vergebens. Koenigs arbeitete anderthalb Jahre als Schweißer bei Opel, zwischendurch prügelte er sich beim Häuserkampf im Westend mit Polizisten. Darauf ist er nach wie vor stolz. Koenigs war Teil der Aufbaugeneration der Grünen, stand an der Seite von Fischer, als der 1985 Umweltminister in Hessen wurde. 1989 ging er dann in der ersten rot-grünen Koalition in Frankfurt den politischen Aufbruch an. Noch heute nennt Koenigs das seine glücklichste Zeit. In seinen zehn Jahren als Umweltdezernent stieß er vieles an, das blieb: den Grüngürtel, die Öffnung der Mainufer. Auf seiner Fensterbank hockt noch immer das Grüngürteltier.

Als Stadtkämmerer in den Jahren 1993 bis 1997 startete er durchaus umstrittene Aktionen: etwa den Verkauf vieler Filetgrundstücke der Stadt, um eine Milliarde Mark für den notleidenden Haushalt zu mobilisieren.

Als Politiker konnte Koenigs von schneidender Schärfe sein – das bekamen etwa seine Gegner bei den Grünen, die Radikalökologen um Jutta Ditfurth, zu spüren. Als UN-Diplomat arbeitete der Grüne an absoluten Brennpunkten, als Sonderbeauftragter im Kosovo, in Guatemala, in Afghanistan. Im Bundestag war er Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte.

In seiner Wohnung ist er von Erinnerungsstücken umgeben. Dazu gehört auch dieser undefinierbare graubraune Haufen im Bücherregal. „Elefantenscheiße“, klärt der Grüne auf. Hat er seinem Sohn aus Afrika mitgebracht.

Tom Koenigs: Der Grüngürtel gehört zu seinem Erbe in der Stadt

Gerade hat er bei den Vereinten Nationen in New York gesprochen, „um mich und das Thema Menschenrechte wichtig zu machen“. Wieder das selbstironische Lachen. Er freut sich auf das Humboldt-Jahr 2019 zum 250. Geburtstag des großen Naturforschers. Und natürlich auf die Leipziger Frühjahrsbuchmesse, die er seit vielen Jahren besucht.

Der Humanist Tom Koenigs ist stolz darauf, dass in Frankfurt die rechtspopulistische AfD kaum eine Rolle spielt. Und er bleibt Optimist, was die Entwicklung der Menschenrechte angeht, trotz mancher Rückschläge und trotz des aktuellen US-Präsidenten.

Den Blick aus seiner Wohnung auf den Römerberg genießt er noch immer. Am besten zu dieser Jahreszeit mit einer heißen Tasse Tee und natürlich der geliebten Zeitung. Aber schon der Stapel von ungelesenen Ausgaben der „Frankfurter Rundschau“ zeigt, dass Tom Koenigs nicht mehr so oft in seiner alten Heimatstadt weilt wie früher. Viel Zeit verbringt er auch in Berlin bei seiner Lebensgefährtin. Dennoch: Der frühere Stadtkämmerer und langjährige Umweltdezernent ist weiter Mitglied des Frankfurter Kreisverbandes der Grünen – und er sieht sich auch weiter als Frankfurter.

Am heutigen Freitag feiert der ehemalige Bundestagsabgeordnete und UN-Diplomat seinen 75. Geburtstag. Ist er also politischer Pensionär? Da lacht er nur leise. Und zitiert den Titel, den er immer noch führt: „Beauftragter des Bundesministers des Auswärtigen zur Unterstützung des Friedensprotesses in Kolumbien“. Passt gerade noch so auf seine Visitenkarte. In Kolumbien war er 2016 stark beteiligt am Zustandekommen des Friedensabkommens zwischen den FARC-Rebellen und der Regierung – nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges. Doch die Umsetzung des Vertrages stockt. „Es sieht gerade nicht so gut aus“, sagt Koenigs knapp. Mehr nicht. Er war noch nie ein Mann, der sich Illusionen gemacht hat.

Bald wird er mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wieder nach Kolumbien fliegen, um dem Friedensprozess neue Impulse zu geben. Kolumbien ist seit Jahrzehnten so etwas wie seine zweite Heimat. Einer seiner Söhne ist dort geboren. Als junger Mann hat er den von dort stammenden Schriftsteller Gabriel Garcia Marquez übersetzt.

Aber gerade ist er im Aufbruch zum Kilimandscharo. „Auf den Spuren von Hemingway“, lacht er. Das ist ein Wunsch, den er sich zum Geburtstag erfüllt. Hemingway schätzt er noch immer. „Schnee auf dem Kilimandscharo“: Zuerst 1936 veröffentlicht, die Geschichte von Harry, der an diesem afrikanischen Berg langsam an Wundbrand stirbt und dabei sein Leben Revue passieren lässt.

Eine Story so recht nach dem Herzen von Koenigs, der ein durchaus melancholischer Mensch ist. Es aber auch versteht, diese Melancholie in gut inszenierte Auftritte einzubringen.

In Frankfurt gehörte er in den frühen 70er Jahren gemeinsam mit Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit der Gruppe „Revolutionärer Kampf“ an, die versuchte, die Revolte in die Betriebe zu tragen. Vergebens. Koenigs arbeitete anderthalb Jahre als Schweißer bei Opel, zwischendurch prügelte er sich beim Häuserkampf im Westend mit Polizisten. Darauf ist noch heute stolz.

Er war Teil der Aufbaugeneration der Grünen, stand an der Seite von Fischer, als der 1985 Umweltminister in Hessen wurde. 1989 ging er dann in der ersten rot-grünen Koalition in Frankfurt den politischen Aufbruch an. Noch heute nennt das Koenigs seine glücklichste Zeit. In seinen zehn Jahren als Umweltdezernent stieß er vieles an, das blieb: Den Grüngürtel, die Öffnung der Mainufer. Auf seiner Fensterbank hockt noch immer das Grüngürteltier. Als Stadtkämmerer von 1993 bis 1997 startete er durchaus umstrittene Aktionen: Etwa den Verkauf vieler Filet-Grundstücke der Stadt, um eine Milliarde Mark für den notleidenden Haushalt zu mobilisieren.

Als Politiker konnte Koenigs von schneidender Schärfe sein – das bekamen etwa seine Gegner bei den Grünen, die Radikalökologen um Jutta Ditfurth, zu spüren. Als UN-Diplomat arbeitete der Grüne an absoluten Brennpunkten, als Sonderbeauftragter im Kosovo, in Guatemala, in Afghanistan. Im Bundestag war er Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte.

In seiner Wohnung ist er von Erinnerungsstücken umgeben. Dazu gehört auch dieser undefinierbare grau-braune Haufen im Bücherregal. „Elefantenscheiße“, klärt der Grüne auf. Hat er seinem Sohn aus Afrika mitgebracht.

Gerade hat er bei den Vereinten Nationen in New York gesprochen, „um mich und das Thema Menschenrechte wichtig zu machen“. Wieder das selbstironische Lachen. Er freut sich auf das Humboldt-Jahr 2019 zum 250. Geburtstag des großen Naturforschers. Und natürlich auf die Leipziger Frühjahrsbuchmesse, die er seit vielen Jahren besucht.

Der Humanist Tom Koenigs ist stolz darauf, dass in Frankfurt die rechtspopulistische AfD kaum eine Rolle spielt. Und er bleibt Optimist, was die Entwicklung der Menschenrechte angeht, trotz mancher Rückschläge und trotz des aktuellen US-Präsidenten.

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