Frankfurt

Games Academy verlässt Frankfurt

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Thomas Dlugaiczyk, Rektor der Privatschule für Spieleentwickler kritisiert den Standort Hessen.

Im Jahr 2007 kam die Games Academy mit großen Ambitionen nach Frankfurt. Sie wurde von der hiesigen Wirtschaftsförderung unterstützt, die Computerspielbranche in der Stadt sollte gestärkt und die Spieleentwickler von morgen ausgebildet werden. Doch jetzt zieht sich die Games Academy aus Frankfurt zurück, sogar Hessen selbst als Standort wird hinterfragt. Der Rückhalt aus der Politik fehle, sagt Gründer und Rektor Thomas Dlugaiczyk.

„Wir haben bis heute keine staatliche Anerkennung in Hessen bekommen“, beklagt der 56-Jährige. Ohne die staatliche Anerkennung als Ergänzungsschule bekommen die Studierenden an der Academy kein Bafög. Dadurch wird eine Ausbildung an der Privatschule zu einer teuren Angelegenheit.

Die Games Academy ist eine private Bildungseinrichtung, die speziell für die Computerspielbranche ausbildet. Hauptsitz ist Berlin, Frankfurt ist ein zweiter Standort. Aktuell gibt es dort noch 60 Auszubildende.

Dlugaiczyk ärgert sich vor allem, dass am Hauptsitz Berlin die staatliche Anerkennung geklappt habe. In Hessen hingegen versuche er schon seit 2009 eine Anerkennung zu erhalten – erfolglos. „Das bedeutet einen großen Nachteil für uns.“

Hätte er das bereits 2007 gewusst, wäre die Games Academy sehr wahrscheinlich nie nach Frankfurt gekommen. „In Hessen gibt es keine Grundstimmung für Games“, sagt Dlugaiczyk. Nur einzelne Politiker und Player seien empfänglich für das Thema. Das sei ganz anders beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, Berlin oder München. Auch Frankfurt sei offen für Spiele und es gebe ein große Industrie mit Entwicklerstudios wie Crytek, Deck 13 oder Keen Games.

Der Rektor macht dem Land trotzdem keinen Vorwurf. „Es gibt bestimmt gute Gründe, warum wir die Anerkennung nicht bekommen. Deswegen habe ich auch keine große Hoffnung, dass es nun plötzlich noch klappt.“ Das bedeute aber auch, dass der auslaufende Mietvertrag für den Standort in der Hanauer Landstraße nicht verlängert werde, auch weil die Miete nun deutlich teurer geworden sei. Zum Ende des Sommersemesters 2020 sei Schluss. Einen neuen Standort hat Dlugaiczyk noch nicht ins Auge gefasst. Einen neuen Platz zu finden, dauere lange. Deswegen werde man sich zunächst verkleinern und nur an den anderen Standorten weitermachen.

Nur warme Worte

Dass die Games Academy Hessen ganz den Rücken kehrt, ist wahrscheinlich. „Wenn wir eh einmal ausziehen, dann werden wir wohl auch aus Hessen weggehen.“ Das Bundesland sei wegen der angesprochenen Probleme kein „so doller Standort“. Über die Jahre habe es in Frankfurt rund 350 Absolventen gegeben. Die seien heute überall zu finden, auch in der IT-Branche abseits von Computerspielen. Am Standort Frankfurt gibt es vier verschiedene Ausbildungen: Spieledesign, Digitale Kunst, Spieleprogrammierung und Spieleproduktion.

Der digital- und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Tobias Eckert kritisierte die Politik von Schwarz-Grün. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) betone zwar immer, wie wichtig die innovativen Branchen wie die Gamesentwickler in Hessen seien, „wenn es aber darum geht, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Unternehmen weiterentwickeln können, hat er seine warmen Worte wieder vergessen oder kann sich gegen seine Kabinettskollegen nicht durchsetzen“.

Auch Kultusminister Alexander Lorz scheine die Bedeutung der Games Academy nicht zu kennen, wenn er zulasse, dass die staatliche Anerkennung nicht schneller vollzogen werde.

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