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Der Unmut der Mieter ist groß: Die Infoveranstaltung im Begegnungszentrums ist bis zum letzten Platz gefüllt.

Gallus

Gallus: Vonovia will nachbessern

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Bei einer Infoveranstaltung verspricht die Wohnungsbaugesellschaft, Mängel zu beheben und mehr zu kommunizieren. Die Mieter sind jedoch skeptisch, dass die Versprechen umgesetzt werden.

Immerhin: Die Vonovia verspricht, künftig alle von Mietern gemeldeten Mängel aufzunehmen und sie schnell zu beheben. Das größte Problem sei allerdings, Handwerker zu finden, „das hemmt uns bei der Abarbeitung“, sagt Ulrich Keil, Regionalleiter der Wohnungsbaugesellschaft. Auch bei der Hotline gebe es noch Verbesserungspotenzial, räumt er ein.

Die Mieter der Häuser an der Knorrstraße und der Wallauer Straße bleiben skeptisch, sie fühlen sich seit Jahren vertröstet und hingehalten. „Das ist das Problem mit der Vonovia, dass sie ihre Versprechen nicht hält“, sagt eine Mieterin bei der Sondersitzung im Begegnungszentrum Gallus in der Frankenallee am Donnerstag. Der Ortsbeirat 1 hat eingeladen. Dass der Unmut der Mieter groß ist, lässt sich nicht überhören und übersehen, der Saal ist voll, nicht jeder findet einen Sitzplatz. Ein Banner, auf dem in großen Buchstaben „enteignen“ steht wird ausgerollt, auch ein Plakat mit dem Slogan „Stadt für alle“.

Seit Jahren klagen die Mieter über unzumutbare Zustände in ihren Wohnungen, über laute Bauarbeiten und Mieterhöhungen wegen Modernisierung, die viele nicht wollen. Das Unternehmen stockt auf, wandelt Dachböden zu teuren Wohnungen um, auf Grünflächen wurde nachverdichtet. Die Beschwerden reißen auch in der Versammlung nicht ab. „Im Winter hatte ich sechs Wochen weder Heizung noch heißes Wasser“, erzählt ein aufgebrachter Mieter. Ein anderer klagt: Seit zwei Jahren lebe er mit Schimmel und Mäusen, die Hotline nehme seine Probleme nicht ernst, klagt ein anderer.

Zahlreiche Mieter berichten von langen Wartezeiten, wenn sie Mängel meldeten. Von E-Mails die ins Leere liefen und Ansprechpartnern, die nicht erreichbar seien. Anwältin Verena Wasse vertritt rund 40 Mieter. „Die Hotline ist total überlastet“, sagt auch sie. Besagter Schimmel sei erst nach dem Einbau der neuen Fenster und Wintergärten aufgetreten. Die Handwerker der Vonovia hätten einfach drübergestrichen. Vonovia sollte lieber zuverlässige Arbeiter engagieren, statt teure Aufzüge einzubauen, schlägt sie vor.

Mieter Roberto Stojanoski kritisiert ebenfalls den Bau der Aufzüge, die im Zwischengeschoss halten und so nur den neuen Bewohnern der aufgestockten Wohnungen etwas nutzten. Kolja Müller, vom Planungsdezernat sagt, die Aufzüge seien zulässig, aber man sehe sie als negativen Präzedenzfall. Und werde solche, die nicht barrierefrei sind, künftig nicht mehr genehmigen. Er findet auch, dass die aufgestockten Wohnungen recht groß geworden seien. Warum nicht Sozialwohnungen gebaut worden seien, will Mieter Michael Martis wissen. Die Stadt habe nicht die Handhabe, das zu erzwingen, sagt Müller.

Handwerker einstellen

Ortsbeirat und Stadt ermutigten die Bewohner, sich bei der Stabstelle Mieterschutz zu melden. Leiter Kai Schönbach ist vor Ort. Für Handwerker habe die Vonovia doch einen Eigenbetrieb, sagt er. „Stellen Sie mehr Leute ein, dann werden Mängel schneller bearbeitet.“ Er schlägt zudem vor, wieder Regionalbüros einzuführen. Die Zentralisierung in Bochum sei eine Katastrophe. „Sie müssen dringend an ihrer Mieterkommunikation arbeiten.“

Die Angst vor Mieterhöhungen bleibt. Regionalleiter Keil versucht zu beruhigen. „Bis auf einem Haus haben wir keine Erhöhung rausgeschickt.“ Rund 40 Mieter müssten etwa 120 Euro mehr zahlen. Ob es Minderung wegen der Bauarbeiten gebe, wollen viele wissen. Die Belästigungen seien so unterschiedlich, jeder muss individuell Forderungen stellen, sagt Keil. Zu solchen Fragen will Vonovia die Sprechstunde in der Knorrstraße wieder einführen, mittwochs von 16 und 17 Uhr.

Die Sprechstunde sei nur für die Mieter der Neubauten, merkt Martis an. Er habe wenig Hoffnung auf Veränderung, sagt er nach der Veranstaltung. Und sieht System im Vorgehen der Vonovia. „Die Mieter sollen zermürbt werden, damit sie ausziehen und teuerer vermietet werden kann.“

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