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Als Schutzmann vor Ort schaut Tarik Chaikhoun auch, dass die Menschen eine Schutzmaske tragen. Für das Foto hat er seine kurz abgenommen.
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Als Schutzmann vor Ort schaut Tarik Chaikhoun auch, dass die Menschen eine Schutzmaske tragen. Für das Foto hat er seine kurz abgenommen.

Gutleut/Gallus

Wissen, wo der Schuh drückt

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Tarik Chaikhoun ist der neue Schutzmann vor Ort im 4. Polizeirevier. Wegen der Corona-Pandemie kann er derzeit keine Sprechstunden anbieten. Das soll sich aber bald ändern.

Allmorgendlich das gleiche Spiel: Eltern, die ihre Kinder direkt bis zur Schule fahren, die mit ihren Autos unmittelbar vor dem Tor anhalten oder nahe Zebrastreifen zustellen. Die Situation an der Europaschule beobachtet Tarik Chaikhoun schon länger. Er kann es nachvollziehen, „viele haben keine Zeit und sind im Stress“. Doch entstünden so mitunter gefährliche Situationen für andere Mädchen und Jungen auf ihrem Schulweg.

Mehrfach ist Chaikhoun deshalb bereits morgens zur Schule gefahren, hat das Gespräch mit Müttern und Vätern gesucht, hat zusammen mit dem Schulelternbeirat ein Schreiben in Sachen „Elterntaxi“ aufgesetzt. Wirklich gelöst habe sich das Problem nicht, sagt der Polizeioberkommissar. Doch das ist okay für ihn, er könne nicht eine Lösung für alles haben. In seiner Arbeit als Schutzmann vor Ort muss er mit anderen kooperieren.

Sprechstunden

Tarik Chaikhoun ist während der Corona-Krise vor allem per E-Mail und Telefon erreichbar. Möglich sind auch Online-Bürgersprechstunden nach einer vorherigen Absprache. Der Schutzmann vor Ort hat seinen Sitz im 4. Polizeirevier in der Gutleutstraße 112: Telefon 75 51 04 57, E-Mail an d104-svo.ppffm@polizei.hessen.de.

Offene Sprechstunden soll es nach der Pandemie wieder geben: im Nachbarschaftsbüro Gutleut in der Speicherstraße 20 und im Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Mainzer Landstraße 293, im Gallus. bos

Seit Ende Oktober ist Tarik Chaikhoun aus dem 4. Revier an der Gutleutstraße Schutzmann vor Ort für Gallus und Gutleut. Nur der Hauptbahnhof gehört nicht dazu. Derzeit sei er viel damit beschäftigt, ein Netzwerk aufzubauen. Er kontaktiere Vereine, den Ortsbeirat und Nachbarschaftszentren, hat sich bei den Moscheen und Kirchengemeinden vorgestellt – und verteilt Flyer mit seinen Kontaktdaten. Über Sprechstunden will er direkt mit den Bürger:innen kommunizieren. Wegen Corona ist das momentan nicht möglich. Er hofft, dass sich das demnächst wieder ändert.

Derzeit ist Chaikhoun ständig in den beiden Stadtteilen unterwegs, oft zu Fuß, mitunter mit einem Kollegen oder eine Kollegin im Streifenwagen. Nur im Revier zu sitzen und zu warten, dass sich jemand bei ihm meldet, sei nicht sein Ding. „Ich will wissen, wo der Schuh drückt,“ will den Puls der Zeit spüren.

In der Speicherstraße im Gutleut etwa habe es vor kurzem Beschwerden gegeben, dass sich dort Obdachlose aufhielten; Mieter und Eigentümer hätten sich gestört gefühlt. „Das gehört zum Bild von Frankfurt dazu“, habe er erklärt. Nur weil es nicht allen gefalle, könne er nicht einfach einen Platzverweis aussprechen. Nicht jeder habe dafür Verständnis gehabt.

Klagen gab es auch am Schönplatz, wegen Dreck, Lärm und Wohnsitzlosen, die dort übernachteten. Chaikhoun sorgte für mehr Kontrollen und suchte mit dem Kioskbetreiber das Gespräch. Dieser schaue jetzt, dass die Mülltonnen nicht überquellen und spricht Jugendliche an, dass dieser weniger laut sind. Mehrfach habe er Berufstätigen erklären müssen, dass diese nicht ihr Mittagessen unmittelbar am Spielplatz essen. Inzwischen sei es am Schönplatz sauber.

Geboren ist Chaikhoun 1984 im Gallus. Kurze Zeit später zog seine Familie nach Bonames. Im Ben-Gurion-Ring ist er groß geworden, erzählt er, besuchte dort die Schule und machte Abitur. Damals habe er Ellenbogen bekommen, sagt er. Mehrfach habe er sich schlagen müssen. In den 90ern „dort aufzuwachsen, ist anders als im Nordend“.

Schon damals sei es sein Herzenswunsch gewesen, Polizist zu werden. Wenn er Unrecht gesehen habe, habe er dagegen vorgehen wollen. Das gehe ihm immer noch so, „und ich lebe es vor“.

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