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Bald muss Eger, hier im selbstdesigntem Schlafsack-Mantel, den Turm verlassen.

Obdachlose

Frankfurt: Wasserturm wird geräumt

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Designer Radames Eger scheitert mit seinem Versuch, Obdachlose zu beherbergen. 

Eigentlich wollte er für Freitag groß einladen. Doch nun ist Radames Eger nicht mehr nach feiern zumute. Außerdem habe er zu viel zu tun, schließlich gibt es eine Menge zusammenzupacken, sagt der Designer, während er einen Rollkoffer packt. Denn Eger muss ausziehen, raus aus dem alten Wasserturm, den er besetzt hatte, um auf das Leid von Obdachlosen im Winter aufmerksam zu machen (wir berichteten). Gleichzeitig beherbergte er einige von ihnen in den alten Gemäuern. Bis Montag muss er den Turm nun räumen. „Ich werde freiwillig gehen und keinen Widerstand leisten“, erklärt der 35-Jährige. Das Grünflächenamt, das den Turm verwaltet, hatte ihm die Frist gesetzt.

Im Inneren des Turms hat Eger ebenfalls begonnen, zusammenzupacken, noch hängt eine Hängematte im Erdgeschoss, daneben steht ein provisorischer Tisch, die Wände sind voller Graffiti. Am Montag ab 8 Uhr will er eine kleine Demo vor dem Turm, der zwischen Schienen und einer Großbaustelle an der Europaallee liegt, veranstalten. Vielleicht einen Beamer aufstellen und Fotos daran werfen, und zeigt auf die verwitterte Fassade.

Er sei schon traurig, sagt der gebürtige Brasilianer. „Vor allem für die Menschen.“ Er meint die sechs Obdachlosen, die im Moment mit ihm den Turm bewohnen. Noch habe er ihnen nicht mitgeteilt, dass sie sich nach dem Wochenende eine neue Bleibe suchen müssen. Am Freitag wolle er mit ihnen essen und die Nachricht unterbreiten. Dass die Stadt genügend Möglichkeiten für Menschen auf der Straße anbiete, streite er nicht ab. Doch für einige seien die Unterkünfte nicht das Richtige. In seinem Turm gebe es nicht nur Schutz von Kälte. Man rede, spiele.

Zwei Monate hat er den Turm nun als Atelier genutzt, aber nur drei Wochen davon öffentlich. Gerne wäre er den Winter über geblieben. Doch das Grünflächenamt hält das Bauwerk für nicht geeignet, Strom, Wasser, Toiletten, all das fehle. „Ich finde es schade, dass der Turm leersteht.“ Gerne würde Eger dort dauerhaft einen Zufluchtsort einrichten.

Trotz allem glaubt der Designer, dass seine Aktion erfolgreich war. Sie habe vielen noch mal die Situation der Obdachlosen vor Augen geführt. „Vielleicht schauen die Leute nun nicht mehr weg.“ Auch im Internet trifft Egers Aktion auf breite Zustimmung. „Gäbe es mehr Leute wie ihn, die Welt wäre ein besserer Ort“, schreibt einer. „Eger ist schon eine coole Socke. Unterstützenswert“, ein anderer.

Die Presse habe berichtet und Menschen sind am Turm vorbeigekommen und haben Geschenke für die Obdachlosen gebracht, berichtet Eger, der selbst eine Zeitlang in Berlin auf der Straße lebte. Der Veranstaltungs- und Kulturraum Horst habe ihm ein Generator und ein Dixiklo gespendet, eine Gewerkschaft 500 Euro.

Das Klo brauche er nun nicht mehr. Die Regenschirme, die Eger vor dem Turm aufgestellt hat und an Obdachlose erinnern sollen, die auf der Straße gestorben sind, stehen noch da. Die will er am Montag als Letztes verpacken.

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