Es ist nicht die erste Hilfsaktion, die der gebürtige Brasilianer für Obdachlose startet. Aus gespendeten und gefundenen Regenschirmen nähte er Schlafsäcke und entwarf Kleidung.

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Wasserturm in Frankfurt für Obdachlose besetzt

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Der Designer Radames Eger bietet Obdachlosen im besetzten Turm eine Notunterkunft für den Winter an. 

Zwischen S-Bahntrasse und Baustellen an der Europaallee erhebt sich der alte Wasserturm. Scheiben sind eingefallen, Putz ist abgeblättert, er sieht verlassen aus. Doch das täuscht. Designer Radames Eger hat den Turm besetzt und bietet Obdachlosen einen „Zufluchtsort“ an. Im Moment seien vier von ihnen bei ihm untergebracht, erzählt der Frankfurter. Auf ein Schild, das hinter einem Bauzaun steht, hat Eger geschrieben: „Damit niemand auf unseren Straßen sterben muss.“ Vor dem alten Gebäude von 1911, das der Stadt gehört, hat er Regenschirme aufgespannt. Jeder Schirm symbolisiere einen toten Obdachlosen.

„Ich möchte mit der Aktion auf ihr Schicksal und ihr Leid im Winter aufmerksam machen“, sagt der 35-Jährige. Einige Menschen hätten unweit des Turms auf Matratzen unter der Emser Brücke übernachtet, die habe er eingeladen. Anderen habe er die Adresse beschrieben. Denn viele scheuten die Notunterkünfte aus Angst vor Übergriffen.

Dass es zu Konflikten kommen kann sei nicht ungewöhnlich, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats. In der Notunterkunft im Ostpark seien darum etwa immer zwei Ansprechpartner die ganze Nacht vor Ort. Die Angebote der Stadt seien gut ausgelastet, aber man finde für jeden ein Dach über den Kopf, auch kurzfristig. Gestern Nacht habe man 240 Personen gezählt, 152 nächtigten in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor, die im Winter Platz bietet, der Rest war draußen. „Der Kältebus ist die ganze Nacht unterwegs, wer nicht mitkommen mag, bekommt einen Schlafsack und warme Getränke“, so Skotnik.

Eger hält in seinem Turm ebenfalls Decken, Essen und Kleidung für die Obdachlosen bereit. Strom gebe es nicht, aber es sei immerhin wärmer als draußen. Es ist nicht die erste Hilfsaktion, die der gebürtige Brasilianer für Obdachlose startet. Aus gespendeten und gefundenen Regenschirmen nähte er Schlafsäcke und entwarf Kleidung.

Stadt: Turm für Unterbringung von Menschen nicht geeignet

Die Idee, den alten Turm wieder zu nutzen, ist nicht neu. Vergangenes Jahr wollte Jürgen Aha, Chef einer Werbeagentur, die Gemäuer zu einem Zauberturm umbauen. Doch der Stadt fehlte ein ausgearbeitetes Konzept. Knackpunkt war vor allem der Brandschutz.

Dass Eger bleiben darf ist unwahrscheinlich. „Auf Dauer sicherlich nicht“, sagt Susanne Schierwater vom Grünflächenamt, das den Turm verwaltet. Ein Mitarbeiter sei am Dienstag vor Ort gewesen. „Wir wollen mit Eger Kontakt aufnehmen und zeitnah eine einvernehmliche Lösung finden.“ Denn der Turm sei zur Unterbringung von Menschen nicht geeignet. Neben Licht und Heizung fehlten eine Toilette und Wasserversorgung, dort zu wohnen sei schlichtweg gefährlich. Der Verein für soziale Heimstätten wolle zudem mit den Obdachlosen dort sprechen, sagt Schierwater. Grundsätzlich sei solch ein Engagement zu begrüßen. Aber Frankfurt tue einiges, um Obdachlose zu betreuen und ihnen Unterschlupf zu gewähren.

Für Freitag lädt Eger von 15 bis 21 Uhr zum Turm ein, dort soll der Film „Der Engel vom Gallus“ ausgestrahlt und ein Mal-Workshop von Künstlerin Adeleide Sardiello angeboten werden. Falls er noch dort sein darf.

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